Warum machen Fotos dick?

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    • Warum machen Fotos dick?

      Ich bin ein miserabler Porträt-Fotograf, meine Familienporträts sind gefürchtet :)

      Gerade deshalb frage ich mich, warum Foto oder Film eigentlich so aufträgt? Eine 42 wirkt eher wie 46/48...

      Kann man was dagegen tun? Oder nicht, und ist das der Grund für die Magermodels? Wie kommt der Effekt zustande?

      Hier sind ja einige, die ziemlich viel in der Richtung machen, sicher mit mehr Ahnung als ich. Daher hoffe ich, einige Antworten zu bekommen...

      Grüße
      Rolf

      P. S.: Seit ich regelmäßig Filme auf den Familientreffen durchknalle (meist KB mit einer vollautomatischen Dynax), bin ich schon viel besser geworden. Ich muss mir einzelne Leute raussuchen, möglichst telemäßig, und mich nur auf das Opfer Motiv konzentrieren, dann werden die Bilder schon ganz gut. Bei Landschaftsaufnahmen, Architektur usw. sehe ich sofort, ob das Motiv lohnt, oder ob ein Bild gut geworden ist, aber bei Porträts tappe ich immer noch ein bisschen im Dunkeln. Oft bin ich überrascht über die Reaktion der Leute. Da die alle Familie sind und ich sie an der Auswahl beteilige, haben sie aber ganz viel Geduld mit mir und freuen sich über die Bilder, die schön geworden sind... :)
    • Bei mir ist es ähnlich. Aber ich glaube, den Grund dafür gefunden zu haben:

      Ich möchte nicht das millionste Standardportrait machen, wie sie einem auf fast jeder professionellen und amateurbetriebenen webseite entgegenquellen. Aus dieser Abneigung heraus versuche ich, die Leute so zu fotografieren, wie sie wirklich (in meinen Augen) sind, was häufig den Unmut der Opfer Motive hervorruft. Sie wollen auf Fotos schöner, vorteilhafter, aussehen, als sie es wirklich sind. Da ich auf diese Diskussionen keinen Bock mehr habe, mache ich keine Portraits jedweder Art mehr.
      ernst-kluger.de

      Ich habe den Herrn um nichts gebeten und in seiner unendlichen Güte hat er mir auch nichts gegeben.
    • Du fertigst von einer 3-dimensionalen Vorlage ein 2-dimensionales Bild an. Wenn das Ganze entsprechend flach ausgeleuchtet ist wirkt das Ergebnis entsprechend. Und ja, deshalb die Magermodells, die auf den Laufstegen ja auch plattgeblitzt werden. Das Gegenteil hat man mit Marlon Brandon bei Apokalypse Now gemacht. Der hatte sich damals so fett gefressen (über weitere Auswirkungen von Alkohol und Drogenmissbrauch will ich jetzt nicht spekulieren), dass er bei normaler Filmbeleuchtung ausgesehen hätte wie Jabba the Hutt. Also sieht man ihn nur im Streiflicht. So eine Ausleuchtung paßt aber nicht zu jeder Familienfeier und wird auch sonst nicht immer goutiert.
    • Peter Eerenstein schrieb:

      Das liegt daran, daß man die Familie meistens beim Kaffeetrinken und nicht beim Sport trifft.
      Das ist natürlich auch wieder wahr... :)

      Ernst Kluger schrieb:

      Da ich auf diese Diskussionen keinen Bock mehr habe, mache ich keine Portraits jedweder Art mehr.
      So schlimm ist es nicht, ich bin nur manchmal überrascht, welche Bilder sie gut und welche sie "unmöglich" finden. Liegt vielleicht auch am Selbstbild, das die Leute von sich haben.

      Peter Eerenstein schrieb:

      Über die alten Aufnahmen wird sich später trotzdem gefreut
      Isso. Neulich hat meine Nichte mit ihrem Mann ausdrücklich eine Porträtserie mit ihren Zwillingsbabys bei mir angefordert, weil sie mit dem Standardergebnis der professionellen Fotografin nicht zufrieden waren. Obwohl das Licht schon knapp wurde, haben wir ein paar Aufnahmen an der Terrassentür arrangiert, und sie waren hochzufrieden mit den Abzügen. Ein anderes Mal wurde von jemandem ein Abzug nachbestellt, weil er beim nächsten Treffen nicht dabeisein konnte. Also, so schlecht kommen die gar nicht an. Aber manchmal denke ich auch "da schaut sie ja gerade nicht vorteilhaft aus", und gerade das Foto wollen sie haben.

      Peter Volkmar schrieb:

      Du fertigst von einer 3-dimensionalen Vorlage ein 2-dimensionales Bild an. Wenn das Ganze entsprechend flach ausgeleuchtet ist wirkt das Ergebnis entsprechend.
      Aha, das ist jetzt wirklich ein technischer Grund. Die Ausleuchtung... 3D auf 2D. Also wird "das Auge" überfordert, weil man die Abmessungen nicht richtig einschätzen kann? Die Story mit Marlon Brando kannte ich nicht, ist ja interessant.

      Gibt es denn ein paar Grundregeln, dass man trotz schlechter Beleuchtung die Leute nicht zu mopsig aussehen lässt? Besonders bei diesen gestellten Gruppenfotos... Oder anders gefragt, wie stelle ich die Leute hin, damit sie hinterher ok aussehen? Eher unter den Baum in den Schatten, oder eher ins direkte Licht? Eher gegen das Licht, oder eher mit Seitenlicht? Wie hoch sollte die Kamera stehen, eher tief oder eher auf Kopfhöhe?

      Grüße
      Rolf
    • Rolf Eilert schrieb:

      Gibt es denn ein paar Grundregeln, dass man trotz schlechter Beleuchtung die Leute nicht zu mopsig aussehen lässt?
      Ja, ganz klar: keine Filme mit hoher Empfindlichkeit. Dicke Körner = dicke Menschen ;)

      ...über dieses Thema wurden wahrscheinlich viele 100e Bücher geschrieben. Da hilft nur studieren. Bücher & Menschen :). Ein Buch, was ich gar nicht so schlecht fand, ist dies.
    • Danke für den Buchtipp, kommt auf die Liste für meinen Geburtstag (Weihnachten ist ja gerade vorbei...)

      Was arrangierte Fotos und Gruppenaufnahmen angeht, ist übrigens mein Schwager in der Familie der Könner. Er kann einfach keine Spontanaufnahmen. Er fordert jeden auf, "guck mal, lächeln...", (wobei ich jedes Mal zusammenzucke) drückt erst auf den Auslöser, wenn ihm die Geste gefällt, reißt die Leute auch bewusst aus einem Gespräch usw. Er hat von den Kindern schon im zartesten Alter (die sind quasi zufünft aufgewachsen) ganz tolle Gruppenbilder gemacht, aber immer arrangiert, immer mit "setz dich mal hier hin, schau mal da hin, lächeln!". Und die Bilder sind einfach toll, ich versteh es nicht, wie man das hinkriegt, er kann es mir auch nicht erklären, er macht es einfach aus dem Bauch.

      Für Gruppenaufnahmen hat er übrigens zwei Grundregeln: 1. Kamera immer unterhalb der Köpfe und 2. Niemals die Füße abschneiden.

      Grüße
      Rolf
    • Hallo Rolf, also über Geschmack bei Familienporträts kann man bestimmt viel diskutieren.
      Meine Grundregeln sind:

      Nicht beim Essen.
      Wenn möglich Standard oder leichtes Tele
      Seitliche Beleuchtung, daß macht schlanker.
      Möglichst gemütliche
      Atmosphäre schaffen, und keine Bilder zu schießen wenn keiner von den Leuten will.
      Und ich finde, Bilder die einem selbst nicht gefallen, weg damit.

      Gruss Oliver
      Oliver Pötzl
      München
      OliverPoetzl.de
    • Ich würde vielleicht einfach noch ein bisschen mehr üben. Mit Licht kann man zwar viel machen, das ist ausserhalb eines statischen Aufbaus unter Studiobedingungen aber nicht gut zu kontrollieren. Etwas betonteres Seitenlicht kann man vielleicht noch mit einem Blitz improvisieren. Das würde dann aber nur bei Kopf- und Bruststücken einigermassen funktionieren, und auch nicht sehr zuverlässig. Überzeugende Retusche ist auch nicht so easy, weil Malen ja auch nicht easy ist, und zu Zeiten von Zarah Leander oder Mae West durften da auch nur die Besten dran. Die hatten dafür wirklich lange geübt.

      Fotografie bedeutet ja Auswahl. Der einfachste Ansatz ist, ganz viel Sozialfotografie mit vorhandenem Licht zu machen, die schlechtesten Bilder wegzuwerfen (dann wird sich auch niemand beschweren, dass sie zu dick aussieht) und nach den nächsten fünf Hochzeiten nochmal zu schauen, inwiefern es besser geworden ist.

      Weil es noch nicht kam: Bei zu tiefem Kamerastandpunkt wirken Menschen auch schon etwas unvorteilhafter im Bild. Sieht man schon, wenn man einen Lichtschacht statt eines Prismas nimmt.
      Wissenschaftlichkeit: Das heißt zu wissen, was man weiß und was man nicht weiß. Unwissenschaftlich ist alles totale Wissen, als ob man im Ganzen Bescheid wüsste. (Karl Jaspers)