"Korrektes" Belichten von Schneebildern (bei Schwarzweiss).

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    • "Korrektes" Belichten von Schneebildern (bei Schwarzweiss).

      Ich habe schon seit längerer Zeit darüber gegrübelt, dass eine Konvention zu bestehen scheint darüber, dass Schneebilder massiv überzubelichten seien, bis der Schnee so gerade noch ein kleines bisschen Struktur im Bild hat und ansonsten reinweiss ist. Das "reinweiss Sein" ist natürlich Illusion, denn höchstens frisch gefallener Schnee unter senkrecht stehender Sonne bei unbewölktem Himmel ist "reinweiss". Bei diesigem oder bewölktem Wetter ist immer ein Blauanteil im Schnee, der vor allem bei Verwendung eines Gelbfilters dem Schwarzweissbild einen Grauanflug gibt. Auch bei sonnigem Wetter, aber tiefstehender Sonne sind auf dem Schnee lauter kleine blaue Minischatten, die im S/W-Bild grau werden. Ein korrekt belichtetes Bild würde da bestimmt allgemein bemängelt als unterbelichtet, da man so darauf konditioniert ist, dass Schnee weiss zu sein hat.
      Besonders ist mir das bei der (ansonsten tadellosen) Serie von Bernhard Mutter aufgefallen, dass unsere Seh- bzw. Fotografiergewohnheiten da von einer realistischen Darstellung ziemlich abweichen.

      Zur Illustration mag es wohl in diesem Fall gestattet sein, zwei Digibilder als Beispiel anzufügen (auch wenn Film natürlich anders reagiert). Wie man in der Farbversion erkennt, ist das Bild korrekt belichtet. Der fast "reinweisse" Knopf, der an der Styroporbox den grünen Trageriemen befestigt, hat gerade noch Struktur und selbst die beleuchteten Schneekanten sind noch nicht ganz ausgebrannt. Bei einer (Schnell)Umwandlung in Schwarzweiss wird die Schneedecke korrekt hellgrau wiedergegeben, aber entspricht nicht so dem, was man von einem Schneebild allgemein erwartet.


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      Flickr

      Jede Chance ist eine Gelegenheit. (Matti Nykänen)
    • Hier muss man auch den aufgewühlten Schnee im Vordergrund zu beachten, der ebenfalls reinweiß dargestellt wird. Ich denke hier kommt die Reflektion des blauen Himmels hinzu, die den glatten Schnee etwas bläulich-gräulich erscheinen lässt.
      Ich für mich belichte, falls der Schnee bildwichtig ist, so, dass ich auf den Schnee messe und diesen 2-3 Zonen nach oben schiebe. Je nachdem...
    • Jake, da stimme ich in allen Punkten zu.

      Auf so gut wie allen meiner farbigen Winterbilder ist der Schnee blau. Die Bilder wurden gemacht bei strahlendem Sonneschein und somit blauem Himmel. Der Schnee verhält sich da ähnlich wie das Meer, das selber ja auch farblos ist und erst durch das Umgebungslicht bzw. durch die Himmelsfarbe ebenfalls farbig wirkt.

      Ich muss zugeben, dass ich bei Schwarzweißbildern lange mit mir und dem Ergebnis gehadert habe, weil auch ich den Schnee nicht grau sondern weiß haben wollte. Ein ähnliches Vergleichsbild wie das deine brachte mir dann die Erkenntnis, dass gerade die durchgehend weiße Färbung des Schnees eine Fehlfarbe darstellen würde.
      ernst-kluger.de


      Selbst der größte öffentlich verkündete Unfug begann häufig mit den Worten "Wissenschaftler haben herausgefunden, dass ......."
    • Das ist wirklich etwas schwierig zu ergründen. Ich neige manchmal auch eher dazu, den Schnee weiß abzubilden bzw. entsprechend überzubelichten. Allerdings nicht um jeden Preis, denn manchmal ist es schlicht unlogisch und sieht seltsam aus. Es kommt ein bisschen auf den Kontext, das Motiv und die allgemeine Tonwertverteilung an, ob es gut wirkt. Da ich momentan diverse Filme (SW und Farbdia) von meiner Wandertour scanne, merke ich das auch wieder verstärkt. Bei einigen Motiven brauche ich den knackigen Kontrast mit reinen Weiß, damit das Bild wirkt, bei anderen muss Struktur im Schnee sein, weil sonst zu viel Leere entsteht und es nicht ausgewogen rüberkommt.
      Daher entscheide ich das für mich beim Scannen bzw Vergrößern, wie weiß der Schnee werden soll. Ich belichte nicht so heftig, dass da keine Zeichnung mehr wäre.
    • Meines Erachtens ist das Digbild nicht korrekt belichtet, bzw. stimmt wohl der Weissabgleich nicht. Vielleicht liegt es aber bei mir auch am Monitor (zwar kalibriert) es ist zu blau und hat hat zuwenig Brillanz, wirkt irgendwie stumpf. Entweder heller stellen oder mehr Weiss geben könnte helfen. Dementsprechend sieht dann halt auch die SW Version aus. Der Schnee ist so zu grau.

      Nur meine bescheidene Meinung...

      PS:
      Sorry ich meinte nicht korrekt entwickelt - die Belichtung stimmt wohl schon. Ist es ein JPG? Wenn ja, wird da ja in der Kamera bereits entwickelt, je nach jpg Engine, bzw. der eingestellten Filmsimulation. Oder hast du in RAW aufgenommen? In welcher EBV entwickelt?
    • Zu Jakes oben gezeigten Varianten möchte ich ergänzen, dass sie für mich “natürlich“ aussehen. So würde man die Szenerie vermutlich in natura wahrnehmen. Da ist meiner Meinung nach weder Schnee zu blau bzw grau, noch stimmt daran sonst irgendwas nicht. Die andere Frage wäre, ob die Natürlichkeit das ist, was man erzielen möchte oder ob man eine etwas künstlerische Anmutung erreichen will. Da kann es auch ein Stilmittel sein, den Kontrast zu steigern und Schnee weißer darzustellen.
      Man kann hier doch keine Regeln aufstellen. Wenn's gefällt, isses erlaubt.
    • Man kann ein Farbbild aber einfach nicht mit einem panchromatischen S/W Film vergleichen. Der sieht blau viel heller als es das menschliche Auge tut, deshalb wird Schnee bei sonst korrekter Belichtung heller als auf dem oben gezeigten Bild.

      EDIT:

      So würde es schätzungsweise auf einem klassisch sensibilisierten Film kommen so entsprich es auch eher meinen Sehgewohnheiten:
      Dateien
      • aphog.jpg

        (199,66 kB, 61 mal heruntergeladen, zuletzt: )
    • Bastian Schramm schrieb:

      Man kann ein Farbbild aber einfach nicht mit einem panchromatischen S/W Film vergleichen. Der sieht blau viel heller als es das menschliche Auge tut, deshalb wird Schnee bei sonst korrekter Belichtung heller als auf dem oben gezeigten Bild.
      Das stimmt natürlich und hatte ich oben ja auch angedeutet. Die Digibilder dienen nur zur Illustration. Das lässt sich nicht 1:1 auf Film übertragen. Ich habe auch extra ein schön "kühles" Bild ausgewählt. Die hellere Blauabbildung bei S/W-Filmen wird im Übrigen bei Winterbildern teilweise durch routinemässigen Gelbfiltergebrauch unterlaufen.
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    • Ich denke, die "richtige" Belichtung ohne das Bildziel zu beachten, gibt es nicht.

      Sehr wichtig ist auch die Gradation.

      Will ich ein scherenschnittartiges Bild haben? Oder Garustufen?

      Wie ist das Wetter?
      Welche Tageszeit? (Nachtaufnahmen können sehr interessant sein.)

      Bei Farbfilmen hing es sehr von der Tageszeit und von der Filmsorte ab, welche Farbe der Schnee annahm. Bei warmer Sonnenstrählung wurden bei mir nur die Schatten blau.

      Apropos Schatten: Gerade beim Schnee muss man die Richtung des Lichteinfalls beachten. Kommt es von vorn, sind kaum Strukturen im Schnee. Kommt es von der Seite, kommen sie gut zum Vorschein.

      Lowkey oder Highkey? - Auch das kann für die Belichtung eine Rolle spielen.

      [Blockierte Grafik: https://farm3.staticflickr.com/2628/32935529455_48f56ba90b_c.jpg]Bank by Bernd Hutschenreuther, auf Flickr

      Schnee und Eis - Hauptmotiv Bank

      [Blockierte Grafik: https://farm3.staticflickr.com/2410/32935530645_ecf9c6e774_c.jpg]Strukturübergang Eis und Stein -- Struktur pur - Analog Photo Challenge by Bernd Hutschenreuther, auf Flickr

      Schnee und Eis, Hauptmotiv Straße, mit Schnee und Eis bedeckt

      Die weißen Flächen sind sehr unterschiedlich strukturiert.

      [Blockierte Grafik: https://farm1.staticflickr.com/715/32731398245_94b4738260_c.jpg]Schnee an Wäschestange by Bernd Hutschenreuther, auf Flickr

      Schnee beim Trocknen


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      Ich habe den Schnee jeweils leicht unterschiedlich bei der Belichtung behandelt.
    • Bernd_Hutschenreuther schrieb:

      Ich denke, die "richtige" Belichtung ohne das Bildziel zu beachten, gibt es nicht.
      Das ist genau das, was ich meinte. Wir lassen uns da von Sehgewohnheiten und Konventionen leiten. Und bei Schneebildern ist die Erwartungshaltung Richtung "strahlend weisser Schnee" gross, unabhängig davon, ob das eine realistische Darstellungsweise wäre.
      Flickr

      Jede Chance ist eine Gelegenheit. (Matti Nykänen)
    • Jake.Kukowski schrieb:

      Bernd_Hutschenreuther schrieb:

      Ich denke, die "richtige" Belichtung ohne das Bildziel zu beachten, gibt es nicht.
      Das ist genau das, was ich meinte. Wir lassen uns da von Sehgewohnheiten und Konventionen leiten. Und bei Schneebildern ist die Erwartungshaltung Richtung "strahlend weisser Schnee" gross, unabhängig davon, ob das eine realistische Darstellungsweise wäre.

      Dem kann man nichts hinzufügen. Bestes Beispiel, Kinder und auch viele Erwachsenen würden Fenster in Häuserzeichnung/-gemälde blau hineinmalen, dabei sind Fenster (sofern nicht bei Dunkelheit von innen beleuchtet) tagsüber schwarz.
    • Michael Gueckel schrieb:

      Zu Jakes oben gezeigten Varianten möchte ich ergänzen, dass sie für mich “natürlich“ aussehen. So würde man die Szenerie vermutlich in natura wahrnehmen. Da ist meiner Meinung nach weder Schnee zu blau bzw grau, noch stimmt daran sonst irgendwas nicht. Die andere Frage wäre, ob die Natürlichkeit das ist, was man erzielen möchte oder ob man eine etwas künstlerische Anmutung erreichen will. Da kann es auch ein Stilmittel sein, den Kontrast zu steigern und Schnee weißer darzustellen.
      Man kann hier doch keine Regeln aufstellen. Wenn's gefällt, isses erlaubt.
      Dem stimme ich zu 100 % zu.
      Ergänzend :

      Schöner Hund !

      Bei meine Farbfotos ist der Schnee wegen des blauen Himmels auch immer bläulich.
      Und ja, bei Digifotos regle ich den in PS meistens ein wenig in Richtung "weißer".
      Bei SW habe ich in der Duka noch nie richtige Struktur in den Schnee gekriegt, dann war mir mehr oder weniger zeichnungslos aber weiß, lieber als grauer Schnee.
      Aber das liegt sicher an meinen eingeschränkten Laborantenfähigkeiten :) .

      Aber im Ernst, bei diesem Foto empfinde ich den Hund, dessen Fellstruktur sehr differnziert dargestellt ist, als Hauptteil des Motivs.
      Insofern stört mich der bläuliche Schnee überhaupt nicht.

      Gruß
      Reiner