Warum? - Darum!

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    • Warum? - Darum!

      Letztes Jahr im Februar fragte mich ein Bekannter ob ich die Kamera seines Großvaters haben möchte die seit mehr als 10 Jahren unbenutzt herumliegt.

      Eigentlich hatte ich mit Film abgeschlossen. Ich war froh seit mehr als 12 Jahren nichts mehr mit analoger Fotografie zu tun haben zu müssen. Aus unerfindlichen Gründen sagte ich dennoch zu und hatte für lau Ruck-zuck eine Minolta XG 9 mit Soligor 2,5-3,5/35-70 an der Backe.

      Was sollte und wollte ich mit diesem Amateurplunder? Das Objektiv ist Sondermüll und die Kamera ein Witz schoß mir durch den Kopf.

      Im Frühsommer blätterte ich aus Langeweile in einem Antiquariat durch einen Bildband aus den frühen Siebzigern. Das weckte mein Interesse. Fotos von den Paraden nach der ersten Mondlandung hinterließen die stärksten Eindrücke.

      Über den Sommer fotografierte ich eine Serie von Künstlerportraits. Wie immer mit meiner kleinen, aber feinen Digitalausrüstung, die beim Gegenüber nicht aufdringlich wirkt. Bei dieser Gelegenheit fielen mir die Fotos aus dem Bildband wieder ein. Welch ein Unterschied zu meinen Bildern.

      Obwohl meine Fotos alle Erwartungen erfüllten und viele in Publikationen gingen hatte ich mehr und mehr ein unbestimmtes Gefühl. Die olle Minolta mit dem Soligor kam mir in den Sinn. Kann man mit der Amateurknipse andere, vielleicht bessere, Fotos machen? Fotos die sich von der Masse unterscheiden?

      Ich will das Ergebnis vorwegnehmen: ja und nein. Andere Fotos kann man damit machen. Ob sie dann auch besser sind liegt einzig und allein am Talent des Operateurs hinter der Maschine.

      Im Spätsommer kaufte ich zwei Farbnegativfilme und Batterien. In einem hellen Atelier verschoß ich den ersten und auf einer Wanderung den zweiten Film. Die Atelierbilder waren es die mein Umdenken beeinflußten. Sämtliche Landschaftsfotos waren für die Tonne; das Telefon hätte es besser und billiger gemacht. Das Soligorobjektiv ist der Knall. Es ist eine Gurke wie sie im Buche steht. Aber die Ergebnisse haben etwas.

      Auch die Kamera ist ein Albtraum mit viel Charme. Der Belichtungsmesser zum Beispiel zeigt Werte an die bestenfalls als grobe Schätzungen durchgehen.

      Meinen zweiten Versuch startete ich mit Ilford XP2. Abermals Portraits mit „Umfeld“ von Künstlern. Meist Innenaufnahmen. Diesmal benutzte ich einen Handbelichtungsmesser und die Minolta auf „M“. Wieder überstrahlten die Negative im Gegenlicht und wieder erzeugte das Objektiv weiche und nicht wirklich scharfe Bilder. Die parallel aufgenommenen Bilder mit der digitalen Profikamera waren technisch super; die Fotos mit der Minolta hatten „Charme“. Sie unterscheiden sich von der heute üblichen Massenware deutlich.

      Mein (Zwischen-)Fazit: Die Minolta XG 9 ist für meine Zwecke eine genial einfache und leichte Kamera. Der helle Sucher ist ein Traum in welchem sich wunderbar leicht einstellen läßt. Eine Nikon D 5/Canon 1 DX II/ Sony ?? sieht dagegen uralt aus. Sie ist leicht und unauffällig wie eine Leica. Die Bildergebnisse sind wahrscheinlich sogar noch besser weil man exakt da scharfstellen kann wo man auch die Schärfe haben möchte. Mehr Kamera brauche ich nicht. Spiegelvorauslösung, Wechselsucher, Okularverschluß, Spot-/Mehrfeldmessung und den weiteren technischen Firlefanz den alle haben möchten überlasse ich gerne diesen. Hatte ich Anfangs noch an eine Leica (R 6) oder Nikon (F 2/3) gedacht, so änderte sich das ganz schnell. Jeder Euro dafür wäre pure Geldverschwendung. Die XG 9 hat alles was ich brauche. Sie ist wunderbar handlich, klein, leicht, leise und kostet so gut wie nichts. Für unter 20 Euro sollte sie problemlos zu haben sein. Warum also zum Edelplunder greifen?

      Das Soligor benutze ich zur Zeit bevorzugt für Fotos von Frauen. Zwischenzeitlich habe ich mir für einen Appel und ein Ei noch ein Minolta MC 2,0/50 mm zugelegt. Auch diese "Schrott"linse gefällt mir gut. Sie ist schärfer und kontrastreicher als das Soligor ohne im Verdacht zu stehen hart und steril wie ein Sigma "Art" zu sein.

      Fazit: Seit nunmehr einem halben Jahr ist die Minolta bei allen Portraitaufträgen mit dabei. Wenn es die Bedingungen vor Ort zulassen kommt sie (auch) zum Einsatz. Nicht selten finden die Fotos auf Film Gefallen bei meinen „Opfern“. Eine Hasselblad oder eine andere analoge Mittelformatkamera wäre mir von der Bildwirkung schon zu digital. Darum ist der Kleinbildfilm für mich gerade richtig.

      Zusammengefaßt läßt sich feststellen: auch weiterhin halte ich nicht viel von der analogen Fotografie. Die Ergebnisse sind so gut wie immer das aufgewendete Geld und die Zeit nicht wert. Da aber, wo sie sichtbare Vorteile gegenüber der Digitaltechnik bietet, ist sie bei mir herzlich willkommen. Die mangelnde technische Perfektion der alten Objektive wie auch die nicht so „harte“ und weniger scharfe Wiedergabe des Films mag ich bei meinen Portraits auf Ilford XP 2 besonders. Auf Korn und technische Schlampereien (Dreck auf Abzügen u.a.), wie man sie vielfach bei Analogfotografen bewundern darf, kann ich gut verzichten.
    • Schöner Bericht von jemandem, der sein Geld mit den Bildern verdient, also aus Profisicht. Schön, dass die kleine Analoge ihren Platz im Werkzeugkasten gefunden hat.

      Die völlig andere Anmutung bis hin zu Staub und schlampigen Abzügen kann aber auch gewollt sein. Mir ging das so, als ich mir wieder eine Dunkelkammer eingerichtet habe, denn echte analoge Abzüge sehen eben ganz anders aus. Deshalb muss ich Digital nicht hassen, es ist eben nur "anders". Wenn ich Aquarelle male, kann ich keine Ergebnisse wie mit Öl, Acryl oder wie bei einer Radierung erwarten. Bei analogen SW-Bildern kommt es mir auf die andere Haptik an und den unverwechselbaren Duktus, analoge Farbabzüge (von analogen Negativen) gefallen mir deshalb gut, weil ich sämtliche Farbabstufungen vom Negativ unverfälscht bekomme. So gesehen ist Kleinbild zwar "deutlicher" analog, aber auch Mittelformat kann man nicht wirklich mit digitalen Ergebnissen verwechseln, und auch für Mittelformat gibt es unterschiedliche Kameras, alte und neue, verschiedene Optiken...

      Wer das Knistern einer Vinylplatte nicht will, zieht sich eben eine CD rein. Wer gern unkompliziert berieselt werden will, der ist auch mit mp3 oder einem Livestream zufrieden. Ich muss aber wissen, dass ich auf einer CD eine Stradivari nicht von einer Kaufhausgeige unterscheiden kann, und bei Vinyl stört mich vielleicht der geringe Signal-/Rauschabstand (sprich: das Knistern). Auf die Bilder bezogen muss man also wissen, wie das Ergebnis aussehen soll und wie man mit den Bildern weiter verfahren will.

      Grüße
      Rolf
    • Rolf Eilert schrieb:

      Ich muss aber wissen, dass ich auf einer CD eine Stradivari nicht von einer Kaufhausgeige unterscheiden kann
      Hier würde ich eher formulieren: "Ich muß aber glauben...", weil so übel sind die CDs jetzt auch wieder nicht.


      Rolf Eilert schrieb:

      bis hin zu Staub und schlampigen Abzügen kann aber auch gewollt sein
      Ja, kann sein. Aber das ist es in meinen Augen nicht, was Analog ausmacht. Manchmal empfinde ich es fast als Ausrede, daß man eben nicht die nötige Sorgfalt für ein ordentliches Ergebnis aufzubringen bereit ist. Sag ich halt: Das ist der analoge Look.
    • Klaus Grosser schrieb:

      Letztes Jahr im Februar fragte mich ein Bekannter ob ich die Kamera seines Großvaters haben möchte ber die Ergebnisse haben etwas.


      Zusammengefaßt läßt sich feststellen: auch weiterhin halte ich nicht viel von der analogen Fotografie. Die Ergebnisse sind so gut wie immer das aufgewendete Geld und die Zeit nicht wert. Da aber, wo sie sichtbare Vorteile gegenüber der Digitaltechnik bietet, ist sie bei mir herzlich willkommen. Die mangelnde technische Perfektion der alten Objektive wie auch die nicht so „harte“ und weniger scharfe Wiedergabe des Films mag ich bei meinen Portraits auf Ilford XP 2 besonders. Auf Korn und technische Schlampereien (Dreck auf Abzügen u.a.), wie man sie vielfach bei Analogfotografen bewundern darf, kann ich gut verzichten.
      Nach Jahrzehnten der filmbasierten Fotografie habe ich mir eine digitale Kleinknipse angeschafft, Nikon Coolpix, für untergeordnete Dokumentationszwecke wie guck´mal, mein neuer Sessel u.ä. Wichtigeres mache ich weiterhin auf Film, denn das kann ich in Farbe u. SW, photoshop kann ich aber nicht und will das auch nicht mehr lernen. Mit Film bleibt mir auch ein Negativ als Beleg, der nicht so leicht verschwindet.

      Soweit das Vorwort: ich habe einen Test in Farbe gemacht: Innenaufnahme mit zwei identischen Szenen. Einmal digital aufgenommen und einen Abzug bei Rossmann gemacht und einmal auf Rollfilm mit Mamiya C220 aufgenommen und Film und Abzug im eigenen Labor bearbeitet.
      Ergebnis: mein Abzug war farbtreuer als der digitale Abzug. Die Bildschärfe war auch gleichwertig. Mit dem ganzen Aufwand wollte ich mir selbst beweisen, daß ich einen Film korrekt einfiltern kann.
      Digital fotografieren ist schnell und je nach Ausrüstung besser als analog, aber analog macht mir mehr Spaß, und technische Schlampereien gibt es in meiner Duka sowieso nicht.
      L.G.
      Horst
      ____________________________________________________
      Die logarithmische Dichte eines Films
      ist der dekadische Logarithmus des
      reziproken Wertes des Transmissionsgrades

      ____________________________________________________
    • Zitat: "ich habe einen Test in Farbe gemacht: Innenaufnahme mit zwei identischen Szenen. Einmal digital aufgenommen und einen Abzug bei Rossmann gemacht und einmal auf Rollfilm mit Mamiya C220 aufgenommen und Film und Abzug im eigenen Labor bearbeitet.
      Ergebnis: mein Abzug war farbtreuer als der digitale Abzug. Die Bildschärfe war auch gleichwertig. Mit dem ganzen Aufwand wollte ich mir selbst beweisen, daß ich einen Film korrekt einfiltern kann."


      Was willst Du mir damit mitteilen?

      Daß Du Dir selbst in die Tasche lügst? Oder daß Du im Grunde genommen keine Ahnung von dem hast was du äußerst; zumindest nicht wenn es um elektronische Fotografie geht?

      Was soll der unsinnige Vergleich digitale gegen analoge Farbqualität im Zusammenhang mit meinem Beitrag? Mir kommt es nicht darauf an, für oder gegen analoge/digitale Fotografie zu diskutieren, sondern wo die Unterschiede sind die man bewußt nutzen kann. Auch wollte ich zeigen daß es für hochwertige Fotografie keiner Materialschlacht bedarf die 10.000 und mehr Euro kostet. Meine Ausrüstung hat einen Wert von deutlich unter 100 Euro.

      Wenn man einmal voraussetzt daß z.B. ein Velvia eine völlig andere Farbwiedergabe hat als ein Portra dann verstehe ich nicht was dein Beitrag für einen Informationswert haben könnte. Selbst SW-Filme zeigen unterschiedliche „Farbcharakteristika“! Das läßt sich z.B. sehr gut an der Helligkeit der Wiedergabe von Rottönen erkennen. Für jemand der viele Menschen Fotografiert ein nicht unerheblicher Faktor im Hinblick auf die Filmwahl.

      Auch verhält sich so gut wie jede Digitalkamera bei JPGs unterschiedlich. Auf Film ist es quasi unmöglich farbneutral zu fotografieren. Selbst digital ist es noch extrem schwierig und erfordert ein perfektes Farbmanagement und noch mehr Wissen und Erfahrung. Eine Coolpix schafft das auf keinen Fall. Für Hobbyfotografen dürfte es fast ein Fall der Unmöglichkeit sein das leisten zu können.

      Wer eine Datei (wahrscheinlich als JPG) zu einem Drogeriemarkt bringt darf nicht mehr erwarten als wenn er dort einen Negativfilm abgibt und Abzüge in Auftrag gibt. Das zu erwartende Ergebnis ist eine Lotterie. Was das Großlabor mit der Datei bzw. dem Film macht steht in den Sternen.
    • Klaus Grosser schrieb:

      Zitat: "ich habe einen Test in Farbe gemacht: Innenaufnahme mit zwei identischen Szenen. Einmal digital aufgenommen und einen Abzug bei Rossmann gemacht und einmal auf Rollfilm mit Mamiya C220 aufgenommen und Film und Abzug im eigenen Labor bearbeitet.
      Ergebnis: mein Abzug war farbtreuer als der digitale Abzug. Die Bildschärfe war auch gleichwertig. Mit dem ganzen Aufwand wollte ich mir selbst beweisen, daß ich einen Film korrekt einfiltern kann."


      Was willst Du mir damit mitteilen?
      ........daß ich einen Film korrekt einfiltern kann, mehr nicht.

      L.G.
      Horst
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      Die logarithmische Dichte eines Films
      ist der dekadische Logarithmus des
      reziproken Wertes des Transmissionsgrades

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    • [/quote]und was willst Du dann hier im Forum?[/quote]

      Ich bitte um Entschuldigung wenn ich den einen oder anderen Gralshüter der Analogfotografie in seinem hinterwäldlerischen Tiefschlaf gestört haben sollte. Mea culpa – mea maxiam culpa. Es wird nicht wieder vorkommen.

      Wenn es für einen Fotografen - der auch auf Film fotografiert - nicht mehr gestattet ist seine Meinung frei zu äußern und sachliche Beiträge zu schreiben, ohne die Kreise der engstirnig verborten Analogknipser zu stören, dann bleib weiter in Deiner Scheinwelt in der Fotografie bestenfalls Spielzeug ist. Für mich zählt nicht das Spielzeug sondern das Foto.

      Ich kann mit meinem Dir wahrscheinlich weit überlegenen Wissen und Erfahrungsschatz bzgl. analoger Fotografie gut und gerne auf Dich und dieses Forum verzichten.

      DANKE für das Verständnis!
    • Lieber Klaus Grosser,
      In diesem Forum, es zeichnet sich darin aus, herrscht im Allgemeinen ein freundliches wertschätzendes Miteinander.
      Eine Wertung oder Abwertung sollten wir unterlassen. Sei doch bitte so nett und akzeptiere dieses.
      Ich selbst fotografiere analog und akzeptiere mein Gegenüber,auch wenn er anders lebt und denkt.
      Find ich entspannend.
      Gruß aus dem sonnigen Dithmarschen
      Thomas Fischer
    • Es gibt hier immer wieder Themen, wo es nicht zur Einigkeit kommt und es auch nie kommen wird. Das ist halt so, man muss andererseits auch nicht immer und überall mitdiskutieren.

      (Gralsritter)
      Nehmet vom Brot,
      wandelt es kühn
      zu Leibes Kraft und Stärke;
      treu bis zum Tod;
      fest jedem Mühn,
      zu wirken des Heilands Werke!

      Nehmet vom Wein,
      wandelt ihn neu
      zu Lebens-feurigem Blute,

      Froh im Verein,
      brudergetreu
      zu kämpfen mit seligem Mute!
      Wissenschaftlichkeit: Das heißt zu wissen, was man weiß und was man nicht weiß. Unwissenschaftlich ist alles totale Wissen, als ob man im Ganzen Bescheid wüsste. (Karl Jaspers)
    • thomas karl fischer schrieb:

      Lieber Klaus Grosser,
      In diesem Forum, es zeichnet sich darin aus, herrscht im Allgemeinen ein freundliches wertschätzendes Miteinander.
      Eine Wertung oder Abwertung sollten wir unterlassen. Sei doch bitte so nett und akzeptiere dieses.




      Entschuldigung! Aber wenn jemand einzig und allein das ewig gestrige Gesabbel à la „geh doch nach drüben“ hervorbringt wenn man sein Weltbild nur ein wenig ankratzt, dann bleibe ich bei meiner Behauptung vom „analogen Hinterwäldler“ (oder heißt es in diesem Fall von ‚hinner‘m Deich‘?).

      Ich finde es übrigens verwunderlich wenn der Kamerad in Schutz genommen wird der mich zur Persona non grate erklärte.

      Jetzt weiß ich wenigsten mit wem und welcher Gesinnung ich es hier zu tun hatte. Danke das war lehrreich!
    • Hans Werner Stoltenberg schrieb:



      Was wir hier nicht brauchen, sind Oberlehrerhafte Berufsfotografen die Nachholbedarf in der virtuellen Kommunikation haben.



      Nachdem auch der Regisseur der Laienspielgruppe mit Unterstellungen nicht an sich halten kann werfe ich das Handtuch. Ich bin falsch hier!

      Was will uns der Meister mit „Nachholbedarf in der virtuellen Kommunikation sagen? Eine Mail mit einer Erklärung wäre schön damit auch ich verstehen kann was in so einem Amateurhirn in Sachen Fotografie vor sich geht. Irgendwie habe ich den Eindruck daß es um Fotos, insbesondere um gute Fotos, hier in diesem Forum nicht geht. DANKE!