Kaufberatung Rollei 35

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    • Kaufberatung Rollei 35

      Hallo,

      ich hätte Spaß an einer Rollei 35 und versuche nun schon seit ein paar Tagen durch Lektüre zu ergründen, welche der verschiedenen Modelle die bessere Wahl ist. Ich tendiere zu einer SE oder TE, wollte aber die Experten hier fragen, ob das eine gute Wahl ist und falls ja, besser die mit Sonnar oder Tessar? Ich habe ein meiner A7R2 ein 35er Sonnar und mag die Farben, aber vielleicht gibt es auch Gründe dagegen?

      Für eine Empfehlung, auch für ein komplett anderes Modell als SE oder TE, mit einer plausiblen Erklärung (Defekte, Wartbarkeit, Anfälligkeit, usw.) bin ich dankbar.

      Gruß, Jörg
    • Hallo Jörg,
      eine Rollei 35 "Made in Germany" ist schon mal von Haus aus viel teurer als eine "Made in Singapore". Die 35 SE und TE kamen aber nur noch aus Singapur. Man sagt der Singapur Fertigung generell eine minderwertigere Qualität nach, was zumindestens in der Anfangsphase nach der Produktionsverlagerung auch zutraf. Meine 35 SE, die ich aus den damaligen riesigen Restlagerbeständen zum Ramschpreis gekauft hatte, hatte z.B. schon während der Garantiezeit einen defekten Belichtungsmesser.
      Die älteren Selen-Belichtungsmesser und auch die CdS Zellen funktionieren u.U. nicht mehr exakt und benötigen Quecksilberbatterien, es gibt/gab aber z.B. für die SE und TE Umrüstsätze für 4 Silberoxidzellen. Ob dann eine Neukalibrierung nötig ist, darüber liest man verschiedene Meinungen, auch soll angeblich etwas Fräsarbeit am Batteriefach erforderlich sein. SE und TE haben eine LED Anzeige rot-grün-rot.
      Das Tessar wird m.W. über Frontlinsenverschiebung fokussiert, das Sonnar über Komplettverschiebung. Das Sonnar zumindestens ist rattenscharf, der Tessar-Typ hat generell eine leichte Randunschärfe bei ganz offener Blende durch eine nicht vollständig korrigierte leichte Bildfeldwölbung, bei Bl. 8 oder 11 ist es ebenfalls ein "Adlerauge". Was man gelegentlich liest, sind eine Schwergängigkeit der Fokussierung und Probleme mit Plastikzahnrädern im Filmtransport.
      Für den Reparateur sind Rollei 35 eine Art Albtraum, es sind äußerst komplexe Kameras (zwar keine Contarex).
      Ach ja, wenn Du die in der Tasche hast, dann glaubst Du, Du hast einen schweren Colt drin, so massiv sind die kleinen Dinger.
      Viel Grüße, Jochen.
    • Hallo Jörg,

      nach Problemen mit einem echten Sonnardesign wurde eine Vorgängerversion verbaut (s.ausführlich bei "classik-cameras). Leider neigt die Optik -wie übrigens auch der Beli- zu Streulichtempfindlichkeit und hat auch nicht die Schärfe des echten Sonnars z.B. der einer Contax T.
      Dann befindet sich der Zubehör/Blitzschuh an der Unterseite des Gehäuses. In der Praxis nicht gerade ideal.
      Echter Sonnarcharakter hat etwas aber auch seinen Preis.
      Wir hatten hier schon das Thema einer "Immerdabei".


      Ich persönlich nutze dafür nach Abwägung aller Vor -und Nachteile seit Jahrzehnten durch Dick und Dünn eine Minox 35Gt und das ohne Probleme, nachdem noch auf Kulanz der erste Verschluss durch eine verbesserte Version ausgetauscht wurde.

      Ein gutes Tessar geht schon wegen seiner hohen Kantenschärfe immer und das sogar für 50/70 Poster. Allerdings nutze ich mit der Kamera nur noch Negativfilm wegen des größeren Belichtungsspielraums. Damit umgehe ich das Batterieproblem der "ungenauen"" Belichtungsmessung vieler älterer Kameras. Zudem lässt sich die Fehler-Tendenz durch einen einmaligen Test ermitteln und über die Einstellung der Filmempfindlichkeit praxistauglich kompensieren.

      VG, Rainer
      Das Kind ist in den Brunnen gefallen. Jetzt soll es wenigstens eine anständige Erziehung haben.(Abraham Lincoln ?)
    • Hallo Rainer,

      Danke dafür, meinen Blick auf die Minox zu lenken, durch die ich auch auf die Olympus XA gekommen bin. Diese beiden Kameras habe natürlich ihre Vorzüge, aber eine Rollei macht alleine optisch schon etwas her. Ich habe zwar noch keine der drei Kameras in der Hand gehabt und wahrscheinlich wird mich das Gewicht der Rollei "umhauen", aber wenn ich Bilder der drei Kameras auf dem Bildschirm habe, entscheide ich mich immer für die Rollei, trotz der Aspekt wie Blitzschuh unten, Spannhebel links, aufwendiger Filmwechsel usw.

      Auch wenn ich jetzt weniger konkret in meiner Entscheidung bin: Das gute an diesem Thread ist jedoch, dass ich meinen Bedarf noch einmal hinterfrage und - sofern man überhaupt von "brauchen" sprechen kann - ich eine Kamera wie die Rollei 35 oder die Minox 35 nicht wirklich brauche. Es stellt sich ohnehin die Frage, ob ich eine "Hosentaschenkamera" wirklich in der Hosen- oder Hemdtasche transportieren würde. Eigentlich habe ich immer eine Bereitschaftstasche umhängen. Da kann ich dann auch eine von meinen Minoltas mit dem 2.8/35er MD reinpacken und habe noch Platz für ein weiteres Objektiv und einen Film, Geldbörse, Handy und was Mann sonst noch so braucht.

      Alleine dafür meinen Dank für die Denkanstöße.

      Viele Grüße, Jörg
    • Rainer Bröckelmann schrieb:

      Hallo Jörg,

      nach Problemen mit einem echten Sonnardesign wurde eine Vorgängerversion verbaut (s.ausführlich bei "classik-cameras). Leider neigt die Optik -wie übrigens auch der Beli- zu Streulichtempfindlichkeit und hat auch nicht die Schärfe des echten Sonnars z.B. der einer Contax T.
      Dann befindet sich der Zubehör/Blitzschuh an der Unterseite des Gehäuses. In der Praxis nicht gerade ideal.
      Echter Sonnarcharakter hat etwas aber auch seinen Preis.
      Wir hatten hier schon das Thema einer "Immerdabei".
      Deine Ausführungen zu "echten" Sonnaren kann ich so nicht stehen lassen.

      Zunächst mal die Behauptung, dass Sonnar der Contax T sei "echt" und dass der Rollei 35 irgendwie unecht oder Billigheimer oder so: Das Rollei-35-Sonnar und das der Contax T besitzen exakt denselben Linsenaufbau (3 einzelstehende Glieder vorne, eine Doppelgruppe hinten)!

      Ich will hier keine kopierten Bilder aus dem Netz einstellen, man kann das aber leicht mit dem Stichwort "Linsenschnitt Rollei 35 Sonnar" erguhgeln.

      Das ursprüngliche ("echte"?) Sonnar war ein hochgeöffnetes (f2 bzw. f1,5) Normalobjektiv mit 6 oder 7 Linsen in 3 Gruppen (Rechnung von L. Bertele für die Contax-Kamera ca. 1930), jedenfalls zwei zementierte Gruppen. Es zeichnet sich übrigens vor allem durch (für damalige Zeit) hohe Lichtstärke bei gutem Kontrast aus, nicht unbedingt durch Schärfe bis in die Ecken.

      Demnach entspricht keines der beiden Objektive (Rollei 35/Contax T) einem "echten" Sonnar. Müssen sie auch nicht, da diese Optiken 1-2 Blenden lichtschwächer sind und im übrigen die optische Industrie seit den 30er Jahren erheblich Fortschritte gemacht hatte (neue Glassorten). Außerdem sind die verwendeten Brennweiten weitwinkliger.

      Das Sonnar an meiner Rollei 35 SE zeichnet sehr scharf und ist auch nicht übermäßig gegenlichtempfindlich. Und ich bin durchaus jemand, der mal gerne "gegen das Licht" fotografiert. Wenn das bei deiner Kamera anders ist, solltest du sie evtl. mal überprüfen lassen. Übrigens schreibt auch F. Mechelhoff, den du ja zitierst (Klassik-Cameras.de), dass das Sonnar immer das schärfste der Rollei-35-Objektive war.
    • Jochen,

      Zitat von Mechelhoff:
      Objektive:
      "Das schärfste war immer das Sonnar, verfügt
      bei offener Blende jedoch nicht über größten Kontrast.
      Wurde von ZEISS eigens für die Rollei 35 konstruiert - der
      Prototyp erwies sich als leistungsmäßig unbefriedigend und Zeiss
      musste nachbessern! Wer genau hinschaut, stellt fest dass es nicht eigentlich
      ein Sonnar- sondern ein Ernostar-Typ ist ." Ergo ein früheres Design.

      Habe die Contax T40 mit Zeiss-Sonnar gerade mit einem Adox CMS geladen, um Uwes Weichspül-Entwickler mit Adotech IV zu vergleichen. Technik am Limit. Letzterer ist bestellt. Bin selbst auf das Ergebnis gespannt, da ich große Prints liebe.

      VG, Rainer
      Das Kind ist in den Brunnen gefallen. Jetzt soll es wenigstens eine anständige Erziehung haben.(Abraham Lincoln ?)
    • Rainer Bröckelmann schrieb:

      Jochen,

      Zitat von Mechelhoff:
      Objektive:
      "Das schärfste war immer das Sonnar, verfügt
      bei offener Blende jedoch nicht über größten Kontrast.
      Wurde von ZEISS eigens für die Rollei 35 konstruiert - der
      Prototyp erwies sich als leistungsmäßig unbefriedigend und Zeiss
      musste nachbessern! Wer genau hinschaut, stellt fest dass es nicht eigentlich
      ein Sonnar- sondern ein Ernostar-Typ ist ." Ergo ein früheres Design.

      Habe die Contax T40 mit Zeiss-Sonnar gerade mit einem Adox CMS geladen, um Uwes Weichspül-Entwickler mit Adotech IV zu vergleichen. Technik am Limit. Letzterer ist bestellt. Bin selbst auf das Ergebnis gespannt, da ich große Prints liebe.

      VG, Rainer
      Vergleich schematischer Aufbau Objektive Rollei 35S und Contax T/T2:
      [Blockierte Grafik: http://www.marcocavina.com/articoli_fotografici/lenses_for_35mm_compact_cameras/12.gif]

      Quelle: marcocavina.com/articoli_fotog…ompact_cameras/00_pag.htm

      Zitat Marco Cavina:
      Lo schema base di Glatzel è stato utilizzato per ricavare il Sonnar 38mm f/2,8 impiegato sulle compatte Contax T e T2

      zu Deutsch:
      "Das Grundschema von Glatzel [Konstrukteur des Sonnars der Rollei 35] wurde für das Sonnar 2,8/38mm der Kompaktkameras Contax T und T2 verwendet."

      Die ganzen Schlussfolgerungen, dass das Sonnar der Rollei 35 irgendwie minderwertig wäre, weil es "ein altes Design" wäre, sind Quark, wenn sie zutreffend wären, müsste sie sich ohnehin auf beide Objektive (Rollei 35/Contax T) beziehen, denn der Aufbau ist identisch!

      Das Sonnar der Rollei 35 ist eine Konstruktion der 1970er Jahre und die Leistung ist "auf der Höhe der Zeit". Wie viele Elemente oder Gruppen dafür nötig sind, ist letztendliche unerheblich. Das "echte" Sonnar als lichtstarkes Normalobjektiv war im Jahr 1970 ohnehin schon Geschichte und leistungsmäßig von den Doppel-Gauss-Konstruktion längst überholt.

      Übrigens, das "echte" Sonnar der T3 ist ein reinrassiges Biogon!
    • Hallo, Jörg;

      vielleicht darf ich mich da mal einschalten. - Meine Rollei 35 T, made in Singapur, ist meine älteste, genutzte, aktive Kamera, die ich beim guten alten Foto-Bantle in Ravensburg 1977, also vor mehr als 40 Jahren, für 249 DM erworben habe. - Damals habe ich wirklich die 100 DM Mehrkosten für das S - Sonnar - Modell gespart.

      Die ersten Vergrößerungen zeigten SOFORT, dass das Tessar um Klassen besser abbildet, als das damalige DDR-Normal-Objektiv an der Praktica! - Da waren wir sehr erstaunt!!

      Vor dreieinhalb Jahren wartete mit der superliebe Werner Bruer erstmals diese meine Rollei 35 T und änderte die Schaltung auf die heute üblichen 1,5 Volt-Spannung!

      Bis heute nehme ich die kleine Rollei 35 T immer wieder gern mit! - Eine tolle Kamera!


      Nun, die SE / TE Modelle gab es in der "Endphase" dieser kleinen Rolleis; mich haben sie nicht angsprochen! - Mit meiner "Normal-Ausführung" habe ich bis heute aber auch immer korrekte Belichtungen!!


      Nun zur Minox 35: Ich habe sie als erbstück meiner Mutter. - Als "engagierter" Photograph würde ich zu bedenken geben, dass man keine Filter verwenden kann; ansonsten ist die auch ganz gut; vielleicht etwas einfacher und "halb-automatisch"; ich selbst bevorzuge aber unbedingt die rein-mechanische Rollei 35 T.


      Zu den Gewichten: Rollei 35 T, 400 grs. - Minox 35 SE, 200-240 grs.!


      Dir eine glückliche Entscheidung - und dann ganz viel Spaß!!


      Jan-Peter
    • Ja, gerne Joerg;

      leider habe ich etwas verwechselt! - Ich habe natürlich meine Rollei 35 T; die Kamera meiner Mutter ist die Olympus XA, nicht Minox!

      Die Olympus XA macht halbautomatisch verlässlich gute Bilder; ist aber NICHT manuell steuerbar - und auf ihr Objektiv passen keine Filter, die vor allem für SW-Aufnahmen wichtig wären!


      Dir viel Spaß
      Jan-Peter
    • Hallo Daniel,
      ich glaube, da liegst Du nicht ganz richtig. Wenn ein digital-farbig aufgenommenes Foto digital in SW umgewandelt und nachbearbeitet wird, mag das zutreffen, wenn ein analoges Dia eingescannt wird und dann digital in SW umgewandelt und nachbearbeitet wird, ebenso, bei analogen C-41 Negativen bin ich mir wegen der Maske nicht sicher, aber ein analoges SW-Negativ kann man nach dem Einscannen nicht mehr in seiner spektralen Charakteristik beeinflussen, weil die Umsetzung von Farben in Grautöne inklusive deren Beeinflussung bereits erfolgt ist.
      Viele Grüße, Jochen.
    • Daniel Schäffler schrieb:

      Ich meine eigentlich ein Schwarz/weiss aufgenommenes Bildchen, dem kann man mit einer SW die dementsprechenden Filter beigeben. Ich denke fast, die SW heutzutage ist schon sehr gut geworden. Würde mich interessieren, ob man den Unterschied merken tut.
      Hallo Daniel,

      Du irrst gewaltig!

      Befasse Dich mal mit den angeborenen Eigenschaften von Schwarz-Weiß-Filmen, Stichworte Sensitometrie und spektrale Empfindlichkeit. Dazu gibt es hier im Forum ältere Beiträge (die Suchfunktion ist oben rechts etwas versteckt), oder Du bemühst die Tante Guhggel.
      Trotzdem kurz zusammengefasst: mit den Filtern beeinflusst man die Wiedergabe der verschiedenen Farben als Grautöne auf dem Film. Ein spannedned Thema übrigens...

      Und was Du nicht auf dem Film drauf hast, kannst Du auch mit keiner "Saft"-Ware hervorzaubern.

      Gruß

      Volker
      Es ist schon alles gesagt, nur noch nicht von allen. (Karl Valentin)