Eigenbau 6x12 Lochkamera mit gebogener Filmebene.

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    • Eigenbau 6x12 Lochkamera mit gebogener Filmebene.

      Im "Zeigt doch mal..."-Thread habe ich heute morgen zwei Bilder von meiner ersten richtigen Eigenbau-Kamera gepostet - eine 6x12-Pinhole mit gebogener Filmebene.
      Da anscheinend Interesse an der Konstruktion bzw. technischen Details besteht, mache ich hier weiter.
    • Zunächst hier noch einmal die Fotos und Eckdaten der Kamera:

      Format 6x12 (56x116mm) mit gebogener Filmebene
      Brennweite 65mm
      Lochdurchmesser 0,3mm (nach ersten Tests und diversen Berechnungen nicht optimal, optimal wären wohl 0,34mm)
      3D Druck mit schwarzem PLA auf einem "Einsteiger-3D-Drucker" (Anycubic i3 Mega)

      DSCF0151.jpg

      DSCF0153.jpg

      DSCF0157.jpg


      Aktuell ist das Ganze ein Prototyp, den ich komplett selbst konstruiert habe. Mittlerweile hat die Kamera auch schon Ihren ersten Test im Rahmen des World Pinhole Day hinter sich.

      6x12_pinhole_acros_0012.jpg

      6x12_pinhole_acros_0011.jpg

      Die Vignettierung ist einem zu geringen Durchmesser des Loches im Verschlußträger geschuldet, bzw. einer fehlenden Fase an der Innenseite.

      Die Schärfe könnte besser sein, was m.E. mit einer nicht ganz optimalen Kombination Brennweite/Lochdurchmesser geschuldet ist. Der Rechner unter mrpinhole.com/calcpinh.php weist für 65mm Brennweite einen Lochdurchmesser von 0,34mm aus, ich habe aktuell 0,3mm im Einsatz. Für 0,3mm wären laut MrPinhole jedoch etwa 50mm die optimale Brennweite.
      Achtung: der ebay-Shop "pinhole-shop" von dem ich mein "Loch" habe, weist andere Kombinationen auf! Hier werde ich wohl zeitnah eine weitere Folie mit einem 0,34mm Loch bestellen und mir einfach einen neuen Verschluss drucken - schließlich ist dieser als eigenständiges Einschub-Modul konstruiert.

      Die Filmführung ist im derzeitigen Zustand etwas "rauh" und lassen sich konstruktionsbedingt auch kaum glätten/polieren. Um das etwas zu entschärfen und die belichtungsrelevante Emulsionsfläche zu schützen, habe ich bei den gebogenen Anlageflächen links und rechts jeweils einen Streifen glattes Klebeband aufgeklebt. Die eigentlichen Filmführungen verursachen im derzeitigen Zustand einen relativ großen Kraftaufwand beim Filmtransport. Dementsprechend plane ich, für die nächste Version eine komplett herausnehmbare Filmführung zu konstruieren, die ich dann natürlich auch nachbearbeiten kann (schleifen/polieren).

      Da sich Rollfilme auch gerne etwas aufdrehen, habe ich aus Dosenblech für jede Seite ein Andruckblech gebogen, das einfach von oben eingesteckt wird.

      Der Drahtauslöser ist einfach mit etwas Kraft in die Verschlussplatte eingepresst. die Führungen des Verschlussschiebers müssen natürlich nach dem Druck etwas geglättet werden, damit sie ohne großen Widerstand laufen.

      Die 3D-Daten stehen auf Thingiverse mit dem hier gezeigten Konstruktionsstand zur Verfügung. Einige Hinweise zur Konstruktion habe ich auch dort schon gegeben (allerdings in Englisch).
      Die Konstruktion habe ich mit Tinkercad erstellt (Online-Tool von AutoDesk), das Slicing für den 3D-Druck mache ich mit Ultimaker Cura in der Version 3.3.

      Zum 3D-Druck - da schon die Frage nach dem Infill bzgl. Lichtdichtigkeit gestellt wurde:
      Die relevanten Außenwände sind bei mir idR immer 3mm oder stärker. In Kombination mit den nachfolgenden Einstellungen sehe ich kein Problem bzgl. Lichtdichtigkeit:
      Wall Thickness 1,2mm
      Top/Bottom Thickness 1,2mm
      Infill Density 33%
      Das heißt, die Lichtdichtigkeit erreiche ich hier durch die ersten beiden Einstellungen, die Infill Density spielt bei einem Sandwich aus zwei jeweils 1,2mm dicken 100%-Schichten keine Rolle mehr.
      Wer es nicht glaubt, kann ja mit 66% Infill oder höher drucken ;)
      Insgesamt passe ich die drei obigen Parameter eigentlich immer auf das zu druckende Teil an.

      Lichtdichtigkeit zum Zweiten:
      Ich verwende keine Lichtdichtungen, nur Lichtfallen. Licht geht bei schwarzem Material nun einmal nur sehr schlecht ums Eck ;)

      Wie schon erwähnt, ich denke schon über eine neue Version nach, bei der vor allem die Filmführung verbessert sein soll.

      Ich würde mich freuen, wenn mein Entwurf als Anregung oder Basis für weitere Lochkameras dient. Wer Fragen hat, der frage - ich teile meine Erkenntnisse und mein Halbwissen gerne. Ich reagiere lediglich allergisch darauf, wenn jemand meine Entwürfe mit geringen oder gar keinen Änderungen als seine eigenen ausgibt und dann gar noch Geld damit macht (das Äquivalent zum Bilderklau!)
    • Hallo Edgar,

      erst mal meinen Respekt und meine Gratulation zu deiner Entwicklung. :thumbup:

      Nun habe ich aber gleich eine Frage:
      Wie schaffst du es, daß der Fim beim Weiterspulen der gebogenen Rückwand folgt? Oder verstehe ich da was falsch?
      Zweite Frage: Wie bekommst du beim Weiterspulen einen vernünftigen Abstand der Negative hin, ohne daß Filmmaterial unnötig verschwendet wird, oder sich die Bilder überlappen?

      Im Übrigen wirkt dein Werk sehr inspirierend.

      LG, Mario.
      If nothings goes right - go left!
    • Mario Schrein schrieb:

      Wie schaffst du es, daß der Fim beim Weiterspulen der gebogenen Rückwand folgt? Oder verstehe ich da was falsch?
      Bild 3: Das Teil zwischen Deckel und Kamerakörper wird die obere Filmführung sein.

      Mario Schrein schrieb:

      Zweite Frage: Wie bekommst du beim Weiterspulen einen vernünftigen Abstand der Negative hin, ohne daß Filmmaterial unnötig verschwendet wird, oder sich die Bilder überlappen?
      Bild 2: In der Rückwand ist ein Loch, das offensichtlich mit einem Schieber verschlossen werden kann. Beim Format 6x12 belichtet man dann jedes zweite 6x6 Bild.
      Nur in der lebendigen Auseinandersetzung mit unterschiedlichen Ansichten bleiben die eigenen lebendig.
    • Edgar schreibt:
      "Die eigentlichen Filmführungen verursachen im derzeitigen Zustand einen relativ großen Kraftaufwand beim Filmtransport."

      Da bin ich gespannt, ob er eine Lösung dafür findet. Wenn der Film so schwer durchgeht, hätte ich jedes Mal die Befürchtung, daß er sich verformt und aus der Führung kippt.
      Das Loch in der Rückwand für die Filmnummern habe ich nicht gesehen. Den Schieber an der rechten Seite habe ich nicht registriert.
      Danke für die Info, Markus.
      8o
      LG, Mario.
      If nothings goes right - go left!
    • Ich hoffe ich kapere den Thread nicht zu sehr, dachte zuerst Edgar per PN anzuschreiben, aber vllt interessieren meine Fragen auch andere.

      Zum Einen bin ich beeindruckt was da wirklich bei bezahlbaren 3D druckern inzwischen geht. Alles was ich früher live in Händen halten durfte, war von der Maßhaltigkeit irgendwo zwischen Fimo und Salzgebäck.

      Daher ein paar Fragen zur Kameraherstellung
      • Was sind denn die Materialkosten an Verbrauchsmaterial für den Druck?
      • Kann man so einen Drucker in der Küche betreiben oder ist dem eher abzuraten (Lautstärke, Geruch, Ausdünstungen, Chemie?)
      • Im Kontext Küche, ist der Drucker leicht aufzubauen/zu verstauen oder besser ortsfest.
      Ich gebe es zu, bin doch etwas angefixt :D
    • @Markus Heiting: so isses.

      @Mario Schrein:
      Ich konstruiere aktuell schon an der nächsten Version herum, bei der ich einen herausnehmbaren Filmeinsatz machen werde, bei dem dann die Filmanlageflächen deutlich glatter sein werden als jetzt.
      Außerdem werde ich auch das eine oder andere Maß korrigieren - ich glaube nämlich fast, dass ich bei der Höhe der Filmführungen etwas knausrig war und das Rückpapier bei 63mm Breite sowohl oben, als auch unten Kontakt (und somit zusätzliche Reibung) hat.

      @Peter Pissulla:
      Das Filament schlägt mit etwa 25EUR pro kg zu Buche (PLA, 1,75mm Durchmesser, 1kg Spule). Grob geschätzt wiegt die Kamera etwa 300g. Ausschuß hält sich in Grenzen, sofern man das Druckbett sauber nivelliert und für den Drucker passende Einstellungen gefunden hat (spez. initial layer height, bed temperature)
      Geruch ist bei PLA sehr dezent, problematisch ist eher die Lautstärke, da z.B. der Druck des Gehäuses über 22h gedauert hat. Mit Chemie hantierst Du hier nicht wirklich herum, einzig das Druckbett machst Du mit Spiritus sauber.
      Aufbau: Mein 3D Drucker war in 10 Minuten aufgebaut, da weitestgehend vormontiert.
      Insgesamt würde ich den 3D Drucker eher irgendwo unterbringen, wo er auch mal nachts durchlaufen kann und wo man ihn nicht auf/abbauen/hin- und herbewegen muss. Feste Standfläche halte ich für ein Muss (also kein wackliger Camping- oder Beistelltisch)
    • Mario Schrein schrieb:

      Ich denke schon drüber nach, wie sich so etwas auch ohne 3-D-Drucker bauen ließe.
      Möglicherweise aus Holz und Weißblech.
      Einzig der Verschluß stellt noch ein Problem dar. Vielleicht hat da ja jemand eine Idee.

      Bin bei meinen Recherchen auch über ein Projekt gestolpert, bei dem jemand seine Kamera aus Sperrholz schichtweise aufgebaut (verleimt) hat, da er offensichtlich Sperrholz sehr präzise schneiden/lasern konnte (BTW, da gibt's Anbieter, bei denen man Sperrholz sehr genau laserschneiden lassen kann).
      Der Verschluss ist letztendlich das geringste Problem - im Zweifelsfall tut's auch eine Klappe oder ein einfacher Schieber (auch hier wieder: Sperrholz/Balsa).
      Die größte Herausforderung ist aus meiner Sicht letztlich die Filmhalterung und -führung.
    • Mario Schrein schrieb:

      Zum Verschluß würden mich allerdings die von dir verwendeten Verschlußzeiten interessieren.
      Und wie steuerst du die?
      also....
      Fuji Acros 100 war gestern bei Sonnenschein irgendwo zwischen 15 und 30 Sekunden, bei einem seit 35 Jahren abgelaufenen Agfachrome 50s waren es auch mal 8 Minuten.
      Außer auf und zu hat der Verschluß ja keinerlei Mechanik, der Gummiring sorgt nur dafür, dass der Verschluss immer zu ist. D.h. das funktioniert einfach wie "Bulb" an einer herkömmlichen Kamera.