Rotations- Kipp- Stand- und Drehentwicklung - Welche Unterschiede?

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    • Rotations- Kipp- Stand- und Drehentwicklung - Welche Unterschiede?

      Hallo, es gibt sehr unterschiedliche Methoden bei der Entwicklung, um die Entwicklerlösung an den Film zu bringen.

      Dazu gehören: Rotations- Kipp- Stand- und Drehentwicklung (und vielleicht noch "Kippelentwicklung", mit der ich früher "Kippentwicklung verwechselt habe.

      Wie funktionieren sie und wie unterscheiden sich die Ergebnisse?

      Ich kenne bisher aus eigener Erfahrung:

      Standentwicklung, auch als Quasistandentwicklung mit ein oder zwei Bewegungszyklen.

      - Am Film bleibt im Wesentlichen der gleiche Entwickler. Je nach Belichtung wird er unterschiedlich verbraucht, sodass gegebenenfalls eine Kantenschärfung eintreten kann. Bewegung erfolgt im Wesentlichen durch Diffussion. der Effekt der Kantenschärfung tritt besonders bei langer Belichtungszeit und niedriger Entwicklerkonzentration ein. Zusätzlich wirkt es ausgleichend.
      Ich habe das vorwiegend bei Caffenol und Teenol gemacht. Meist wird es bei Rhodinal verwendet.

      Kippentwicklung
      Das Kippen erfolgt bei der Entwicklerdose durch Drehen "über Kopf".
      Die Entwicklerzeit wird verkürzt und die Konzentration des Entwicklers bleibt konstant. Of die Durchwirbelung mit Luft eine Rolle spielt, weiß ich nicht.

      Drehentwicklung
      In meiner Entwicklerdose ist ein Stab, mit dem man die Filmspule mit dem Film drehen konnte. Dabei wird der Entwickler ebenfalls durchgewirbelt, aber schwächer.
      Bei langsamen gleichmäßigen Drehen kann es passieren, dass gleichmäßige Strömungen entstehen. Das soll zu Streifenbildung führen, gesehen habe ich die noch nie.

      Rotationsentwicklung
      Dabei wird die Entwicklerdose waagerecht gestellt und dann über die eigene Achse gedreht.
      Das scheint bei einer Reihe von Hobby-Maschinen der Fall zu sein.
      Hier habe ich keine eigenen Erfahrungen, nehme aber an, dass es ähnlich zur Kippentwicklung wirkt und zusätzlich Entwickler sparen kann, wenn man die Dose nur halb füllen muss.

      Drehen und Rotation kann in verschiedenen Zyklen erfolgen, dann meist in zwei Drehrichtungen.

      Kippelentwicklung/schwenken

      Ähnlich Kippentwicklung aber mit viel geringerem Winkel. Wie die richtige Bezeichnung ist, weiß ich nicht. Ich habe aber mal ein selbstgebautes Teil gesehen, bei dem ein Motor die Dose regelmäßig kippeln lässt.
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      Ich habe hier beschrieben, was ich wusste oder im Aphog(next)-Forum gelesen und gelernt habe.

      Ich habe keine Übersicht gefunden, einzeln stand zu den Formen immer einiges.

      Es fehlen sicher auch einige Verfahren, so kann ich mir Pumpen zur Erzeugung der Bewegung vorstellen.

      Ich bitte um Ergänzungen, insbesondere zur Wirkung auf das fertige Bild.

      Bemerkt habe ich, dass Standentwicklung dann vorteilhaft ist, wenn man die nötige Konzentration eines Entwicklers noch nicht kennt, denn sie wirkt relativ ausgleichend.
    • > Standentwicklung... sodass gegebenenfalls eine Kantenschärfung eintreten kann

      Das ist ein Irrglaube. Standentwicklung wirkt kontrastausgleichend, das wars. Der Diffusionskoeffizient in der freien Flüssigkeit ist so groß, dass die die Bromidanreicherung im Millimeterbereich wirken. Schlieren und Bromidabläufe - das sind typische Bromid-Effekte der Flüssigkeit.

      Die Kantenschärfung geschieht in der Emulsion, wo der Diffusionskoeffizient mindestens 3 Größenordnungen höher ist. Hier wirkt er auch im Bereich einzelner Mikrometer, wie man es braucht. Ausgeprägt ist dies ohnehin nur bei Entwicklern ohne Redoxsystem. Handelsüblich sind genau zwei: Rodinal und CG 512 (und deren Nachbauten)

      > Bei langsamen gleichmäßigen Drehen kann es passieren, dass gleichmäßige Strömungen entstehen. Das soll zu Streifenbildung führen,

      Daran glaube ich nicht. Allerdings ist die Strömung laminar und es kommt zu einer Bromidanreicherung im Inneren des Wickels. Dies wiederum kann eine ungleichmäßige Entwicklung hervorrufen, die Ränder sind dichter. Aber keine Schlieren, sodnern einen Effekt, der zwar bissel blöd ist, sich aber im Labor ausgleichen lässt.
    • Danke, Uwe. Das war mir nicht klar. Einer der Punkte für diesen Faden ist, zu diesen Sachen mal einen zusammenfassenden Faden zu bekommen.

      Wenn man bei Drehen dagegen nicht gar zu langsam und dafür hin und her dreht, dürfte keine laminare Strömung entstehen. Sehe ich das richtig? Ab einer bestimmten Geschwindigkeit müssten bei Bewegungsumkehr Wirbel entstehen.
    • Zur Rotationsentwicklung: Entwickler sparen ist sehr vorsichtig formuliert. Für meine Dosen, in denen ich 2 Stück 8x10 Film entwickle, wäre es geradezu töricht, sie so weit mit Entwickler zu füllen, daß man Kipp-entwickeln könnte. Was dann wegen des Gewichts auf nicht so einfach wäre. Da ist Rotation das Mittel der Wahl und es reicht ein Viertel Liter.
      Da mir die Gerätschaft fehlt, rolle ich die Dose einfach händisch auf dem Tisch hin und her, geht auch.
      Gegenüber Kipp reduziert sich die Entwicklungszeit ein wenig.
    • > Wenn man bei Drehen dagegen nicht gar zu langsam und dafür hin und her dreht, dürfte keine laminare Strömung entstehen.

      Das müßte man mal nachrechnen. Die Flüssigkeit hat ja nur den schmalen Raum im Film-Wickel. Auf jeden Fall ist es schwierig, einen vernünftigen Stoffaustausch zwischen dem Wickelinneren und dem Gesamtvolumen zu erreichen.
    • Uwe Pilz schrieb:

      > Wenn man bei Drehen dagegen nicht gar zu langsam und dafür hin und her dreht, dürfte keine laminare Strömung entstehen.

      Das müßte man mal nachrechnen. Die Flüssigkeit hat ja nur den schmalen Raum im Film-Wickel. Auf jeden Fall ist es schwierig, einen vernünftigen Stoffaustausch zwischen dem Wickelinneren und dem Gesamtvolumen zu erreichen.
      Das stimmt. Lokal ist ein guter Austausch zu erwarten, aber im Gesamtvolumen eher nicht.

      Was folgt daraus?
      Es könnte Folgen haben, wenn der Film sehr unterschiedlich stark belichtete Bereiche aufweist, dabei wirkt es global wahrscheinlich eher ausgleichend. Und bei sehr geringer Entwicklerkonzentration ist eher ein Einfluss zu erwarten, da nicht viel nachkommt.
    • Uwe Pilz schrieb:

      Auf jeden Fall ist es schwierig, einen vernünftigen Stoffaustausch zwischen dem Wickelinneren und dem Gesamtvolumen zu erreichen
      Vor Jahren bemerkte ich ungleichmäßige Film-Entwicklung bei Jobo 1000 Dosen im Kippverfahren.
      Bei dem Minutenkipp mache ich seitdem 5 halbe Kippbewegungen mit einer 1/4 Drehung, entgegen der Wickelrichtung (damit der E. in den Wickel strömt).

      Planfilme kommen in einen Papierentwicklertank auf eine Rotationsmaschine. Das ganze auf einem kippeligen Hocker, der ab und zu bewegt wird. (So wie Entwicklerschalen-Kipp )

      Der von Wolfgang verlinkte Artikel ist schon gut. Danke dafür!
      Das hält mich aber nicht von der Standentwicklung ab, da es auch Film gibt/gab, mit dem sehr gute Resultate bewerkstelligt werden können. Außerdem spule ich manchmal Filme in eine Dose und vergesse um welchen es sich handelt. Da kommen mit der Standentwicklung sicher bessere Ergebnisse zustande, als mit einer versehentlich vollkommen falschen Zeit bei Kippentwicklung. (Jedenfalls, wenn man Filme mit sehr weit außeinanderliegenden Zeiten verwendet)

      Grüße,
      Nick
    • Die Folge ist vor allem, dass der Rand des Films einfacher an frischen Entwickler herankommt und stärker entwickelt wird.

      Wenn ein Redoxsystem vorhanden ist, dann macht das wenig aus. Bei Rodinal schon.

      Ein anderes Problem sind Schlieren. Hiermit hat man mehr zu kämpfen bei großen Formaten, Großformat-Fotografen ist das wohlbekannt. Eine turbulente Schicht zwischen den Wickeln sollte das vermeiden oder zumindest stark verringern. Es lohnt, das einmal näher zu betrachten. Ich werde dazu mal was rechnen und mich wieder hier melden.
    • Ich habe mal nachgerechnet, ab wann die Strömung im Wickel turbulent wird. Dabei habe ich die Vsikosität von Wasser bei 20°C eingesetzt und angenommen, dass die beiden Filmlagen 5 mm voneinander entfernt sind. Die Turbulenz setz bei ca. einem halben Meter je Sekunde ein, das sind aber nur erste Turbulenzeffekte. Man braucht also so etwa einen Meter je Sekunde. Ich glaube nicht, dass sich dies mit Rotation erreichen lässt.
    • Das Thema ist zwar schon etwas älter, aber ich möchte gern noch meine Erfahrung zur Standentwicklung teilen. Man liest darüber im Internet ja viel gutes, da wollte ich es auch mal ausprobieren. Ich bin nicht überzeugt. Ich habe einen Tri-X 400 (Kleinbild) auf 400 ASA belichtet und eine Stunde in Adonal (Rodinal) 1+100 gebadet. Davon die ersten 60 sec ruhig und gleichmäßig gekippt. Ich habe den Tank mit 500 mL voll gemacht. Ergebnis: Die Negative sind in sich teils ungleichmäßig entwickelt, außerdem sind die Dichteunterschiede zwischen den verschiedenen Negativen des Films anscheinend ungewöhnlich groß (Abschätzung nach Augenmaß), in Abhängigkeit von der Position auf der Spule. Objekte (z.B. Menschen), die sich stark vom Hintergrund unterscheiden sind oft von einer Art Corona umgeben. Bei den Trixen, die ich nach Datenblatt entwickelt habe, gibt es diese Effekte nicht. Hier zwei Beispiele (Negativscans): Bild 1 die Corona, bei Bild 2 sieht man die Ungleichmäßigkeit von oben (dunkler) nach unten (heller) ganz gut. Das Licht war definitiv nicht so...
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    • Das linke Bild ist sehr instruktiv. Es wir immer wieder falsch behauptet, Standentwicklung würde den sog. Kanteneffekt erhöhen. Das stimmt nicht - der Kanteneffekt entsteht durch die Diffusion innerhalb der Schicht, nicht innerhalb der Flüssigkeit. Hier sind die Diffusionskoeffizienten mindestens 1000 mal höher, und die betroffenen Bereiche liegen nicht im Mikrometerbereich, sondern im Bereich mehrerer Millimeter. So entstehen z.B. Schlieren in homogenen Bereichen.
      Sehr lehrreich finde ich den "Kanteneffekt" um die dunkle Figur. Hier sieht man deutlich, dass man Effekte im Bereich dieser Diffusion bildnerisch nicht gebrauchen kann.