Entwicklung für Kondensor: wie weich? Oder überhaupt?

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    • Entwicklung für Kondensor: wie weich? Oder überhaupt?

      Guten Abend miteinander,

      in der Literatur ist zu lesen, dass man auf einen Filmkontrast von ca. 0,62 (ISO 6) bzw. 0,57 (Avg. Gradient) bzw. 0,52 (Kodak CI – alle Werte ohne Gewähr) entwickelt, um mit einem Diffusor-Vergrößerer prima Ergebnisse auf Normalpapier/Grad 2 zu erhalten. Meist kommt dann dahinter der Zusatz „…und für Kondensor-Geräte etwas weicher“. Hier stellen sich mir folgende Fragen:

      • Wieviel weicher, also zu welchem Kontrast?

      • Prinzipskizzen von „Diffusoren“ und „Kondensoren“ zeigen m.W. ausnahmslos Doppelkondensor-Geräte mit zwei Halbkugeln. Mein Vergrößerer hat nur eine Halbkugel. Bedeutet das nun: „Etwas weniger weicher entwickeln“?

      • Die Abwesenheit genauerer Angaben (auch in Standard-Werken aus den 90ern) lässt mich vermuten, dass Kondensorgeräte wohl schon länger nicht mehr Stand der Technik sind und daher in der Literatur schon damals vernachlässigt werden konnten. Stimmt das so?

      • Oder ist diese Unterscheidung nach Vergrößerer-Typen heute überholt?
      Mit einem Satz Filterfolien und Kontrastwandelpapier kann man sich die Entwicklung auf einen genau definierten Kontrast-Zielwert ja eigentlich sparen. Und auf einem 36er-KB-Film gibt es doch sowieso potentiell 36 unterschiedliche Kontrastumfänge.

      Ich habe meine Entwicklungszeiten bisher auf die o.g. „harten“ Werte ausgerichtet. Und ich finde auch, dass abfotografierte „brillante“ Negative nachher leichter zu handhaben sind. Und überhaupt passen die Negative dann besser zu dem superduper Diffusor, den ich mir ungefähr 2030 kaufen werde. Oder schon viel früher ;)

      Wie seht ihr das, gibt es Argumente, heute noch „für Kondensoren etwas weicher“ zu entwickeln?

      Einen schönen Abend allerseits!
      Carsten.
      Gott grüß die Kunst!
    • Schöne Aussage von Dir mit dem etwas weniger weich entwickeln.

      Kondensorgeräte sind noch immer Stand der Technik - nur ist sie eben ausgereift und da ja so gut wie niemand mehr Vergrößerungsgeräte klassischer Bauart weiterentwickelt, sind sie also noch Stand der Technik. Daneben, ebenfalls noch Stand der Technik, sind die Diffusorgeräte.

      Zu Deiner Frage mit der einen Halbkugel: Du hast keinen halb-harten oder halb-weichen Kondensor. Gerichtetes Licht kann auch mit nur einer Linse erzeugt werden.

      Ich selbst nutze sowohl Kondensor als auch Diffusor. Und wenn ich ehrlich bin, lasse ich mich davon nicht bei der Filmbearbeitung leiten. Es wird sicher merkbare Unterschiede geben, allerdings beeinflusse ich mehr die übrigen Faktoren wie Entwickler, Papier und Gradation. Damit komme ich bislang immer zum gewünschten Ergebnis.
    • Carsten Witt schrieb:

      heute noch „für Kondensoren etwas weicher“ zu entwickeln
      Das ist mir genau anders herum ergangen. Versehentlich zu weich entwickelte Negative konnten auf einem Doppelkondensor mit extra hartem Papier noch zufriedenstellende Ergebnisse liefern....

      Ich mutmaße einmal in die Runde, dass Kondensorgeräte nicht wegen technische Unzulänglichkeiten "unzeitgemäß" sind, sondern preislich undurchsetzbar sein dürften. (Wenn es denn die Mischboxen noch sind?)
    • n büschen Senf hab ich noch ;)

      Ich denke, was an neuen Vergrößerern kommt, wird auf LED-Technik setzen, somit diffus. Es geht auch Kondensor damit, aber die Vorteile -auch bei den Kosten- liegen da bei diffus.
      Ich hab einen Diffus-Vergrößerer und entwickle auf 0,7 und die Ergebnisse gefallen mir. Bei 0,6 muß ich ewig mit Magenta belichten und extrem kurz mit Yellow (ich mach manuelles Splitgrade mit einem Farbkopf).
    • Entwicklungszeiten für unterschiedliche Vergrößerer

      Carsten Witt schrieb:

      • Die Abwesenheit genauerer Angaben (auch in Standard-Werken aus den 90ern) lässt mich vermuten, dass Kondensorgeräte wohl schon länger nicht mehr Stand der Technik sind und daher in der Literatur schon damals vernachlässigt werden konnten. Stimmt das so?
      Nein: Genauere Angaben findest Du in den Datenblättern der Enttwickler, nicht in den Standardwerken. Es sind normalerweise zwei Werte angegeben. Bei Tetenal-Entwickler gibt es zwei Spalten mit unterschiedlichen Gamma-Werten, bei Kodak die Zeiten in der Form "von A bis B" Minuten.

      Carsten Witt schrieb:

      • Oder ist diese Unterscheidung nach Vergrößerer-Typen heute überholt?
      Die Unterscheidung ist nicht überholt, der Wert für den Mischlichtvergrößerer ergibt mir für den Kondensorvergrößerer (und den Scanner) zu dichte Negative.
      Mit Gruß

      Jochen
    • Hallo Carsten,

      Ansel Adams gibt in "Das Negativ" folgende Werte für die log. Dichte für normale Negativdichten über Schleier an, in Klammern die Werte für Kondensorgeräte :
      Grauwert I: 0,09 bis 0,11 für diffuse Beleuchtung (0,08 bis 0,11)
      Grauwert V: 0,65 bis 0,75 (0,60 bis 0,70)
      Grauwert VIII: 1,25 bis 1,35 (1,15 bis 1,25)
      Ansel Adams empfahl ausdrücklich Geräte mit diffuser Beleuchtung.

      Viele Grüße, Jochen
    • Moin Jochen, Joachim und Peter,
      danke für Eure Antworten. Dann ist meine „Überholt“-These verkehrt. War eh ein Nebenkriegsschauplatz.

      Danke auch für den Denkanstoß mit den Werten bei Adams, @Jochen Mühlemeier. Die oft gelesene Normdichtenreihe (oder die Eckwerte bei I, V und VIII) liegen ziemlich genau dazwischen (0,1 / 0,72 / 1,29). – Logisch, völlig klar, bing, tadaa, Kronleuchter! Dann kann ich mir einen beispielhaften Kondensor-Kontrast ja leicht ausrechnen.

      Zu @Joachim Feldmanns Hinweis mit den Entwickler-Datenblättern:
      Stimmt, bei Tetenal steht das tatsächlich so drin, bei Kodak muss man das richtige Datenblatt erwischen (D-76: nix bestimmtes, HC-110: Zeit minus 30% bei Kondensor) und bei Ilford steht ebenfalls nur der Standardwert. – Abgesehen davon, dass Ilfords Gbar was anderes ist als Kodaks CI und wahrscheinlich auch anders als der Beta-Wert bei Tetenal. Aber das krieg ich dann zu sehen.

      Also, allen ein schönes Wochenende!

      Carsten.
      Gott grüß die Kunst!
    • Carsten Witt schrieb:

      • Prinzipskizzen von „Diffusoren“ und „Kondensoren“ zeigen m.W. ausnahmslos Doppelkondensor-Geräte mit zwei Halbkugeln. Mein Vergrößerer hat nur eine Halbkugel. Bedeutet das nun: „Etwas weniger weicher entwickeln“?

      • Die Abwesenheit genauerer Angaben (auch in Standard-Werken aus den 90ern) lässt mich vermuten, dass Kondensorgeräte wohl schon länger nicht mehr Stand der Technik sind und daher in der Literatur schon damals vernachlässigt werden konnten. Stimmt das so?

      Doppelkondensorgeräte haben eine möglichst kleine Punktlichtquelle. Sei haben eine Reihe von Nachteilen, weshalb sie fast nur für Spezialanwendungen benutzt wurden/werden. Das hat nichts mit Stand der Technik, veraltet oder überholt zu tun. Dia-Projektoren benutzen Doppelkondensoren. Hier hast du die möglichst kleine Glühwendel der Halogenlampe als Punktlichtquelle.

      Die verbreiteten Vergrößerer mit Einfachkondensor und Opallampen führen zu einer weitgehend diffusen Beleuchtung. Das ist vielleicht nicht ganz so diffus wie bei Mischlichtvergrößerern, aber weit entfernt vom messerscharfen Licht eines Doppelkondensorgerätes, für die die Empfehlung im Kodak Datenblatt gelten.

      Michael Semmler schrieb:

      Ich selbst nutze sowohl Kondensor als auch Diffusor. Und wenn ich ehrlich bin, lasse ich mich davon nicht bei der Filmbearbeitung leiten. Es wird sicher merkbare Unterschiede geben, allerdings beeinflusse ich mehr die übrigen Faktoren wie Entwickler, Papier und Gradation. Damit komme ich bislang immer zum gewünschten Ergebnis.

      Aus dem oben aufgeführten Gründen, gilt diese Aussage. Ein Einfachkondensorvergrößerer mit Opallampe braucht keine Extrawurst bei der Entwicklung. Lass dich davon leiten, wie du deine Negative nach deinen Wünschen aufs Papier bekommst.