Fotografieren (Langzeit, ohne Entwickeln) - Papiernegativ scannen

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    • Fotografieren (Langzeit, ohne Entwickeln) - Papiernegativ scannen

      Ich hatte solche Bilder schon gezeigt, will aber etwas zur Methodik schreiben:

      Lasst uns in Gedanken zurückkehren zum Beginn der Fotografie.
      Man hat schon entdeckt, dass Silbersalze lichtempfindlich sind, aber noch kein Fixiersalz entdeckt. Das Bild wurde aufgenommen und in einer Mappe in einem Schubfach aufbewahrt, lichtgeschützt.
      Angesehen wurde es bei Kerzenschein, da diese kaum blaues und UV-Licht strahlen.
      Normaler Film und normales Fotopapier ist zunächst nur empfindlich für blaues Licht (und UV).*

      Wir wollen es nachstellen:
      Wir brauchen

      a. eine Analogkamera, zum Beispiel eine Klappkamera 6x9 cm, eventuell vorhandene Bildzählöffnungen von außen mit schwarzem Klebeband zukleben. Alternativ könnte man schwarzen Karton zwischen Fotopapier und Öffnung legen. Die Kamera muss Dauerbelichtung erlauben.
      b. Fotopapier
      c. einen Scanner (statt Schublade, optional)
      d. einen Drucker (für das Positiv, optional)

      Schritte:
      1. Entnimm ein Blatt Fotopapier (im Dunkeln, sofern man den Rest noch normal verwenden will) - Das Fotopapier kann überlagert sein.
      2. Schneide es so zurecht, dass es in die Kamera passt. Es soll über der Bildebene liegen.
      3. Lege es ein in die Kamera.
      4. Schließe die Kamera.
      5. Stelle die Kamera auf ein Stativ und richte sie auf das Motiv aus.
      6. Belichte 1...2 Stunden bei Blende 4...5,6 und Tageslicht.
      7. Öffne die Kamera kurz im Schatten und schaue nach, ob das Bild fertig ist. Normalerweise sollte man das Negativ erkennen.
      8. Scanne das Foto (man kann zwei bis dreimal scannen ehe es zu flau wird.) Beachte, es zu spiegeln, sonst wird es seitenverkehrt.
      9. Bewahre das Negativ dunkel auf. (optional, also wenn du es behalten willst.)
      10. Invertiere es zum Positiv und optimiere gegebenenfalls die Graustufen. Ich habe hier Schwarz-Weiß gescannt und erhalte damit ein Schwarz-weiß-Positiv. Den Farbton kann man anpassen.
      11. Bearbeite es gegebenenfalls weiter.
      12. Drucke es auf Fotopapier (optional)


      Genaue Belichtungszeiten muss man mit seiner Kamera ermitteln. Sie hängen von Blende und Objektivmaterial ab. Einfachere Linsen sind besser.

      Beispiel:


      Hof.jpg
      Hof Negativ by Bernd Hutschenreuther, auf Flickr

      Hof1.jpg
      Hof by Bernd Hutschenreuther, auf Flickr

      hof 2.jpg
      Hof by Bernd Hutschenreuther, auf Flickr


      *)Orthochromatische "richtige Farbumsetzung" Sensibilisierung macht es für alle Farben empfindlich außer rot. Panchromatische (schöne Farbumsetzung) fügt dann noch Empfindlichkeit für rotes Licht hinzu. Das spielt aber nur bei der Filmentwicklung eine Rolle.
    • Bernd_Hutschenreuther schrieb:

      Ich hatte solche Bilder schon gezeigt, will aber etwas zur Methodik schreiben:

      Wir wollen es nachstellen:

      Wir brauchen

      a. eine Analogkamera, zum Beispiel eine Klappkamera 6x9 cm, eventuell vorhandene Bildzählöffnungen von außen mit schwarzem Klebeband zukleben. Alternativ könnte man schwarzen Karton zwischen Fotopapier und Öffnung legen. Die Kamera muss Dauerbelichtung erlauben.
      b. Fotopapier
      c. einen Scanner (statt Schublade, optional)
      d. einen Drucker (für das Positiv, optional


      Eine kurze Frage zu B) : ganz normales klassisches Fotopapier oder muss das was besonderes sein ?
      “There are no rules for good photographs, there are only good photographs.”
      Ansel Adams
    • Es könnte passieren. Ich habe bei anderen Bilder gesehen, wo sie sich eingebrannt hat. Für Gegenlicht ist die Methode also nur begrenzt geeignet.
      Von einem Brand habe ich aber noch nichts gehört.
      Es hängt wahrscheinlich auch von der Tageszeit ab und von der Jahreszeit und Bewölkung.


      Beispiel, Buch in Englisch.
      Sonne hat sich in Film eingebrannt.
      Sunburn By Chris McCaw
    • Jochen Picard schrieb:

      Eine kurze Frage zu B) : ganz normales klassisches Fotopapier oder muss das was besonderes sein ?
      Es kann einfaches klassisches Fotopapier sein, selbst welches mit Lichteinfall, solange es nicht entwickelt ist und der Lichteinfall das Papier noch nicht geschwärzt hat.
      Die Sensibilisierung wirkt dabei nicht.

      Überlagertes geht auch.

      Man kann auch mit Silbernitrat selbst welches herstellen.

      Nur Cyanotypien gehen schlecht, sie brauchen viel zu lange.

      Fixieren geht nicht, die Bilder werden dann hellgelb.
      Ob man das dann verstärken kann, weiß ich nicht.

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      Man kann natürlich auch Fotopapier einlegen, wenige Sekunden belichten und ganz normal entwickeln, das ist aber ein anderer Prozess.
      Dann muss das Fotopapier halt genügend frisch sein, also ohne Lichteinfall.
    • Bernd_Hutschenreuther schrieb:

      Man kann auch mit Silbernitrat selbst welches herstellen.
      Hast du das schon mal gemacht? habe mich kürzlich auch gefragt, ob das hinhauen würde, mich dann aber nicht näher damit befasst. Silbernitratlösung auf Papier ausgestrichen ergibt diesen rosablauvioletten Ton nach der Exposition im Licht. Mit Kontaktkopie oder gar in der Kamera habe ich es ebenfalls noch nicht probiert.

      Hast du da nähere "Verfahrensvorgaben"?

      Ich suche eigentlich noch immer nach einer sehr einfachen Möglichkeit, eine selbstfabrizierte Emulsion in der Kamera direkt zu belichten. O.K., annehmbare Belichtungszeiten wären schon gut- mehrere Stunden sind nicht wirklich das was ich suche. Man müsste aber wohl doch eine "richtige" Gelatineemulsion herstellen dazu. Da ist mir der Aufwand einfach zu gross- habe ich wieder aufgegeben.

      Aber eine einfachere Möglichkeit mit Silbernitrat, ohne grosses Brimborium wär schon was. Aber ich fürchte, da gibt es nix Vernünftiges-
      Cyanotypie und Konsorten gehen nicht direkt in der Kamera, zuwenig UV...

      Ich bin derzeit an der Nassplatte, vor allem Ambrotypie (auf Acrylglas und schwarz lackiertes Alu)- das hab ich mittlerweile ein wenig im Griff. Aber der Aufwand ist schon nicht ohne...

      Grüsse
      Toni
    • Selber habe ich als Kind mal fotopapier aus Silbernitrat herzustellen, als Erwachsener noch nicht.
      Aber gelesen habe ich davon in der Geschichte der Photographie, in der Schule haben wir es auch behandelt.

      ---

      Am einfachsten ist Fotopapier, welches nicht mehr für Abzüge geht.

      Salzpapier mit Silbernitrat sollte sogar entwickelbar sein.
    • Danke dir für den Link- führe ich mir noch genauer zu Gemüte. Scheint also auch mit einfach mit Kochsalz zu gehen...o.k.

      Die Rezeptur gleicht ein wenig den sog. POP (Print-Out-Paper) welche man früher hatte. Oder auch Gaslight Paper, da hab ich irgendwo noch eine Rezeptur- Die sind so unempfindlich, dass man sie bei Kerzenflamme oder eben Gaslicht verarbeiten konnte. Damit wurden dann Kontaktabzüge gemacht. Das schien früher mal ziemlich verbreitet zu sein als Freizeitbeschäftigung, wohl lange vor Computer und dem Smartphone :)