Alter Film: Auswirkungen

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    • Alter Film: Auswirkungen

      Aus meinen diversen Koffern und Taschen hab ich mal alles rausgeklaubt, was da noch drin war. Daher hab ich jetzt einen beachtlichen Stapel Delta 400 Roll- und KB-Filme, die seit vielen Jahren abgelaufen sind. Zum Wegschmeissen zu schade, aber was bringen sie noch?

      Daher mal kurz die ATL angeworfen und Sensitometerstreifen mit D76H (sehr ähnlich zu Standard-D76) und DS-10 (mehr oder weniger XTOL) gemacht.

      Ergebnisse kurz zusammengefasst:

      - Die Entwicklungszeiten (im Vergleich zu meinen Testwerten früherer Jahre, als das Material noch frisch war) müssen für gleiches CI um ca. 30% verlängert werden.
      - Der Schleier ist beachtlich gewachsen, ca. 0.2d
      - Die Dichtekurve ist mehr oder weniger gleichgeblieben
      - Die Empfindlichkeit in D76H ist drastisch zurückgegangen, das sind im Vergleich zum Vitamin-C Entwickler locker 2 Blenden. Das ist filmspezifisch, der gleiche Entwickler mit einem aufgetauten APX100 (original) hat die alten Werte.
      - Auch im DS-10 ist die Empfindlichkeit zurückgegangen, statt 250 ASA vorher jetzt 160.

      Martin
    • Danke für diese Daten aus der Praxis!

      Wenn die Empfindlichkeit 2 Blenden niedriger ist, gilt das für die "normale" Entwicklungszeit und wird der Verlust durch die 30% Verlängerung etwas wettgemacht, zB eine Stufe?
      Oder ist dieser Film bei normaler Belichtung UND 30% verlängerter E-Zeit trotzdem 2 Stufen unterbellichtet?
    • Hallo Martin,

      durch eine längere Entwicklung wird die Dichtekurve angehoben, die Empfindlichkeit ändert dich dadurch aber nicht!

      Der Film altert, der Schleier nimmt zu. Die Dichten sind nach Abzug des Schleiers geringer und über die Dichte in Zone 1 wird die Empfindlichkeit bestimmt.
      Im Prinzip ist es egal ob es ein neuer oder alter film ist, ab einer bestimmten Entwicklungszeit ändert sich die Dichte im Kurvenfuß (dort liegt auch die Zone 1) nicht mehr. Wenn dieser Entwicklungszeitpunkt erreicht ist, steigt die Kurve ab Zone 2 nur noch an und wird dichter. Es wird also schon gepusht!

      Also bei normaler Belichtung und angepasster Entwicklung ist der Film unterbelichtet!

      Ich habe mal 10 Rollen AGFA APX 400 / Tura P400 geschenkt bekommen. Ca. 15 Jahre im Wohnzimmerschrank gelagert.

      In Rodinal 1+50 nur noch 64-80 ASA und in Xtol 1+1 wenigstens 100 ASA.
      Also hatte ich einen 100 ASA film mit dem Korn eines 400 ASA Films.

      Die Grauwertwiedergabe in Rodinal war nicht besonders gut und war ein bisschen "Cremig matschig", in Xtol war für diese überlagerten Filme besser geeignet. Bis auf das strake Korn war hier das Ergebnis zu gebrauchen.

      LG Oliver
    • Danke für die Erklärung der Zusammenhänge, Oliver.

      Martin Jangowski schrieb:

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      - Die Entwicklungszeiten (im Vergleich zu meinen Testwerten früherer Jahre, als das Material noch frisch war) müssen für gleiches CI um ca. 30% verlängert werden.
      ....
      Was ist "C1"? Die Dichte von Zone 1?

      Wenn ich es richtig verstehe, muss man also zB deinen 15 Jahre alten 400er Film 2 Blenden "überbelichten"...
      UND die Entwicklungszeit uU um 30% verlängern!?

      In den 80ern hab ich standardmäßig Tri-X verschossen und zwar belichtet auf 33/1600 und entwickelt in HC110 mit stark verlöngerter E-Zeit, mindestend 50%. Das war zu der Zeit mein "Reportage" Setting für wenig Licht, zB Konzerte Events usw.
      Und ich glaube schon damals gelesen zu haben, dass die Emfindlichkeit nur "effektiv" um zwei Blenden zu steigern sei, nicht aber nach korrektem Messverfahren....
    • Das ist richtig. Alter Film braucht mehr licht und mehr Zeit. Man darf auch nicht vergessen das durch längeres entwickeln der Schleier nochmals ansteigen wird... Ein Teufelskreis!

      Deshalb sind überlagerte Filme auch nichts für Laborneulinge. Das erhöht den Frust bei nicht gelingen quasi im Quadrat .

      Was du mit dem Tri-X gemacht hast ist ja nichts anderes als eine Push-Entwicklung um Theoretisch 2 Blendenstufen. 400-800-1600. Hierdurch verändert sich aber keinesfalls die Filmempfindlichkeit, sondern nur der Verlauf der Dichtekurve ab Zone 2. Diese steigt durch die verlängere Entwicklungszeit an. Durch das Unterbelichten rutscht die Dichtekurve wieder nach unten. Im Idealfall liegt diese in Zone 5 (Dort liegt der Messbereich des Belichtungsmesser). Unter der Zone 5 fällt diese Kurve steil nach unten ab, also eine ganz schlechte Schattenzeichnung entsteht. Ab Zone 5 wird die Kurve über der Ideallinie liegen, also der Kontrast ist erhöht.

      Das Resultat ist das nur noch 3-4 Blendenstufen ab Zone 5 wiedergegeben werden. Es gibt keine vernünftigen Grauabstufungen unterhalb des mittleren Grau (Zone 5) und die Lichter werden auch nicht mehr linear wiedergegeben.
      Die Hautfarbe eines Mitteleuropäers wird aber i.d. Regel gut dargestellt, da diese bei ca. Zone 6 liegt.

      LG Oliver
    • Martin Reg schrieb:



      Was ist "C1"? Die Dichte von Zone 1?
      Der CI (Contrast Index) ist die Steigung der Gerade zwischen dem Punkt, an dem die Dichtekurve 0.1d über Schleier hat und dem Punkt auf der Kurve bei 2.1d mehr Belichtung (also 7 Blenden mehr). Damit soll die durchschnittliche Steigung des Film zwischen praxisgerechten tiefen Schatten (den 0.1d über Schleier) und 7 Blenden Objekthelligkeits-Umfang berechnet werden. Es gibt viele Möglichkeiten, die (häufig unlinearen) Dichtekurven in einen Wert zu pressen und das ist eine davon, stammt von Kodak. Ich habe immer einen CI von 0.65 angestrebt, das kommt bei meinen Vergrößerern mit Farbmischkopf am besten.

      Martin