Ist Lomografie am Ende?

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    • Aber selbst der billigste Effekt ist bekanntlich besser als das ausschließliche Reden über Fotografie :)


      Lomography hat ja nun sein Daguerreotype Achromat fertig und meins ist gestern geliefert worden.
      Das Paradoxe: Zum Lomografieren scheint es nicht so gut geeignet zu sein. Zum Fotografieren schon.
      Es ist schwer und liegt gut in der Hand. Aus Messing ist es das völlige Gegenteil zu Plaste.

      Hergestellt ist es nach der Lokomofeilowitsch-Methode. Es wirkt, wie aus dem ganzen gefeilt. Sehr edel und golden.

      Die Blenden sind Waterhouse-Blenden = spezielle Einsteckblenden, man muss sie gut überlegt einsetzen.
      Aber man hat sehr individuelle Möglichkeiten für die Blendenform. Eine hat zum Beispiel Ähnlichkeit mit Imagon-Blenden.

      Das Objektiv "verlangsamt" das Fotografieren wieder.

      Da aber eine Regel heißt: "Missachte die Regeln!" kann ich auch damit lomografieren, denn der Satz ist selbstbezüglich.

    • Zum Objektiv selbst werde ich an anderer Stelle schreiben.
      Der erste Eindruck: Das Paket war unerwartet groß und schwer.

      Das Objektiv selbst ist solide und sauber gebaut, es ist aber ein Achromat, also nicht auf Schärfe optimiert.
      Heute ist es extrem dunkel und düster draußen, ich habe wenige BInder bisher gemacht, aber für die ersten Versuche mache ich alles digital, um ein Gefühl dafür zu bekommen. Die Blenden haben verschiedenste Formen.
      Das Objektiv mit Kamera zusammen liegt gut in der Hand.
      Leider hat es nicht M42, aber wenigstens Pentax. Die meisten haben Canon oder Nikon.

      Es ist kein Schneckengetriebe, sondern ein Helicoid zum Fokkussieren eingebaut.
      Ich habe noch als Bonus einen Orange-Filter bekommen.

      Im Paket war ein Buch mit vielen Bildbeispielen, die zum Teil auch schon im Internet zu sehen waren. Im Buch gefallen sie mir noch besser.

      [Blockierte Grafik: https://c5.staticflickr.com/6/5637/31052547116_7a20bfefe8_z.jpg]Pentax mit Daguerreotype Achromat by Bernd Hutschenreuther, auf Flickr
    • Hallo Miteinander,
      ich weiß nicht ob es richtig ist wenn ichj ezt schreibe nachdem sich die Grundsatzfrage über Lomography gerade in ein Erfahrungsbericht über das neue Gläslein wandelt, was ich irgendwie auch verstehen kann so ein Glas ist a auch eine emotionale Anschaffung.

      Was Lomography betrifft ist dies einThema das ich sehr unterschiedlich sehe und gesehen habe.

      Vorab Lomography muss nicht Analog sein sie kann auch digital sein, dass sie von Seiten der Lomogrphischen Gesellschaft schon immer analog betrieben wurde, liegt vermutlich daran dass sie Anfang der neunziger ihren Ursprung hatte die Zeit wo das Todesurteil für die analoge fotografie gesprochen wurde.
      Analog war damals der Standard, und es war eine Zeit wo mit Filmen sehr viel Umsatz gemacht wurde, und viele Hersteller in noch größere Fertigungsanlagen investiert haben leider zu groß für den Siegeszug der Digitalfotografie.
      Ich möchte das mal erwähnen weil jeder Lomografie mit anolog in Verbindung bringt als Gegenbewegung.
      Gegenbewegung ja aber nicht gegen digital denn das war zu Beginn der Lomografie noch kein Massenthema.
      Ernst genommen habe ich die Lomo Fotoaparate nie, aber so Sachen Wie Lomosampler wo man mit einem Klick mehrere Bilder auf einBild nacheinander machen könnte, Lomo Fisheye und so weiter fand ich sehr Witzig, und es war auch so was wie das haben wollen Gefühl vorhanden. Ich gab dann aber immer der ernsthaften Fotografie den Vorang.
      Dann kam eine Phase wo ich das lomgraphieren eher verachtete, wenn bei irgendwelchen Stadtfesten jugendliche aus reichem Hause behängt mit unzähligen überteuerten Lomo Holge Plastikaparaten ihre Sammlung zur Schau stellten.
      Mit der Lomography versöhnt habe ich mich erst als ich angefangen habe zwischen Lomo Hersteller, Lomographyscher Gesellschaft bzw Aktiengesellschaft (wenn die Gerüchte stimmen) und der Stilrichtung Lomography zu unterscheiden. Was man durchaus kann. Man kann auch ohne Lomokameras Lomographieren. Überzeugte Lomofans und puristen werden mich jetzt wohl steinigen wollen, aber es geht.
      Als Stilrichtung war es nie mein Ding, da ging es immer den ernsten Qualitativen Weg, Lomo war so etwas wie ne spielerei.
      Äh wie mach ich jezt weiter, denn jetzt wird es kompliziert weil da kommt viel zusammen dass ich sortieren muss.
      Fange ich mal bei der Lomospinner an. Ich oder andersd ich habe zweimal Lokokameras, macht drei Lomokameras.
      Ich habe eine Leningrad eine M39 Messsucherkamera (mit wirklich super Sucher und super Brennweitenmarkierung) mit Federmotor, technisch zu hochwertig für Lomography aber oritschinäll LOMO!

      und dann habe ich noch zwei Lomos die Spinner und ne Fisheye. Die fisheye ist Schrott denn sie funzt nicht richtig. aber die Spinner ist super die Bildqualität überrascht mich unheimlich eine Kamera die ich gerne nutze aber nicht Lomographisch sondern sehr bewußt. Nur muß ich zugeben nur auf verdacht hätte ich die 89 Teuro nie bezahlt die sie neu kostet, meine kostete in der Bucht nicht einmal 30 Teuro.
      Aber bei all den Kameras bin ich immer noch nicht bei der stilrichtung angekommen, und ich werde auch nie dort als überzeugte Lomofant ankommen, aber die Tatsache dass für die ernsthafte Fotografie oft die Zeit fehlt sie so auszuführen wie man sie will ist Lomografie ein bisschen ein Ventil, auch wenn ich nicht Lomografiere, weil ich mich nicht in eine Richtung pressen lassen will noch Regeln unterwerfen. aber im großen und ganzen doch ähnliches mache wie nach den Lomographischen Regeln zu arbeiten.
      Einziger Unterschied ich mache es ohne Kamera von Lomo oder Lomographischer Gesellschaft, auch nicht mit ner Agfaclick die sogar geladen ist auch nicht mit ner Pouva, nein es war ne recht unlomografische Kamera es war die Ricoh Autohalf eine Halbformat mit Federmotor, die gerade vorübergehend ausgemustert ist, da ichsie gegen eine Konika AA35 vorübergehend ersezt habe, was auch eine schöne Kamera ist, von der ich noch keine Bilder Entwickelt habe aber schon heute weiß dass sie nicht so viel Spaß macht wie die Ricoh Autohalf.
      Überwiegend arbeite ich immer noch ernsthaft, gewinne aber der unbeschwerten von jugendkichem leichtsinn geprägten Art zu fotografieren immer mehr ab.
      Was die Zukunft der Lomography betrift, denke ich die grßte Gefahr ist dass nicht mehr so viele bereit sind für Plastikkameras und abgelaufene Filme ein Vermögen auszugeben.
      Was die Stylrichtung betrift kann ich mir durchaus vorstellen dass sie Ausstirbt, dass es bei vilen lomofanten andersat läuft wie bei mir man hatte spass mit den Plastkknipden will sich weiter entwickeln und hat genügend Zeit für die Ernsthafte fotografie mit Fine Art Printing.
      Auf gut deutsch die Lomos sind nun aus der Pupertät.

      Gruß Achim
      Das Leben ist wie eine Klobrille
      Man macht viel durch
    • Ich habe halt Mühe mit dem Begriff "ernsthafte Fotografie". Was bitte soll das denn überhaupt sein?.

      Wenn ich es mir nicht gerade mit dickstem Stift auf die Fahne geschrieben habe, das letzte Quäntschen Graustufung und Kontrastumfang aus dem Film zu kitzeln - oder ein Schärfefetischist bin, dann fotografiere ich nicht "ernsthaft" oder was? Ich kann auch "ernsthaft" Lomografie betreiben. Kommt mir vor wie sog. "ernste Musik" vs. "Jazz" oder "Pop". Vieles von dem dem, was heute unter E-Musik subsummiert wird, war beispielsweise mal "Pop" zu seiner Zeit im entsprechenden Kontext. Diese Pseudoklassierungen bringen doch überhaupt nichts, ausser vielleicht sich in seinem "besseren" Fotografendasein bestätigt zu sehen oder noch schlimmer, seinen Dünkel zu pflegen.

      Letztlich kommt es doch darauf an, ob ich bildnerisch/gestalterisch/künstlerisch (oder so) das erreiche, was ich suche. Die Mittel dazu sind nur Werkzeug und Gefäss, um zum Ziel zu kommen, oder in die spannende Auseinandersetzung mit dem eigenen Werken und Wirken.
    • Naja, etwas in Verruf gebracht hat das Thema Lomografie sicherlich auch der Umstand, daß es in der noch nicht allzu lange zurükliegenden Hochzeit des "Trends" nicht Wenige gab, die Lomografie als Ausrede für das eigene Unvermögen vorgeschoben haben.

      Letztlich offenbart in den meisten Fällen die Motivwahl, die Wirkung, Licht und Schatten das Können des Fotografen. Das gilt sowohl für die Lomografie wie auch für "ernsthafte" Fotografie. Die technischen Grenzen des Materials und Equipments entscheiden in den Fällen nicht mehr über gut oder schlecht.

      Leute heutiger Generationen, die es durch digitale Fotografie gewohnt sind tausende Bilder Ausschuss zu produzieren um ein Gutes zu erhalten, tun sich auch hier schwer. Nur wird dann gerne argumentiert, daß es gewollt sei, oder - noch schönere Ausrede: Daß es analog nicht besser geht, und "schlechte" Bilder charakteristisch für die gesamte analoge Fotografie seien! So was entlarvt natürlich schnell den Hipster, von jemanden, der sich ernsthaft mit dem Thema beschädigt hat.
      Fotografieren ist heute jederzeit fast unbegrenzt möglich, nur kaum eine denkt darüber nach was, und wie er es macht. Auch die Fotografie als archivierte Erinnerung hat nicht mehr die Bedeutung in Zeiten, in denen ein Großteil Fotos erzeugt um den "Freunden" bei Facebook zu zeigen, was man gerade zum Fressen auf dem Tisch hat, damit die das "liken" können - aber das ist en anderes Thema...
    • Lomo pro-kontra? Gabs namhafte künstler, die lomo machten?
      Ich persönlich sah das sowieso in der hobby Sphäre. Form versus inhalt... Auch theorie: index, spur usw...

      Statt postkartenmotiven und feingraustufigen sesseln persönliche erlebnisse. Abdruck vom echten leben statt leere form...

      In meiner Amateurwelt eine normale und gesunde Gegenbewegung


      Irgendwann frass die revolution natürlich ihre kinder..,

      Kommerziell: Ich verstand auch nie, warum manche lomozeugs kaufte. Besonders die einfachstkameras. In anderen bereichen füllen sie ja auch gewisse nischen... Die aufgeregte gegnerschaft verstand ich auch nicht: Im gegensatz zu billigst bananen, individualexplosionsmotormobilität und elektroschrott schaden sie ja auch nicht


      Die experimentierfreudigkeit mag ich, drum schau ich gern auf die lomoseite. Irgendwie zumindest im deutschen bereich auch frischer als sonst so analoges


      (p.s. Mangelnde rechtschreibung nicht wg lomo sondern wg handy und Freitag abends)
    • Lomo pro-kontra? Gabs namhafte künstler, die lomo machten?


      Gute Frage. Ich kann mich nicht erinnern, ob es damals jemanden gab. Wenn man sich die Lomo-Regeln anschaut, passt das natürlich auf einige Sozialfotografen im weitesten Sinn, nur dass die sich nicht den Begriff Lomografie zueigen gemacht haben. Gary Winogrand muss zum Beispiel 24 Stunden am Stück fotografiert und sicherlich auch spontan aus der Hüfte geschossen haben, wenn man nach seinem Ableben nicht nur bergeweise entwickelte, aber nicht ausgewertete Bilder aus der Wohnung geschaufelt hat, sondern m.W. auch mehrere tausend unentwickelte Filme.

      Ist aber mehr oder weniger egal, das richtige Leben der unter-70-jährigen (und der über-70-jährigen, die es drauf haben) spielt sich eh woanders ab. Die Leute, die fotografisch was zu sagen haben, zeigen ihre Bilder heute anderswo, aber nicht mehr hier. Z.B. Bernd Daub.


      Ich kann dich beruhigen. Ich habe noch *nie* ein Foto-Forum gesehen, egal, worum es inhaltlich ging, wo es interessante Fotografie zu sehen gab. Das ist wohl einfach so. Ausnahmen bestätigen die Regel, aber die sind wirklich selten (und stossen dann meistens erstmal auf Widerstand... ;) ).
      Wissenschaftlichkeit: Das heißt zu wissen, was man weiß und was man nicht weiß. Unwissenschaftlich ist alles totale Wissen, als ob man im Ganzen Bescheid wüsste. (Karl Jaspers)
    • Lomografie ist ja nicht auf "schlechte" Objektive beschränkt, wobei sie aber gezeigt hat, dass es im wörtlichen Sinn gar keine "schlechten" Objektive gibt. Es hängt vom Zweck ab. Ich habe einen Flaschenboden als Vorsatzlinse genommen. Den fand ich zufällig auf dem Weg zu meiner Mutter auf der Straße.
      Er stammte, glaube ich, von einer Bierflasche.

      Fotografieren aus der Hüfte: Das ist eine mögliche Lomografieregel. Sie führt zu einem Perspektivwechsel.
      Das Foto entsteht einen knappen Meter über der Erde statt 1,8 m.

      Klassisch kann man das mit Lichtschachtsuchern auch haben.
      Bei mir führte es nach einiger Übung dazu, dass ich das Bild fühle, auch wenn ich gar nicht durch den Sucher blicke.
      In gewissem Sinn waren Armstrong und Collins auf dem Mond auch Lomografen.
    • Ist doch egal, ob da jetzt „Lomo“ draufsteht – Tatsache ist, dass viele Bilder, die mich begeistern oder bewegen, eben nicht technisch perfekt sind und oft mit Equipment aufgenommen worden sind, das die „ernsthaften“ Fotografen mit ihrer Fixierung auf technische „Qualität“ nicht einmal in die Hand nehmen würden. Auch Fotokünstler, die tolle Sachen machen, arbeiten so, auch in der Photo Klassik sind immer wieder interessante Bilderstrecken. Das ist zugegebenerweise nicht unbedingt immer aus der Hüfte, aber die Herangehensweise, tradierte Sichtweisen zu verlassen, ist dieselbe. Ein Bild, das bewegt, das etwas Neues zeigt, kann man auf verschiedene Weise aufnehmen – geplant mit einer Hasselblad ebenso wie auch spontan mit der Lomo aus der Hüfte. Manche Bilder zeigen/entwickeln ihren Reiz auch erst zufällig in der Nachschau oder Nachbearbeitung, eigentlich zunächst „Mißlungenes“ oder Zufälliges kann auch funktionieren und faszinieren, der schöpferische Akt findet oft ja ohnehin zumindest zum Teil nach der Aufnahme statt.

      Was es da abzugrenzen gibt, kann ich jedenfalls nicht nachvollziehen.

      Gruß
      Alex