Gelbfilter oder Orangefilter?

    Diese Seite verwendet Cookies. Durch die Nutzung unserer Seite erklären Sie sich damit einverstanden, dass wir Cookies setzen. Weitere Informationen

    • Gelbfilter oder Orangefilter?

      Hallo,
      wie bereits oben ausgeführt, rüste ich mich gerade für Landschaftsaufnahmen während der Urlaubsreise auf den Färöer-Inseln. Obwohl noch auf dem 62. Breitengrad, fehlt jeder Baumbewuchs. Graue Felsformationen aus Vulkangestein, bis zu 800m senkrecht ins Meer abfallend, olivgrüner, kurzer
      Gras- und Flechtenbewuchs in der "Wildnis" und grasgrünes Gras im Kulturland (Heuanbau für Kühe) bilden die Farben; dazu ist die wilde, schwarze See nirgends weiter als 5km entfernt. Der Himmel ist eigentlich nie wolkenlos; interessante Wolkenformationen am blauen Himmel an (nicht allzuhäufigen) guten Tagen; oft aber auch gehen die Wolken zu Fuß bzw küssen die Wellenkämme - um die immer wieder auf Meereshöhe herabhängende Wolkenpracht poetisch schön zu reden. (übrigens zeigt mich das Profilbild auf der fotografischen Vogeljagd auf den Färöer-Inseln)
      Da will ich mich nun im SW-Großformat 13x18 als Landschaftslichtbildner versuchen (eigentlich wäre bei der Landschaft Velvia 50 der Film der Wahl - gibt´s aber längst nicht mehr in dem Format) Und gern auch ein kontraststeigerndes Farbfilter einsetzen. Bei 86mm Filtergewinde ist finanziell nur eines drin. Würdet Ihr, um einen wahrnehmbaren Effekt zu erzielen, eher ein kräftiges Gelbfilter oder ein Orangefilter wählen? Welcher hebt bei partiellblauem Himmel die Wolken kräftig hervor, ist aber gleichzeitig "nett" zum allgegenwärtigen grün? Und auch nach der Reise bei Landschaften gut zu verwenden? Danke!
    • SW-Filme setzen Farben so oder so unterschiedlich um.
      Also müsstest Du noch den Film benennen den Du einsetzt.
      Du kannst natürlich den gleichen Film in einem anderen Format mit verschiedenen Filtern testen.
      Oder Du findest jemanden der zur gleichen Jahres- und Uhrzeit mit dem gleichen Film mit verschiedenen Filtern Tests durchgeführt hat.
    • Wenn gut eingetestet wurde, die Zonen Viii und IX also tatsächlich innerhalb des Kopierumfangs des Fotopapiers liegen, dann genügt auch ein normales Gelbfilter..
      Wenn nicht, dann muss man halt stärkere Filter nehmen, bis hin zum Rotfilter.

      Sehe gerade, dass du den Delta 100 nimmst. Mit dem bekommst du das hin. Nimm als Entwickler Neofin blau und teste ihn auf das Fotopapier ein - Stichwort Stufengraukeil.
    • Aus eigener Erfahrung rate ich Dir unbedingt zum Orangefilter.

      Der von den Mitforenten erwähnte Gelbgrünfilter liefert nur eine leichte Differenzierung - er ist die erste Wahl, wenn es nur um die Differenzierung von Grüntönen geht, z. B. im Wald und nur sehr wenig Himmel im Bild zu sehen ist.

      Der Orangefilter führt zu einer deutlichen Differenzierung zwischen Wolkenzeichnung und dem Himmel. Da der Himmel in den seltensten Fällen eine rein blaue Färbung hat, sondern leicht ins grünliche tendiert, ist der Orangefilter hier wirksamer, da die Komplementärwirkung größer ist. Orange ist, wie anhand des Farbenkreises leicht erkennbar, eine Mischfarbe aus Gelb und Rot - Gelb ist die Komplementärfarbe zu Blau, Rot die Komplementärfarbe zu Blaugrün.

      Der Einfluß auf die Wiedergabe des Grüns der Landschaft ist dagegen sehr viel geringer als dem Orangefilter nachgesagt wird. Denn das, was wir das Grün der Pflanzen nennen, ist oft tatsächlich ein Gelbgrün, also ein Grün mit einem sehr hohen Gelbanteil, der noch erhöht wird, wenn die Landschaft sonnenbeschienen ist. Hier wird nämlich zusätzlich das Gelb des Sonnenlichts reflektiert. Im Schatten sieht dies ein wenig anders aus, hier kann tatsächlich ein Grün- oder Gelbgrünfilter angeraten sein.

      Bei einr sonnenbeschienenen Grün-Landschaft hingegen hat das Landschaftsbild die gleiche spektrale Zusammensetzung wie der Gelbgrünfilter - was zu einer (im Positiv) helleren Wiedergabe führt, der Himmel wird jedoch, da er eben nicht ein reines Blau zeigt, nicht in dem gewünschten Maße differenziert.

      Mit dem Orangefilter erreichst Du zudem auch eine bessere Durchdringung des Dunstes - noch besser wäre hierfür aber ein Rotfilter.

      Allerdings würde ich, wenn ich wirklich nur das Geld für einen Filter hätte, noch ein wenig drauflegen und einen Polfilter kaufen. Ja, ich weiß, dessen Preis geht ins Schmerzhafte, aber die Wirkung gerade bei Landschaftsaufnahmen ist einfach grandios. Der Polfilter schafft nämlich in einer Landschaftsaufnahme den klaren Blick, weil er die Lichtreflektionen an den Staub- und Feuchtigkeitspartikeln in der Luft nimmt. Du kannst damit die Spiegelungen auf Wasserflächen verringern oder verstärken. Und, je nach dem Winkel Deines Standorts zu dem der Sonne und ja nach Tageszeit erzielst Du mit dem Polfilter eine Himmelsdifferenzierung, wie sie mit keinem Orangefilter erreichbar ist.

      Abschließend solltest Du bedenken, daß ein farbiger Filter, egal ob Gelb, Grün oder Orange, eben nur bei Schwarzweißaufnahmen verwendbar ist. Einen Polfilter kannst Du dagegen auch dann einsetzen, wenn Dich spontan die Lust auf Farbbilder überkommt.

      Die Krönung in der SW-Fotografie ist dann die Kombination des Polfilters mit einem Orange- oder gar Rotfilter. Hiermit kannst Du die Luftspiegelungen (leichter Dunst) nahezu vollständig eliminieren und erreichst eine sehr plastische, je nach Motiv auch dramatische Wirkung.

      Wenn Du Dir einen Filter kaufst, dann solltest Du einen solchen in der sogenannten Slim-Fassung wählen. Diese erlaubt es nämlich, die oben beschriebene Filterkombination (Orange- + Polfilter) auch an kurzbrennweitigen Objektiven zu verwenden ohne die Gefahr von Vignettierungen befürchten zu müssen. Diese Slim-Fassungen werden sowohl von B+W als auch von Heliopan angeboten. ABER: nur bei Heliopan haben auch die Slim-Fassungen ein Frontgewinde, so daß auch nur Heliopan-Filter entsprechende Filterkombinationen zulassen.

      Nun habe ich Dir die Wahl nicht leichter gemacht. Und ich weiß, daß es noch schwerer ist, spontan und ohne die Verhältnisse vor Ort zu kennen die richtige Entscheidung für den richtigen Filter zu treffen. Darum mache ich Dir das Angebot, alle Filter - Rot-, Orange-, Grün-, Gelbgrün- und Polfilter auf Deiner Urlaubsreise auszuprobieren. Ich habe die entsprechenden Heliopanfilter in 86er Normalfassung hier und würde sie Dir für die Dauer Deines Urlaubs leihweise zur Verfügung stellen. So kannst Du bei einem Motiv direkt vor Ort die beste Filterwirkung ausprobieren, vielleicht auch Vergleichsaufnahmen machen - um Dir dann schließlich nach Deiner Rückkehr anhand Deiner Aufnahmen selbst eine Meinung über die für Deine Aufnahmen wichtigen Filter zu bilden.

      Wenn Du an diesem Vorschlag Gefallen findest, dann melde Dich bei mir per PN - dann können wir die Details abseits der Öffentlichkeit klären.

      viele Grüße
      Dieter
      "Ein besonderes Kennzeichen photographischer Reaktionen besteht auch darin — und es ist vielleicht ganz gut, einmal ausdrücklich darauf aufmerksam zu machen — , daß man selbst beobachtete oder anderweitig genügend beglaubigte Tatsachen oft bei einer Nachprüfung nach Jahr und Tag nicht wieder bestätigt findet."

      (Dr. Lüppo-Cramer in seinem Buch "Die Grundlagen der photographischen Negativverfahren", Halle (Saale) 1927
    • Hallo Ole,

      das Angebot von Dieter ist natürlich spitze! Davon ab, wenn Du noch Zeit hast...., ich habe alle meine Filter in der Bucht gekauft, bzw. ersteigert. Als Auktion werden sie nicht so oft angeboten, wenn dann von privat. Meine größte Sorte ist 82mm, die habe ich von Heliopan und hab für keines mehr als 30 EUR bezahlt. Aber, dafür braucht es Geduld, zumal Du ja auch keine ganz gängige Größe benötigst. Ansonsten findet man ja auch ganze Filtersätze als Neuware für EUR 40,--. Vielleicht sind die ja auch mal nen Versuch wert. Das Risiko ist gering, bei Händlern kannst Du sie ja auch zurückgeben, wenn sie nichts taugen und Du könntest Sie vielleicht noch vor Reiseantritt probiert haben...

      Grüße Ralph
    • Hallo,
      man sollte bedenken, dass ein kräftiger blauabsorbierender Filter wie z.B. ein Rotfilter nicht nur die Fernsicht verbessert und den blauen Himmel dunkler erscheinen läßt (vielleicht auch zu dunkel), sondern auch die Schatten kräftig abdunkelt, weil das Licht hier einen hohen Blauanteil besitzt.
      Die Verwendung eines Polfilters kann - insbesondere in Kombination mit einem Weitwinkelobjektiv - zu einer ungleichmäßigen Helligkeitsverteilung im Himmel führen.
      Wenn nur 1 Filter zur Ausrüstung gehören soll, würde ich zu einem dunklen Gelbfilter greifen, entsprechend Kodak Wratten Nr.12. Das wäre z.B. der Heliopan Nr.12 oder der B+W Nr. 15, der mir allerdings etwas dunkler erscheint als der Nr.12.
      Letztlich ist aber alles persönliche Geschmackssache.
      Viele Grüße
      Christian
    • Daß Farbfilter bei Schwarzweißaufnahmen den Kontrast erhöhen ist unausweichlich. Die Bildwirkung ist auch sehr stark abhängig von den Farben des Motivs und der Sensibilisierung des Films. In den 50er Jahren hatten die Filme noch nicht eine so hohe Rotempfindlichkeit wie heutzutage, auf der deutlich überwiegenden Empfindlichkeit für blaues Licht war auch die stets in den Fotoratgebern jener Zeit hervorgehobene Wirkung des Gelbfilters begründet.

      Laßt uns doch einfach mal ein paar Bilder als praktische Anwendungsbeispiele ansehen:
      [IMG:http://dmhfotografie.lima-city.de/bilder/gezeigt/strasse_unter_wolken.jpg]

      Bronica SQ-Ai, 4,5/40mm, Polfilter, Mittagssonne von hinten-links

      [IMG:http://dmhfotografie.lima-city.de/garzweiler2/bildertopf/original/Hofstr-50_Blick-ueber-leere-Flaechen-zur-Bahnstr_001.jpg]
      Bronica SQ-Ai, 4,5/40mm, Polfilter + Orangefilter, ca. 14:00, Sonne im Rücken

      [IMG:http://dmhfotografie.lima-city.de/garzweiler2/bildertopf/original/Hofstr-50_Blick-ueber-leere-Flaechen-zur-Bahnstr_002.jpg]
      Bronica SQ-Ai, 4,5/40mm, Polfilter + Rotfilter, ca. 14:30, Sonne im Rücken
      Ich hatte mich nach der vorigen Aufnahme mit jemandem unterhalten, als plötzlich diese Unwetterfront aufzog - daher ist der Kamerastandpunkt unverändert

      [IMG:http://dmhfotografie.lima-city.de/garzweiler2/otzenrath/bilder/Otzenrath_Schulhof_2009-04-22.jpg]
      Sinar F, Apo-Grandagon 4,5/65, Polfilter + Orangefilter, späte Nachmittagssonne im Rücken
      der Boden im Vordergrund ist Sand und Kies, hat also eine gelbliche Grundfarbe und ein sehr hohes Reflexionsvermögen

      Der Film bei den SW-Aufnahmen ist FP4 120, entwickelt in Xtol 1:1, die Farbaufnahme entstand auf Agfa RSX 100
      "Ein besonderes Kennzeichen photographischer Reaktionen besteht auch darin — und es ist vielleicht ganz gut, einmal ausdrücklich darauf aufmerksam zu machen — , daß man selbst beobachtete oder anderweitig genügend beglaubigte Tatsachen oft bei einer Nachprüfung nach Jahr und Tag nicht wieder bestätigt findet."

      (Dr. Lüppo-Cramer in seinem Buch "Die Grundlagen der photographischen Negativverfahren", Halle (Saale) 1927
    • Hallo Friedrich,

      das mit den Filterfaktoren ist ganz einfach: wenn Du mit dem Belichtungsmesser durch die Filter mißt, dann liegt der angezeigte Wert garantiert daneben. Belcihtungsmesser sind nämlich farbempfindlich, je röter das Licht um so mehr. Du wirst also für einen Rotfilter eine deutlich zu geringe Belichtung messen. Die Angaben der Filterhersteller sind dagegen meist zu reichhaltig bemessen.

      Ich verlängere schon seit 40 Jahren die Belichtung mit folgenden Werten:

      Polfilter +1,5 Blenden
      Orangefilter +1,5 Blenden
      Rotfilter +2,5 blenden
      Grünfilter +1 Blende
      Gelbgrünfilter +1 Blende

      Bei Filterkombinationen addieren sich die Belichtungsverlängerungen:

      Pol- + Orangefilter +3 Blenden
      Pol- + Rotfilter +4 Blenden

      Da ich immer mit fester Blende arbeite, verlängere ich die Belichtung um die entsprechende Anzahl an Zeitstufen - und da landet man selbst bei Sonnenschein manchmal ganz schnell im Bereich der langen Verschlußzeiten, das Stativ ist also unverzichtbarer Begleiter

      viele Grüße
      Dieter
      "Ein besonderes Kennzeichen photographischer Reaktionen besteht auch darin — und es ist vielleicht ganz gut, einmal ausdrücklich darauf aufmerksam zu machen — , daß man selbst beobachtete oder anderweitig genügend beglaubigte Tatsachen oft bei einer Nachprüfung nach Jahr und Tag nicht wieder bestätigt findet."

      (Dr. Lüppo-Cramer in seinem Buch "Die Grundlagen der photographischen Negativverfahren", Halle (Saale) 1927