Rahmen ohne Glas

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    • Rahmen ohne Glas

      Ich brauche mal eure Meinungen und Ideen :)

      Etwas, was mir seit einiger Zeit im Kopf rumspukt, ist das Rahmen von Barytbildern.

      Eigentlich habe ich den Eindruck, dass das Glas die besondere "Tiefe" wieder platt macht, Baryt ist dahinter nicht wirklich unterscheidbar vom PE-Abzug.

      Gemälde werden doch auch nicht mit Glas zugedeckt, außer Kunstdrucke, Radierungen usw. Aber ein Ölgemälde hinter Glas? Hab ich noch nicht gesehen. Baryt hält sich doch auch gut so. Daher meine Idee, Barytabzüge einfach heiß aufzuziehen und dann schön zu rahmen - aber ohne Glas davor.

      Habt ihr schon mal sowas gesehen? Ist das vielleicht sogar üblich? Oder übersehe ich dabei irgendwas?

      Ein eigenes Beispiel dafür habe ich auch: Einen Barytabzug aus den 80er Jahren (auf diesem ungarischen Papier, habe den Namen vergessen, was mit "f", aber nicht foma...). Den hatte ich damals - weil ich nichts anderes zur Hand hatte - in einen Rahmen ohne Glas gesteckt und im Flur aufgehängt. Der Flur hat eine riesige Lichtkuppel, also es kam Jahrzehnte auch viel Sonne auf das Bild. Das Bild ist immer noch wie am ersten Tag, es hängt jetzt bei uns im Wohnzimmer. Mangels Aufziehtechnik ist es etwas gewölbt und nicht ganz plan, aber es sieht immer noch toll aus.

      Was denkt ihr darüber?

      Grüße
      Rolf
    • Rolf Eilert schrieb:

      Aber ein Ölgemälde hinter Glas? Hab ich noch nicht gesehen.
      Die Mona Lisa im Louvre hängt auch hinter Glas!

      Rolf Eilert schrieb:

      auf diesem ungarischen Papier, habe den Namen vergessen, was mit "f", aber nicht foma...
      Forte

      Rolf Eilert schrieb:

      Was denkt ihr darüber?
      Kann man machen, allerdings stelle ich es mir schwierig vor am offenen Rahmen dann Staub zu wischen.

      Ich habe insgesamt nur wenige Bilder gerahmt, mit Normalglas und werde diese Rahmen demnächst mal auf spiegelfreies Acrylglas umrüsten. Ohne Spiegelungen erhoffe ich mir dadurch einen Gewinn an optischer Tiefe.
      Nostradamus: Anno Domini MCMLXXX wird ein Apfel emporsteigen, den niemand essen kann.
    • Es kommt ja auch ein bisschen auf die Glassorte an. Hochwertiges Museumsglas, also das, das vor den hochwertigen Bildern montiert wird, reflektiert erheblich weniger Licht und nimmt erheblich weniger Kontrast weg als das Glas, das zum Beispiel in irgendwelchen Baumarktrahmen drin ist. Das ist so gut, dass man oft erst auf den zweiten Blick sieht, dass überhaupt Glas vor dem Bild ist. Es ist zwar auch erheblich teurer als normales Glas, für Einzelfälle haut das kostenmässig aber noch nicht ganz so hammermässig rein.

      Ob etwas mit Glas oder ohne gerahmt wird, hängt in erster Linie von der Empfindlichkeit des Werks ab. Öl- und Acrylgemälde sind im Vergleich mit Werken anderer Techniken erstauntlich widerstandsfähig, wenn das Bild und die Firnis in gutem Zustand sind und die Farbe vielleicht nicht so pastos aufgetragen wurde, dass sie vom Anschauen schon abfällt. Das ist der Grund, warum man diese Sorte Bilder fast als einzige meist ohne Glas rahmt. Im Vergleich dazu sind Grafiken empfindlicher (weniger wegen der Farbe, sondern weil gelegentlich irgendwelche besonderen Papiere verwendet werden), Zeichnungen vielleicht je nach Technik auch, Aquarelle und Pastelle sind sehr sensibel, und so weiter. Fotopapiere in PE sind zwar auch recht widerstandsfähig, Baryt ist aber empfindlicher für mechanische Schäden und wenn Flüssigkeiten drankommen - insofern ist Glas vielleicht schon besser. Kurz: Bei Ölbildern mache ich nie Glas davor, bei allem anderen schon.

      Ich gebe Dir aber natürlich Recht - ich hatte vor langer Zeit mal ein Baryt-Bild ohne Glas gerahmt. Sah erheblich besser aus als mit Glas, hat dadurch auch über zwei Jahre (?) an diesem Ort keinen Schaden genommen.
      Wissenschaftlichkeit: Das heißt zu wissen, was man weiß und was man nicht weiß. Unwissenschaftlich ist alles totale Wissen, als ob man im Ganzen Bescheid wüsste. (Karl Jaspers)
    • Hallo Rolf, mein Sohn und ich betreiben nebenberuflich eine Einrahmungswerkstatt, haben also fast täglicvh mit diesen Fragen zu tun. Es geht fast immer um zwei Dinge: den persönlichen Geschmack und den konservatorischen Gesichtspunkt. Die Rahmung eines Bildes bersteht bei einem Foto immer um Untergrundkarton, Passepartout, Glas und Rahmen. Natürlich kann man Glas oder (und) Passepartout weglassen. In den meisten Fällen aber kann ein Bild durch eine gute Rahmung enorm aufgewertet werden. Entspiegeltes Glas sieht man kaum. Nicht jeder ist bereit, den höheren Preis zu zahlen. Mit einem Passepartout (PP) kann man durch z.B. tiefe Fase, Doppel PP, Farbwahl u.a. ein Bild enorm aufwerten. Es gilt aber immer, den Gesamteindruck zu sehen, also nicht allein die Fragestellung mit oder ohne Glas. Vieles wäre noch zu sagen, aber letztlich ist die gesamte Bildeinrahmung immer eine Frage des persönlichen Geschmacks, wenn man diesen denn schon entwickelt hat. Herzl. Grüße! Michael
    • Rolf Eilert schrieb:

      Habt ihr schon mal sowas gesehen? Ist das vielleicht sogar üblich?
      Es gibt so viele Optionen Fotos/Abzüge an der Wand zu präsentieren. Wenn man "privat" unterwegs ist fallen dabei evtl. sogar die konservatorischen und sicherheitsrelevanten Aspekte noch raus. Rein von der Ästhetik her gibt es natürlich keine festen Regeln. Mir fallen ganz spontan folgende Klassiker ein:


      - Gerahmt, hinter Glas mit Passepartout: Der "Klassiker". Das bringt besten Schutz fürs Bild (Licht, Diebstahl) und wirkt sehr "museal". Sprich die Fotos werden aufgewertet - vorausgesetzt man hat einen schönen Rahmen und kein Holzimitat oder Kunststoff-Hochglanzprodukt. Das passt natürlich auch nicht zu allen Motiven. Hat im Museum noch den Vorteil, dass man die Fotos auswechseln kann, die werden dann mit Passepartout gelagert/verliehen.

      - Gerahmt hinter Glas ohne Passepartout. Ich lasse oft einen größeren weißen Rand um das Motiv stehen, den ich nicht mehr mit Passepartout abdecke. So hat man einen Abstand zum Rahmen aber nicht so ein dickes, aufdringliches Passepartout. Das wirkt mir manchmal zu konservativ. Je nach Motiv kann man auch das Bild bis an den Rahmen laufen lassen, da ist gestalterisches Fingerspitzengefühl bei der Farb-/Materialauswahl gefragt.

      - Gerahmt ohne Glas. Habe ich auch schon gemacht, das Glas stört mich auch manchmal. Besonders bei großen Bildern kann es je nach Hängeort störende Reflexionen geben. Wirkt auch sehr gut mit Schattenfugenrahmen, das Foto dann am besten fest kaschiert.

      - Ungerahmt und kaschiert. Häufig auf Alu-Verbundplatten (Dibond), die sind sehr stabil. Als billige Hobbyalternative haben sich Leichtschaumplatten ("Kapa") etabliert. Das Foto ist direkt auf der Platte, die wird dann an die Wand gedübelt. Durch einen leichten Abstand zur Wand wirkt das ganze etwas "luftiger-schwebend" und nicht so plump.

      - Ohne Alles. Entweder man nimmt vier Nägel mit denen man den Abzug an die Wand nagelt oder man benutzt noch zusätzlich Klemmen ("Foldback-Klammern") die man an das Bild anbringt und dann an vier Nägel aufhängt. Das wirkt sehr roh und unprätentiös und kann je nach Sujet sehr gut passen. Wenn die Fotos gut sind, muss diese Präsentation der Wertigkeit der Bilder keinen Abbruch tun.

      - Wäscheleine/Bindfaden. Die Fotos werden an die Leine geklammert, hier kann man dann auch noch auf die Wand verzichten. Wird oft bei "Spontanausstellungen" oder Präsentationen genutzt.

      Es gibt noch viele weitere Alternativen, die für analoge Abzüge eher selten genutzt werden oder zumindest in Heimarbeit kaum umzusetzen sind:
      - "Diasec" - also hinter Acrylglas kaschiert. Auch häufig in Ausstellungen bei großen Formaten zu sehen.
      - Auf die Wand kaschiert - aka "Fototapete"
      - Leuchtkasten
      - Keilrahmen, bzw. auf "Leinwand" (also rauer Träger - kennt man von diversen Druckanbietern und Möbelhäusern)

      Persönliche Anmerkungen:
      Im Grunde hat der Fotograf immer Angst, dass seine Fotos "abgewertet" werden, darum ist Passepartout die vermeintlich beste Option um das letzte Quäntchen an Qualität herauszuholen. In meinen Augen ist das Augenwischerei und es gibt keine allgemeingültigen Regeln für die Präsentation. Kapa und Leinwand ist mir persönlich zu "billig" von der Anmutung her. Ich find's immer besonders hässlich, wenn versucht wird etwas hochwertigeres zu imitieren (so wie die schrecklichen Rahmen mit Holzimitat-Folie). Dann lieber direkt an die Wand, ohne alles. Kommt auch immer aufs Gesamtpaket an: Ausstellungsort/Wand, Bildmotive, Größe etc. Erlaubt ist was gefällt!
    • Die Rahmung hinter Glas mit Passepartout verwende ich meist, auch wenn das Glas oft störend wirkt. Andererseits erschwert das Glas das Eindringen von Staub, was ich doch für wichtiger halte, das „Spotting“ durch Fliegen, auch Fliegenschiss genannt. Auch das Passepartout hat neben seinem optischen einen durchaus praktischen Sinn, indem es den direkten Kontakt zwischen Bild und Glasscheibe verhindert. Wir kennen ja alle ältere, gerahmte Fotos, die an der Scheibe haften und nur schwer ohne Beschädigung zu entfernen sind. Deine erwähnte Rahmung mit Schattenfuge finde ich, vll etwas abhängig vom Motiv, sehr schön. Alles ist eben immer ein Kompromiss
    • Fotos kommen in der Regel hinter Glas, aber mittlerweile nur noch sehr selten hinter ein Passepartout, das finde ich irgendwie auch langweilig. Ich tausche die Bilder sowieso gelegentlich aus, Passepartouts sind mir zu umständlich, und die Kombination zum Beispiel eines breiten weissen Randes am Foto, der visuell nahtlos in einen weissen Rahmen übergeht, finde ich auch gut. Passepartout nehme ich dann, wenn es zu anderen Bildern passen soll oder wenn es irgendwie konservativer aussehen soll. Bei Flachkunst, die kein Gemälde ist (siehe oben), ist der Einsatz eines Passepartouts natürlich ein No-Brainer, da denke ich noch nicht mal drüber nach. Ansonsten habe ich schon eine Menge Optionen für das Aufhängen von Fotos durch und muss sagen, dass das sowieso nicht ganz einfach ist. Matt gedruckt auf Aludibond hatte ich mir zum Beispiel nie als besonders attraktiv vorstellen können, bei diesem einen Bild, wo ich das doch mal gemacht habe (wo Schärfe und Kontrast auch völlig wurst sind), sieht es aber sehr schön aus. Anderer Aspekt des Themas "Rahmung": Habe gerade ein Bild erworben, das der Vorbesitzer in einen unglaublich hässlichen, viel zu grossen und farblich doch recht grenzwertigen Rahmen hat montieren lassen. Positiv: Aufgrund dieses absolut desaströsen Gesamteindrucks wollte es wohl keiner haben, deshalb war es recht günstig. Da kommt jetzt ein viel schönerer (bzw. einfacherer) Rahmen dran, das Bild wird aufgewertet, und dann ist das quasi eine Win-Win-Situation... Was lernt der praktisch tätige Künstler daraus: Der erzielbare Verkaufspreis hängt am Ende auch noch von sowas ab.
      Wissenschaftlichkeit: Das heißt zu wissen, was man weiß und was man nicht weiß. Unwissenschaftlich ist alles totale Wissen, als ob man im Ganzen Bescheid wüsste. (Karl Jaspers)