Rolleiflex T: Leistungsunterschiede "Tessar-frühes Modell" zu "Tessar-spätes Modell"?

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    • Rolleiflex T: Leistungsunterschiede "Tessar-frühes Modell" zu "Tessar-spätes Modell"?

      Hallo allseits,

      ich habe mich vor Monaten auf die Suche begeben nach einer Rollei-Kamera, mit der ich am liebsten arbeite und habe dabei festgestellt, dass es bei der Rolleicord mindestens 3 verschieden verarbeitete Ausführungen des Xenar gab.
      Das habe ich sehr unfachmännisch an der Beschaffenheit der Vergütung festgemacht.
      Definitiv mit Unterschied vergütet war die Rolleicord III zur Rolleicord V sowie zur Vb (vgl. Anhang).


      Nun sagt man ja dem Tessar nach, dass es mit der Rolleiflex T nochmals verbessert wurde. Gibt es auch hier einen Unterschied bei den „Tessaren“ der frühen Rolleiflex T der 50er Jahre und den späten „White Face“-Modellen der 70er?

      Eine sehr gut erhaltene "White Face" ging vor Monaten bei ebay für 600€ weg, eine sehr gut erhaltene frühe Rolleiflex T, ob grüne oder schwarze Belederung, ist schon für die Hälfte zu haben. Liegt wohl mehr an der geringeren Produktionsmenge bei den späten Modellen im Vergleich zu den Frühen als an der technischen Ausstattung? Lohnt sich die Anschaffung einer White Face auch technisch oder ist es nur "Prestige" / Sammelwut?


      (Btw: Wie lautet der Konjunktiv von "lohnt"? Löhnte? Klingt k.....)


      Viele Grüße, Philipp
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    • Hallo Philipp,

      ganz schön viele Fragen hast Du da. Ich musste sie in Gedanken erst einmal sortieren. Vorweg: ich beziehe mein Wissen aus den Büchern von Claus Prochnow, der Jahrzehnte in der Konstruktionsabteilung von Rollei gearbeitet hat, sowie direkt von den Modellen, die ich selbst besitze und alle auch benutze. Andere Forenten haben z.T. andere Quellen, die werden dann zu meinem Beitrag sicher noch was ergänzen.

      Fangen wir mal bei der Rolleicord an. Soviel mir bekannt ist, sind die Xenare seit der Rolleicord III, also seit 1950, vergütet. Dass sich da was geändet hat, ist mir nicht bekannt. Unterschiede gibt es aber bei den Verschlüssen, in die die Objektive montiert sind. Daher werden vermutlich die Unterschiede herrühren, die du auf deinen Fotos festgehalten hast. Die besseren Vergütungen kamen erst zu einer Zeit, als die Zweiäugigen schon sowas wie "Auslaufmodelle" waren.

      Und nun zur Rolleiflex T. Die Tessare waren, lange bevor es die "T" gab, in den Rolleiflexen mit 75mm Brennweite verbaut, auch hier ab ca. 1949/50 mit vergüteten Oberflächen. Rolleiflex 3,5 , 3,5A und 3,5B waren dazumal die Modelle für die Berufsfotografen, während die "T" 1958 als preisgünstigeres Amateurmodell entwickelt wurde und auf den Markt kam. Die Profis hatten zu der Zeit schon lange Fünflinser (Planar / Xenotar) in ihren Flexen. Auch hier glaube ich nicht, dass sich an der Objektivvergütung bis zur Einstellung Mitte der 1970er was Wesentliches verändert hätte. Und auch bei der "T" wurden im Laufe der Zeit verschiedene Verschlüsse eingebaut, wenn auch nicht so grundlegend verschiedene, wie bei der Cord.

      Allgemein gilt, dass die einzelnen Modelle zwar laufend verbessert wurden, das aber in kleinen Schritten und von außen selten sichtbar. Dass die "white face" höher gehandelt wird, als eine alte graue (nicht grüne), liegt einzig an ihrer Seltenheit und ist nur für Sammler relevant, nicht aber für den praktischen Einsatz.

      Für Deine Kaufentscheidung ist deshalb nach meinem Dafürhalten das Alter des Objektivs (in dem von dir gesteckten Zeitrahmen) nicht wesentlich. Du solltest eher auf die restliche Ausstattung achten. Gut, die "T" hatte von Anfang bis zum Ende den Faltlichtschacht und die sogenannte Helleinstellscheibe (ersterer kam erst bei der Cord Vb, letztere bei der Va ab etwa 1960). Die letzten Jahrgänge (ab etwa 1966) besaßen keine Synchronisation für Birnenblitze (M) mehr, und die allerletzten paar 1000 hatten schlussendlich ein Xenar statt des Tessars. Wobei sich die beiden Objektve in der Praxis nicht unterscheiden. Und: eine Streulichtblende ist immer sinnvoll!

      Sehe zu, dass Du eine Kamera bekommst, die relativ frisch revidiert ist. Falls nicht, plane gleich mal einen guten Hunderter für sowas ein. Dann hast Du aber sicher was gut Funktionierendes für lange Zeit.

      Nachsatz: "Nun sagt man ja dem Tessar nach, dass es mit der Rolleiflex T nochmals verbessert wurde.": hast Du dafür eine Quelle? Würde mich wirklich interessieren.

      Gruß

      Volker
      Es ist schon alles gesagt, nur noch nicht von allen. (Karl Valentin)
    • Hallo Volker,

      vielen Dank für die ausführliche Antwort.

      Volker Trinler schrieb:

      Nun sagt man ja dem Tessar nach, dass es mit der Rolleiflex T nochmals verbessert wurde.": hast Du dafür eine Quelle? Würde mich wirklich interessieren.
      So wurde es jedenfalls in zwei damaligen Rollei-Werbeprospekten umworben, die ich hier habe (vgl. Anhang).


      Ich danke für den Tipp mit den Prochnow-Ausgaben. Da werde ich bald noch nachlesen müssen. Gibt es, ich staune, auch zum Ausleihen in manchen Bibliotheken.


      Viele Grüße,
      Philipp
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    • Hallo Philipp,


      danke fürs Einstellen des Prospektes.
      Auch damals gab's schon das, was heute Marketing heißt. Egal, ich habe nochmal bei C.P. nachgeblättert und tatsächlich was gefunden. Er schreibt im Kapitel über die Entwicklung der "T" unter anderem: ..."Als Objektiv diente ein Tessar 3,5/75mm neuer Rechnung aus Oberkochen"... (Hervorhebung durch mich).
      Und das meiner 3,5A stammt noch aus Jena.

      Ich werde morgen versuchen, noch was über das Thema Vergütung rauszubekommen. Ich melde mich dann wieder.

      Gruß

      Volker

      (der gerne was dazu lernt :saint: )
      Es ist schon alles gesagt, nur noch nicht von allen. (Karl Valentin)
    • Hallo Philipp,
      die ersten Objektive mit 7-schichtigem "Multi-Coating" von Asahi Opt. (Super-Multi-Coated-Takumare) kamen erst ab 1971 mit der Spotmatic II auf den Markt. Andere, zunächst nur japanische Hersteller zogen bald nach.
      Daher ist es unwahrscheinlich, daß man für die Restexemplare noch etwas an der Vergütung verändert hat. Für die letzte Serie (für die brit. Streitkräfte) konnte Zeiss nicht einmal mehr genügend Tessare liefern, so daß Xenare eingebaut werden mußten.

      Viele Grüße, Jochen.
    • Hallo Philipp,

      so, ich bin's nochmal.
      Meine "Quelle" ist auch der Meinung, dass an der Vergütung des Tessars über die Produktionszeit der "T" nichts geändert wurde.

      Aber einen anderen Hinweis habe ich noch erhalten, den ich hier gerne weitergebe. Und zwar gab es in Einzelfällen Probleme mit der Verkittung der Linsen just bei diesem Tessar. Wenn die Kamera oder speziell das Objektiv zu warm / heiß bekommen hatte, konnte es vorkommen, dass die Verkittung weich wurde und auslief. Man kann es erkennen, indem man bei voller Blendenöffnung und offenem Verschluss von hinten durch die Gläser schaut. Das Malheur sei hauptsächlich bei den frühen Jahrgängen aufgetreten, später hatte Zeiss das wohl im Griff.

      Vielleicht helfen Dir die Infos ein wenig bei deiner Kaufentscheidung. Wäre schön, wenn du uns auf dem Laufenden halten würdest.


      Gruß

      Volker
      Es ist schon alles gesagt, nur noch nicht von allen. (Karl Valentin)
    • Hallo,
      die gerade für Zeiss typischen Probleme mit delaminierten Linsen infolge schlechter Verkittung kann ich aus dem Bereich Mikroskopie bestätigen. Die dieser Zeit gefertigte Mikroskop-Okulare (Kpl 10 x) und bestimmte, auch z.T. sehr teure Objektive sind heute zum großen Teil teilweise delaminiert bzw. der Prozeß beginnt.
      Gruß, Jochen.
    • Vielen Dank für eure Ausführungen! Ich denke, dass ich vorerst bei den Xenar-bestückten Rolleicord bleiben werde. Das Xenar ist in makellosem Zustand und rein objektivtechnisch gibt es für mich erstmal kein „Muss“ für ein Tessar. Falls irgendwann die Brieftasche etwas besser gefüllt ist, würde auch eine T-Rolleiflex hinzukommen. Ich würde mit Rolleifix dann auch Vergleichsaufnahmen anfertigen wollen, nicht nur zwischen Tessar und Xenar, sondern auch vom Triotar.
      Als äußerst schöne Portraitlinse habe ich das (vergütete) Triotar schon kennengelernt.
      Mehr dann also in einem weiteren Thread, irgendwann, mit Bildergebnissen ;)

      Viele Grüße,
      Philipp
    • Philipp Fahrenbruch schrieb:

      Ich denke, dass ich vorerst bei den Xenar-bestückten Rolleicord bleiben werde. Das Xenar ist in makellosem Zustand und rein objektivtechnisch gibt es für mich erstmal kein „Muss“ für ein Tessar.
      Es wäre auch nicht mal nötig.

      Ich hatte sowohl Rolleicord Vb und habe RoleiflexT, beide von Mitte/Ende 60er. Auch eine ZeissIkon Ikoflex Ic mit Tessar weilte mal eine Zeit lang bei mir.
      Geht es (alleinig) um BQ, so wäre es Geldverschwendung, von Xenar auf Tessar zu wechseln.
      Im Gegenteil empfand ich die Bilder aus der Cord um ein Quäntchen kontrastreicher, ganz ganz leicht schärfer als aus der T.
      Und das Tessar der T ganz, ganz leicht ein bisschen besser als jenes der älteren Ikoflex (die ja zu den letzten ZeissIkon TLRs gehörte).

      Die Cord hatte für mich nur den Nachteil, dass sie keine TransportKurbel, sondern den Drehknopf hatte, aber sie ist dafür auch etwas kompakter und leichter.

      Was Vergütungen betrifft : auch die können "altern". Wobei es sich weniger um eigentliche "Alterung" handelt, sondern um chemische Belastung. Bekanntes Beispiel ist etwas Salzwasser bzw salzwasser-haltige Luft. Aber auch andere chemische Stoffe können einer Vergütung an die Substanz gehen.
      Ich möchte auch nicht wissen, was Objektive die jahrzehntelang in Tabakrauch geschwängerten Wohnungen aushalten mussten, an Schaden nahmen. Und das sind nur zwei Beispiele chemischer Belastung im Alltag. Und wie wir ja wissen, war man diesbezüglich jahrzehntelang alles andere als zimperlich.

      Eigentlich schon fast ein wunder, dass sich diese Auswirkungen heute nicht deutlicher zeigen.
      Von daher bin ich sehr vorsichtig, BQ von solch alten Objektiven pauschal gegenüber zu stellen. Meine diesbezügliche Erfahrung deckt sich jedoch mit der von anderen.
    • Hallo,
      Philips Ausführungen kann ich durch die Erzählungen eines ehemaligen Kollegen unterstützen:
      Als er 1959 seine Rolleiflex 3,5 F gekauft hat (ein Geschenk seiner Frau zur Hochzeit), hat ihm der Verkäufer "quasi im Vertrauen, hinter vorgehaltener Hand" erzählt, daß die Schneider Objektive (Xenare und Xenotare) einen Tick besser seien, obwohl alle Kunden immer die Tessare und Planare haben wollten und die Kamera damit sogar 50 DM teurer war. Die letzten 3000 Rolleiflex T hatten auch Xenare, weil Zeiss nicht mehr genügend Tessare liefern konnte.
      Viele Grüße, Jochen.