Empfehlung Baryt?

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    • Empfehlung Baryt?

      Hallo,

      als Anfänger in den 70ern habe ich Barytpapier (sw) verwendet, ich glaube von Quelle Revue. Dann habe ich lange Zeit PE glänzend vorgezogen wegen der
      einfacheren Verarbeitung, vor allem Wässerung.
      Doch neulich, auf dem Fineartforum in Paderborn lagen da ein paar Barytabzüge 'rum, die mir auch von der äußeren Haptik sehr gut gefielen.
      Jetzt möchte ich doch auchmal wieder Barytpapier verwenden.
      Gibt es ein Papier, das leichter zu wässern und zu glätten ist als die anderen?
      Oder, wenn nein, welches PE-Papier ist von der äußeren Beschaffenheit dem Baryt am ähnlichsten?

      Für jeden Tipp dankbar

      Hans-Gerd
    • > Es kommt neue Version von Ilford RC - MG de Luxe V.
      Dies hat aber den selben Träger wie das jetzte Multigrade IV.

      ~

      Barytverarbeitung hat gegenüber PE zwei Herausforderungen
      1) In den Bädern keine Knicke erzeugen. Das nasse Papier ist empfindlich. Das kann man einfach lernen.
      2) Die Bilder wellenfrei glatt bekommen. Einfach in die Trockenpresse legen, funktioniert nich:Sie trocknen am Rand schneller als in der Mitte und bekommen eine gewaltige Beule.
      Insgesamt ist Trocknen schwierig. Jeder, der Baryt macht, hat da seine eigene Methode, jede funktioniert. Manches ist sehr aufwendig, anderes muss man lernen, was dauert. Hier gibt es keine Abkürzung.
      Viele nehmen die Nassklebestreifenmethode und Glasscheiben oder (besser) Trockerahmen. Ich habe damit experimentiert. Es funktioniert, aber die trockenen Bilder stehen derart unter inner Spannung, dass sie seh empfindlich sind. Ein winziges, beim etwas artikulierten SPrechen auf das Bild gelangende Speicheltröpfchen, und es wellt sich dort sofort.
      Ich benutze Fließpapierbögen, gibt es als "Trockenbuch" zu kaufen. Danach haben die Bilder große Wellen, Wellenlänge um 10 cm und haben nach einem Tag noch eine winzige Restfeuchte. enn ich sie dann in Wechslelrahmen mit Passepartout stecke, dann werden sie ganz glatt und bleiben auch so. Eine alternative (benutze ich für kleiner Formate) ist es, die noch ein ganz klein wenig klammen Bilder aus dem Trockenbuch noch mal in die Trockenpresse zu tun.
    • Holla!

      Eine weitere Methode ist, die nassen Bilder hängend, Rückseite zu Rückseite an der Wäscheleine aufzuhängen, natürlich gleiches Format, mindestens 4 (saubere) Wäscheklammern an allen vier Ecken.

      Beim allmählichen Trocknen gleicht sich der Zug der beiden Abzüge (weitgehend) aus, sodass sie schon ziemlich gerade sind. Ich lege sie dann zwei bis drei Tage unter ein paar dicke Bücher.

      Ich glaube die größte Herausforderung mit Barytpapier ist aber die das ausreichende Wässern, um die während des Entwicklung- und vor allem Fixiervorganges in den Papierträger einsickernden Chemiebetandteile wieder heraus zu bekommen, um haltbare Abzüge ("archivfest") zu erhalten.

      Verschiedene Strategien sind dabei (in Kombination) wichtig:

      1) ausreichendes Fixieren, d.h. alle nicht belichteten/entwickelten Silberbestandteile zu neutralisieren, damit das Bild nicht nachdunkelt
      2) gleichzeitig aber nur möglichst genauso so lange zu fixieren, wie notwendig, damit die Fixiersalze und dabei entstehenden Abbauprodukte möglichst wenig in den Papierträger gelangen und dabei eine feste Bindung mit den Papierfasern eingehen.

      Eine von Ilford aufgebrachte Strategie ist mit starken (Schnell-)Fixierern zu arbeiten, etwa wie für das Verarbeiten von Filmmaterial, dabei die Fixierzeit auf eine Minute zu begrenzen.

      Bei Verwendung von neutralen Fixierbädern (anstelle der üblichen sauren) binden die Abbauprodukte nicht so stark an den Papierfilz. Dann ist die Verwendung eines sauren Stoppbades vor dem Fixieren Pflicht!

      Eine weitere Strategie ist die Nutzung von zwei Fixierbädern – die Fixierzeit wird zu gleichen Teilen auf die beiden Bäder aufgeteilt, eventuell mit einer Zwischenwässerung – wobei das erste Bad benutzt wird bis es erschöpft ist und durch das zweite ersetzt wird; das zweite Bad wird neu angesetzt.

      Das alles kann man mit der oben genannten Ilfordmethode kombinieren.

      3) Die Verwendung von Wässerungshilfen, um die im Papierfilz enthaltenen/gebundenen Abbauprodukte löslicher zu machen und/oder den Papierfilz aufquellen lassen, dass die Wässerung effektiver ist.

      In der Regel wird meist eine kurze Vorwässerung empfohlen, bevor die Waschhilfe zum Einsatz kommt.

      4) dann gilt es mit einem geeigneten Werkzeug zu wässern: Archivwäscher, z.B. mit einzelnen Kammern, ausreichender Wasserbewegung, ggf. mit Bläschenbildung (schön und oft teuer); oder die Bewegung des Korbes im Wasser bringt immer wieder frisches Wasser in Kontakt mit den Abzügen, bei relatuv geringeren Durchflüssen (Paterson); Eigenbau, alles ist möglich. Schön ist die Verwendung von temperiertem Wasser (20°C)

      5) Wirklich wichtig ist das Testen auf residualen Fixierer bzw. Bestandteile des Abbauprozesses in den Abzügen. Da gibt es Lösungen für zu kaufen: feuchten Abzug am Blattrand kurz mit einem Küchentuch trocken wischen, einen kleinen Tropfen der Testlösung aufträufeln, 2 Minuten warten, wieder abwischen und sehen ob eine (Gelb)Färbung eintritt, dann reicht es noch nicht mit dem Wässern. Zweckmässigerweise entwickelt man einige Teststreifen genauso wie die Abzüge, dann kann man daran testen. Die Verfärbung wird in der Regel noch dunkler. Es gab wohl von Kodak mal eine solche Testlösung, bei der man anhand der Färbung Aussagen über die enthaltende Abbauproduktemenge machen konnte (kalibriert), aber die ist wohl nicht mehr im Handel.

      Ich bin sicher, hier lassen sich Dinge noch ergänzen/verfeinern.

      Gruß Rolf
      Rolf Schmolling – Hamburg

      rlfsoso.tumblr.com/

      Kleinbild (Nikon F2 Photomic) – Großformat (Sinar F1 – Chamonix C45 F-2 (4x5))

      Dunkelkammer mit Liesegang Rajah V (4x5), DIY Umbau auf LED mit Ilford Filtern (unter der Linse) in Betrieb und DUNCO 67VC; RH design StopClock Pro (ältere Version mit zwei Kanälen aber ohne Drydown comp. etc.)
    • Uwe Pilz schrieb:

      Ich benutze Fließpapierbögen, gibt es als "Trockenbuch" zu kaufen. Danach haben die Bilder große Wellen, Wellenlänge um 10 cm und haben nach einem Tag noch eine winzige Restfeuchte. enn ich sie dann in Wechslelrahmen mit Passepartout stecke, dann werden sie ganz glatt und bleiben auch so. Eine alternative (benutze ich für kleiner Formate) ist es, die noch ein ganz klein wenig klammen Bilder aus dem Trockenbuch noch mal in die Trockenpresse zu tun.
      Hallo Uwe,
      ich würde auch gern mal mit Baryt anfangen und finde diese Methode mit Trockenbuch ganz symphatisch. Eignen sich dafür auch die Trockenbücher die man im Briefmarkensammler-Bedarf kriegen kann? Die 100€, die ein Trockenbuch bei Impex kostet sind mir etwas zu teuer.

      Grüße Bastian
    • Hallo Hans-Gerd,

      bei der Auswahl des Baryt-Papiers muss jeder prüfen welches Papier seinem Geschmack und seinen Anforderungen
      entspricht. Ein guter Start ist, meiner Meinung nach, Fomabrom Variant. Preislich liegt es ungefähr da wo auch Adox MCP
      oder Ilford PE Papier liegt. Es lässt sich gut verarbeiten und spricht auch gut auf die gängigen Toner an.

      Einer der wichtigsten Punkte ist, wie oben schon erwähnt, die Wässerung. Hier hört und liest man alles zwischen
      20 Minuten und mehreren Stunden. Nachfolgend ein Link zu einem Video von Lina Bessonova mit einem Test zum
      Thema.



      Die ersten Abzüge kann man mit den oben erwähnten Vorgehen (Nassklebeband, usw.) ganz gut hinbekommen.
      Solltest Du bei Baryt bleiben, würde ich mir eine Transfer / T-Shirt Presse kaufen. Die wird bei Ebay in allen Preislagen
      angeboten. Man kann dann das Wasser mit einem Rollenquetscher, Tuch, usw. entfernen und das Bild auf einem Fliegengitter,
      Gitterrost vom Backofen oder auf der Rückseite einer Entwicklerschale trocknen. Am nächsten Tag kommt das Papier für 3-6 Minuten
      in die Presse bei 80-85°C, zwischen zwei Passepartoutkartons. Die Passepartoutkartons schon beim aufwärmen der Presse mit

      aufwärmen. Sollte es noch nicht glatt sein, dann einfach noch mal in die Presse. Ich hatte schon Bilder für 10 Minuten in der
      Presse oder ein zweites mal am nächsten Tag oder kurz vor dem Rahmen.


      Damit bekommt man alles glatt und es macht die wenigste Arbeit. Zusätzlich kann man bei Bedarf die Presse nutzen um
      das Foto mit Heißaufziehfilm auf einen Passepartoutkarton zu kleben. Es ist eine der wenigen Anschaffungen die ich
      bisher nie bereut habe.


      Leider haftet Baryt, meiner Meinung nach, noch so ein alter unbegründeter Mythos an, das die Verarbeitung sehr
      aufwendig ist. Die meisten verwenden heute ohnehin Fixierer wie Tetenal Superfix oder ähnliches und modernes
      Baryt-Papier.

      Einfach ein Paket Papier kaufen und loslegen.

      Gruß
      Ulrich
    • Hallo Hans-Gerd!
      Erstmal Gratulation zur Entscheidung für Baryt. Ich habe früher viel mit Ilford und Adox gerarbeitet und habe letztes Jahr mal fomabrom variant ausprobiert. Die Ergebnisse waren nicht super, aber zufriedenstellend. Nicht schlechter, als auch die vorgenannten, mit Ausnahme der superguten und damit leider auch ebenso teuren Papiere.
      Wichtig ist, dass man die Fixierzeiten beachtet. Seit ich das tue, sind mir fixierbedingte Fehlgriffe nicht mehr unterlaufen. Sind die Fixierzeiten nämlich zu lang, verlängert sich die Wässerungszeit enorm. Wenn man sich an die Fixierzeit hält, ist es "nur" eine Stunde. Mit Archivwascher eine halbe.
    • > ist es "nur" eine Stunde. Mit Archivwascher eine halbe.

      Ich wässere nie so lange, und habe nach Jahrzehnten keine Degradation.

      Fehler sind eher zu kurz fixieren / Papier wölbt sich im Fix auf / Papiere kleben im Fix aneinander.

      Ich wässere 4-5 mal stehend in einer Schale, je ca. 5 Minuten, Schicht nach unten. Allerdings liegt da nur ein Bild drin, eben ein Ausstellungsabzug. Wenn man (wie früher) jedes Bild als Baryt macht, muss man sich etwas einfallen lassen, weil die Bilder auch im Wasser aneinander kleben können.
    • Uwe Pilz schrieb:


      Ich wässere 4-5 mal stehend in einer Schale, je ca. 5 Minuten, Schicht nach unten.

      Uwe, ich verstehe diese Aussage nicht wirklich. "stehend" - bist da Du gemeint, oder das Bild?
      Wenn das Bild gemeint ist, verstehe ich "Schicht nach unten" nicht - ist die Emulsion bei Deinem Papier am Rand/der Kante?

      Ich wässere insgesamt ca. 20 bis 30min unter fließend Wasser auf einem Gitterrost. Wende das Bild zwischendrin hin- und wieder damit sowohl Vorder- als auch Rückseite den Wasserfluß erleben. Hat bisher gut funktioniert, die ältesten Bilder sind über 10 Jahre alt und ich kann keine Degeneration erkennen.

      Viele Grüße,
      chris
    • Stehendes Wasser. Ich selbst kann mich freilich hinsetzen.

      In der Fotoschale so legen, dass das Bild nach unten zeigt. Alles, was ausgewässert werden muss, ist schwerer als Wasser und sinkt ab.

      Es gibt sehr viele Legenden zum Wässern. Wer unsicher ist, der tone ein Beispielbild mit kräftigem Selentoner. DIeser setzt alles Silber in Selenid um, was dunkel ist. Also auch nicht ausgewässertes Silberthiosulfat. Wenn ihr da keinen Schleier erkennt, dann wird auch später keiner entstehen. Es geht chemisch nicht.
    • Dank an Ulrich für das sehr gute und praxisnahe Video.

      Insbesondere der Hinweis, dass die eigene Verarbeitungsmethode durch einen Test zu überprüfen ist, möchte ich unterstreichen.

      Ein Archivwascher oder stundenlanges Wässern sind nicht notwendig für die archivsichere Verarbeitung. Sie sind auch keine Garantie für archivfeste Prints, wenn die anderen Variablen der Verarbeitung nicht stimmen!

      Ist die Verarbeitung vor dem Wässern im grünen Bereich, ist das Wässern selbst ohne übermäßigen Zeit- und Wasseraufwand möglich. Ist die Verarbeitung vor dem Wässern im roten Bereich, bringen unter Umständen auch ein Archivwascher oder ein Megaaufwand an Zeit und Wasser nichts.

      Als Ergänzung/Denkanstoß noch der Hinweis auf die Herstellerempfehlungen für die archivfeste Verarbeitung von Barytpapier:


      optimum permanence.jpg

      Quelle: Ilford Technische Informationen zu Multigrade FB Classic (Englisch)

      Nota bene, wir reden hier über "Optimum Permanence", also bestmögliche Haltbarkeit für Archivzwecke, nicht irgendeinen faulen Kompromiss.

      Dafür sind einige wenige, aber kritische Randbedingungen einzuhalten (z.B. maximale Ausnutzung des Fixierers, Mindesttemperatur bei der Wässerung), die dem Ilford Datenblatt entnommen werden können.

      Auch andere Wege führen selbstverständlich nach Rom.