Entwickler und Kalk

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    • Entwickler und Kalk

      Hallo zusammen,

      hab ne Frage an die Spezis: Beeinflußt Kalk den Negativentwickler? Wir haben leider extrem kalkhaltiges Wasser.

      Konkret gehts darum, dass meine Entwicklungszeiten teilweise erheblich länger sind, als angegeben. Möglich natürlich auch, dass ich was falsch mache. 8|
      Beispielsweise brauch ich für HP5 in Rodinal (jaja, macht man nicht) bei 320 ASA in 1+50 Rodinal 13:30 Minuten bei 24 (!!!!) Grad, um zu einem einigermaßen brauchbaren Kontrast zum Vergrößern zu kommen, sprich Gradation 3, manchmal auch 4. Hab natürlich auch kein Densitometer, um konkret zu vergleichen.
      Was ich bei Zeiten mal noch ausprobiere: Entwickler mit destilliertem Wasser ansetzen.

      Gibts da irgendwelche Ideen zu ?

      Vielen Dank
      Christian
      [url]http://www.instagram.com/herr_thiele[/url]
    • Kalk sollte den Entwickler nicht beeinflussen.

      Es hilft aber kein orakeln, du solltest deinen Prozess eintesten. Es geht auch ohne Densitometer. Geeignet sind behelfswieße ein Durchsichts-Graukeil, eine Spiegelreflexkamera, welche Meßwerte im Sucher anzeigt oder sogar ein genauer Bleichtungsmesser.
      Für die letzten beiden Varianten musst du die Testnegative im Vergrößerer einspannen und mit Kamera oder Beli ausmessen. Die Genauigkeit ist dann eben nicht höher als 1/3...1/2 Blende. Das genügt aber auch.
    • Einen Filmentwicklungsprozess sauber einzutesten, wie Uwe das empfohlen hat, wäre auch meine primäre Antwort gewesen. Daneben hat Ilford mal etwas über kalkhaltiges Wasser geschrieben (Fact Sheet Filmentwicklung von 2009):
      "Die zum Ansatz der Arbeitslösungen optimale, jedoch nicht zwingend vorgeschriebene Wasserhärte beträgt 100 bis 300 ppm (Calciumcarbonat) entsprechend 5 bis 17°dH. Wenn sie deutlich über 300 ppm bzw. 17 °dH liegt, kann die Verwendung enthärteten, aber nicht destillierten Wassers für den Ansatz erforderlich sein, um Kalkniederschlag zu verhindern und ein gründliches Mischen der Lösungen zu ermöglichen."

      Deutlich über 300 ppm oder 3mmol/l wären schon ein extremer und seltener Wert. Nach meiner Erfahrung riskiert man mit enthärtetem Baumarktwasser, dass im Entwickleransatz schon nach wenigen Wochen Schimmel wächst.

      Gruß, Manfred
      Allerlei technische Tipps zur SW-Fotografie unter: anzinger-online.de/Foto/
    • Manfred Anzinger schrieb:

      Nach meiner Erfahrung riskiert man mit enthärtetem Baumarktwasser, dass im Entwickleransatz schon nach wenigen Wochen Schimmel wächst.


      Gruß, Manfred
      Mikroorganismen sollten in deminieralisiertem Wasser selbst nicht lebensfähig sein (Osmose).

      Wenn du mikrobiologische Aktivitäten in deinen Ansätzen bemerkst, liegt das vermutlich daran, dass sie mit organischen Substanzen verunreinigt sind. Z.B. Gelatine aus dem Entwicklungsvorgang.

      Ich setze seit über zehn Jahren regelmäßig 5-Liter-Packungen Xtol mit "Baumarktwasser" an. Obwohl diese Ansätze zum Teil weit über 12 Monate aufbewahrt werden, habe ich noch kein einziges Mal Anzeichen von Schimmel o.ä. bemerkt. Es sind aber Vorratslösungen für die Einmalentwicklung, keine Arbeitslösungen, die wiederverwendet werden.
    • Man kann davon ausgehen, daß alle handelsübliche Entwickler mit einem passenden Kalkschutzmittel ausgerüstet sind, sofern das tatsächlich notwendig ist.
      Christian berichtet ja aber auch nicht von sichtbaren Problemen mit dem Kalk wie z.B. dem Auftreten von einem Niederschlag.
      Die hohe Wasserhärte ist also nicht das Problem.

      Christian kann mit der gewählten Film-Entwickler Kombination keinen ausreichenden Kontrast erreichen.
      Das liegt ganz einfach daran, daß manche Kombinationen nicht (oder nur mit großen Schwierigkeiten) in der Lage sind einen ausreichenden Kontrast zu erreichen.

      Ziel ist es unter den eigenen spezifischen Bedingungen in der eigenen Dunkelkammer im Schnitt mit Papieren der Gradation 2 bis 3 vergrößern zu können. Auch ohne Densitometer merkt man in der Praxis recht schnell ob die eigene Negativentwicklung passt oder nicht.

      Herzliche Grüße
      Klaus
    • > Ziel ist es unter den eigenen spezifischen Bedingungen in der eigenen Dunkelkammer im Schnitt mit Papieren der Gradation 2 bis 3 vergrößern zu können.

      So einfach ist das nicht, vor allem, wenn man sich auf Gradation 2 einschießt.

      Für Landschaft und Archtektur wünscht man oft eine recht kräftige Wiedergabe. Um das mit Gradation 2 zu erzielen, muss man also auch zu einem recht hohen Negativkontrast entwickel, eher gegen 0,8 als 0.7. Dadurch kann man Probleme mit ausgebrannten Lichtern bekommen, insbesondere bei Filmen, die dazu neigen. Was weg ist, ist weg und kein noch so ausgefeilter Duka-Prozess holt das wieder.

      Ich entwickle auch etwas härter als allgemein empfohlen, und benutze dann aber typischerweise Gradation 3. Damit bekommt man das Negativ nicht "glatt" auf das Papier, ich muss Schatten zurückhalten und Lichter nachbelichten. Aber nur dadurch bekommt man eine kräftige Wiedergabe ohne ausgebrannte Lichter.

      Bei Dia hat man keine Chance, da muss man einen Zwischenweg finden. Ggf. unterbelichten und dennoch kräftig entwickeln.
    • Jochen Schmitt schrieb:

      Mikroorganismen sollten in deminieralisiertem Wasser selbst nicht lebensfähig sein
      Sollten nicht - aber... Schimmel ist ein Teufelszeug, wächst sogar auf Silikon. Und die für Baumarktwasser verwendeten Ionenaustauscher sind bei mangelhafter Wartung wahre Brutstätten für dieses Zeug. Calcium-Ionen sind danach zwar draußen, aber dafür kann anderes Zeug drin sein. Die 5-l-Kanister aus dem Baumarkt sind für Xtol zwar praktisch, aber nach meiner(!) mehrfach gemachten Erfahrung bei meinem Baumarkt nicht ohne Risiko.

      Wie Klaus schon geschrieben hat: normales Leitungswasser macht für handelsüblichen Entwickler keine Probleme.

      Zurück zum eigentlichen Problem: Was Christian bei 24° gemacht hat entspricht etwa 20Min bei 20°C, d.h. bis zur totalen Erschöpfung von Rodinal. Wenn der Kontrast nicht reicht, hilft da auch eine längere Zeit nichts. (Bei diesem Entwickler wären eher 16° angesagt. Davon schwärmen viele Rodinal-Benutzer.)

      Bei Christians Entwicklung scheint was Anderes faul zu sein. Vielleicht kein Original-Rodinal? Heute werden ja etliche Entwickler mit dem Versprechen verkauft, sie wären wie Rodinal. Sind die auch so haltbar wie das Original?

      Gruß, Manfred
      Allerlei technische Tipps zur SW-Fotografie unter: anzinger-online.de/Foto/
    • Manfred Anzinger schrieb:

      Zurück zum eigentlichen Problem: Was Christian bei 24° gemacht hat entspricht etwa 20Min bei 20°C, d.h. bis zur totalen Erschöpfung von Rodinal. Wenn der Kontrast nicht reicht, hilft da auch eine längere Zeit nichts. (Bei diesem Entwickler wären eher 16° angesagt. Davon schwärmen viele Rodinal-Benutzer.)

      Bei Christians Entwicklung scheint was Anderes faul zu sein. Vielleicht kein Original-Rodinal? Heute werden ja etliche Entwickler mit dem Versprechen verkauft, sie wären wie Rodinal. Sind die auch so haltbar wie das Original?
      durchaus möglich! Bei meinem Rodinal handelts sich um APH-09, vermutlich schon einige Jährchen alt.
      Ob das mit den 16 Grad so grandios wird müsste man mal überprüfen. Hab auch schon mit 28 Grad entwickelt und fands nicht furchtbar. Mir gefallen aber auch körnige Negative.

      Ähnliches hab ich allerdings auch mit HC-110, da sind die Entwicklungszeiten etwas, nicht viel länger, als angegeben. Würde aber behaupten, dass das einigermaßen normal sein könnte.
      Daher meine Frage, ob Kalk den Entwicklungsprozess beeinflußt. Auch das müsste ich auch mal mit so einem Test prüfen.

      Weiterhin hab ich mit Standentwicklung und Rodinal 1+100 ganz gute Ergebnisse gekriegt, allerdings auch mit 2,5 Stunden:

      D6F2289C-ED3B-4DAA-9482-E7FA0C4082F3.jpeg

      Hier von unten nach oben: 3200, 1600, 800, 400 und 200 ASA.

      Die Scans dazu:

      0535B204-C2ED-4289-AC54-8567FF93B8E6.jpeg

      400 ASA

      96833F1D-C358-4807-BAD6-E99D18CC22ED.jpeg

      800 ASA

      62868B4E-B9BC-4B7D-9E96-ADE5BC373DCE.jpeg

      3200 ASA

      Alles HP5 eben mit Rodinal 1+100 angesetzt bei 20 Grad, erste Minute komplett gekippt, dann alle 30 Minuten 1x und das Ganze für 2,5 h.
      Der Scan war in Ordnung, vergrößern ließ sich ebenfalls alles bei Gradation 3.

      Der nächste Knackpunkt könnten die Ilford Multigrade Filter sein, eventuell sind die zu alt oder ausgeblichen, glaub da gabs hier schon mal was zu. Allerdings hats damit ja gut geklappt.
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    • Uwe Pilz schrieb:

      Ich entwickle auch etwas härter als allgemein empfohlen, und benutze dann aber typischerweise Gradation 3. Damit bekommt man das Negativ nicht "glatt" auf das Papier, ich muss Schatten zurückhalten und Lichter nachbelichten. Aber nur dadurch bekommt man eine kräftige Wiedergabe ohne ausgebrannte Lichter.
      Diese Methode ist i.d.R. nur erfolgreich wenn man mit Rodinal entwickelt und liegt an der Form der Rodinal-typischen chrakteristischen Kurve.
    • Diese Zusammenhänge und mögliche Ausweichlösungen kann man natürlich gerne untersuchen und vielleicht hat der eine oder andere seine Freude daran. Ich verlasse mich da aber lieber auf die Datenblätter und Empfehlungen des Herstellers, um gute Ergebnisse zu erzielen. Es gibt auch so noch genug zu probieren und verbessern. Einen Versuch wäre es wert die Verdünnung 1+25 nach Datenblatt für einen ersten Test zu benutzen. Entwickler sparen sollte auf keinen Fall ein Motiv für eine höhere Verdünnung sein. Was kosten 10 ml Rodinal und was kostet ein Film?

      Dazu muss ich noch sagen, dass ich den HP5 gerne und häufig als Planfilm benutze und da gibt es andere Entwickler die mit diesem Film richtig gut harmonieren und ausgezeichnete Ergebnisse bringen.

      Viel Erfolg und beste Grüße,
      Otto!
    • Otto Beyer schrieb:

      Diese Zusammenhänge und mögliche Ausweichlösungen kann man natürlich gerne untersuchen und vielleicht hat der eine oder andere seine Freude daran. Ich verlasse mich da aber lieber auf die Datenblätter und Empfehlungen des Herstellers, um gute Ergebnisse zu erzielen.
      die brachten mir weder bei Rodinal noch bei HC-110 was.


      Otto Beyer schrieb:

      Entwickler sparen sollte auf keinen Fall ein Motiv für eine höhere Verdünnung sein. Was kosten 10 ml Rodinal und was kostet ein Film?

      Dazu muss ich noch sagen, dass ich den HP5 gerne und häufig als Planfilm benutze und da gibt es andere Entwickler die mit diesem Film richtig gut harmonieren und ausgezeichnete Ergebnisse bringen.
      von „Entwickler sparen“ hab ich nie geredet.

      Planfilm hab ich mit der Kombi 1+100 tatsächlich ganz gut hingekriegt:


      588515EC-AAC7-4B61-AA3F-465327FEFF56.jpeg

      610B3503-FF68-4939-9180-F4A25C4AC58C.jpeg

      Leider nur abfotografiert, da ich keinen Scanner für die Größe, weder Abzug noch Negativ, habe.
      Planfilm und Mittelformatfilme waren tatsächlich weniger problematisch, beim Kleinbild wurds schwieriger.
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    • Christian Thiele schrieb:

      Otto Beyer schrieb:

      Einfach einen Blick in die original Agfa-Entwicklertabelle werfen. Für den HP5+ wird die Verdünnung 1+50 ausdrücklich nicht empfohlen (Not Recommended). Steht auch in anderen original Agfa-Unterlagen so.
      Aber warum? Des Korns oder des mangelnden Kontrastes wegen?
      Wahrscheinlich, weil der Entwickler erschöpft ist, bevor er ausreichend Kontrast aufbauen kann. Das Warum ist aber im Grunde auch egal, denn Agfa wird das nicht aus Jux und Dollerei hingeschrieben haben.