Verschmähte Legende

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    • Mario Berger schrieb:

      Also ich habe jetzt mal etwas die Augen in der Bucht offen gehalten.
      manchmal geht die 7000 AF doch noch für recht gute Preise weg. Einige Dynax bekommt man einiges günstiger.
      Rekord ist der hier ebay.de/itm/Analogkamera-Minol…meras&hash=item1c4fae08ec


      :D Du die kannst Du bei mir zum halben Preis bekommen 8) :evil: ;) :D

      PS: ein 1,2 50mm AF hats nie gegeben
      "Das dumme an Zitaten aus dem Internet ist, dass man nie weiß, ob sie stimmen" (Leonardo Da Vinci 1442-1519)
    • Ich kann mich noch gut erinnern, wie der Frankfurter "Satan" in den Tagen der Inzahlungsnahme Aktion bestürmt wurde. SRT303 plus ordentlich was Scheine für eine neue AF. Und zwei Wochen später war der Preis für die AF um genau den Betrag gesunken, den die SRT eingebracht hatte.
      - - - Jetzt mal im Ernst: Ich heiße Erich! - - -
    • Ernst Kluger schrieb:

      Zumindest nach meinem Geschmack sind sie sogar ausgesprochen hässlich.


      Es mag vlt seltsam klingen, aber : warum genau mal nicht das Umgekehrte wie üblich machen und mit einer Kamera fotografieren die man vlt sogar "hässlich" findet?
      Wir, die nun aus dem Fundus hunderter, wenn nicht tausender Kameras schöpfen, haben natürlich die Wahl.
      Mir ist es schon passiert, dass ich mit einem Gerät welches ich einst für grottig befand, im Laufe des Gebrauchs plötzlich anfreundete. Nicht, dass man dadurch etwas dann unbedingt als "schöner" empfindet, aber vlt als sympathischer.

      Michael Philipp Simon schrieb:

      Zur Ausgangsfrage: Auch wenn die 7000 eine Legende ist würde ich sie mir heute nicht kaufen, die von mir benutzten Minoltas (7xi, 800si) habe ich für unter 30€ erstanden und bieten mehr.


      Vernunftsorientiert liegt das natürlich auf der Hand. Für gleich viel oder leicht mehr Geld als für eine Minolta7000 kriegt man Besseres.
      Anders als bei mechanischen Kameras beurteilen wir AF Kameras quasi leistungsorientierter. Das kratzt natürlich am Image der ersten Generation dieser Kameras und sie büssen daher an Beliebtheit ein.

      Interessant schent mir : Damals als die AF-SLR's noch neu waren, wurden sie mit ihren Vorgängern verglichen. Im "besten Fall noch mit SLR's mit integrierten Motoren, die eigentlich meist nur Winder waren. Danach ging der Fortschritt rasant weiter und heute vergleichen wir vergleichen diese erste Generation mit den späteren AF-SLR's.

      Nimmt man sich eine Kamera wie die Minolta 7000 in die Hand, und resümiert diese Zeit, so scheint man geradezu spüren, dass hier nach wie vor etwas glänzlich Neues ist. So jedenfalls erging es mir, nachdem ich mir mein Exemplar kaufte und erst mal richtig mit ihr befasste. Sie ist "keine schlechtere Dynax 700i, sondern eine bessere X700" um es mal so zu sagen.
    • Nun war es heute Vormittag endlich soweit und führte meine Minolta 7000 zum ersten Mal aus. :)

      Hier nun also ein kleiner Erfahrungsbericht.

      Das Film einlegen geht mit einer Minolta 7000 müehlos und auch anstandslos. Eigentlich wie es sich für eine Kamera mit integriertem Motor gehört. Aber auch diesbezüglich war es Minolta erste SLR und die hatten das gut hinbekommen.
      Ebenso anstandlos wurde auch die DX-Codierung erkannt. Eine "DX-Stellung hat sie nicht, es wird simplerweise einfach die eingestellte Empfindlichkeit angezeigt. Ein Nachteil, wenn man die Empfindlichkeit nachträglich verstellt und bei gewünschtem zurückstellen die originale Empfindlichkeit nicht mehr weiss.

      Nimmt man sich eine Minolta 7000 in die Hand, so fällt sogleich etwas auf :
      Auf dem Display erscheinen Modi; Bildnummer und Transportart. Eine löbliche Sache, denn so braucht man die Kamera nicht zu aktivieren, nur weil man schnell mal diese Informationen ansehen will.
      Bei meinem Exemplar tun die beiden Displays als wären sie neu. Keine vertrübung, ausbleichung der Flüssigkristalle.
      Was sie allerdings nicht bot : Das SchulterDispay lässt sich nicht beleuchten, dafür beleuchtet sich das SucherDisplay ab einer gewissen "Dunkelheit" automatisch.

      Einschalten kann man sie per Hauptschalter wahlweise entweder mit oder Warntöne. Diese erklingen recht hell, nervös und sind bestimmt nicht "Kirchen-tauglich" :)
      Wird der Belichtungsmesser aktiviert, erscheinen ganz à la "Kit" LED's am Prisma. Ein nettes Detail für 80er Nerd's . . .
      Dieser schaltet sich übrigens nicht automatisch beim einschalten der Kamera ein. Schaltet man die Kamera ein, scheint das SchulterDisplay keine Reaktion zu zeigen. Bei Nichtgebraucht ist es daher beachtenswert, nachzuschauen, ob die Kamera auch wirklich ausgeschaltet ist.

      Die Bedienelemente sind praktisch angeordnet.
      ISO, Belichtungskorrektur, Transport ("Drive") & Modis werden über Tasten auf der linken Seite angewählt. Die jeweiligen Werte per Plus/Minus-Tasten auf der Oberseite eingestellt (Pfeiltasten).
      Die Objektive des Minolta A-Bajonett's keinen keinen Blendenring mehr. Und da bleibt die Minolta in ihrer TipTasten-Mentalität treu.
      Werden die Blenden manuell eingestellt (bei Zeitautomatik oder manuell) sind hierfür die beiden (-ebenfalls blau gefärbten) TipTasten am Bajonett zuständig. Plus/Minus. So verstellt man also sämtliche Werte über diese vier blauen Pfeiltasten.
      Das ist etwas gewöhnunsbedürftig.

      An Modis stehen "Programm", Zeitautomatik, Blendenautomatik und manuell zur Verfügung.
      Lobenswert : die Minolta7000 kennt bereits ProgrammShift.
      Der Motor kennt zwei Stufen. Einzelbild oder Serie. Ich würde die Geschwindigkeit der Serie mal auf ca 2B/s schätzen. Die dritte Stellung ist der Selbstauslöser ("S.T."). Der läuft mit ca 10 Sekunden ab. Unveränderbar.

      Die Belichtungskorrektur reicht -4.0 bis +4.0 und zwar in Halben LW. Drittel wären besser gewesen - für Dias.
      Ist diese übrigens aktiviert, erscheint ein umrahmtes + sowohl im Sucher -als auch Schulterdisplay. Die Korrekturwerte gehen beim ausschalten der Kamera nicht verloren, sondern bleiben gespeichert.
      Belichtungswerte kann sie speichern. Und zwar per "AE-L"-Taste auf der Rückseite.
      Der Druckpunkt des Auslösers hingegen speichert den AF.

      Die Minolta 7000 fasst sich gar nicht mal so schlecht an. Zwar Plastik überall, aber sie wirkt dennoch genug robust um einen extrem harten Fotoamteur-Tag der bei 25° Blumen fotografiert, zu überstehen. 8o
      Im Ernst : man spürt den Platik durch und durch, dennoch wirkt sie nicht fragil, auch wenn es ab und zu mal knarzt. Auch wirkt sie schwerer als es der optische Eindruck vermuten würde (ca 620g ohne Objektiv, 900g mit 35-70mm 4).
      Die Tasten haben einen angenehmen Druckpunkt was es diesbezüglich etwas erleichtert.

      Schön ist das Sucherbild. Hell.

      Was etwas billig wirkt, ist der AF Umschalter am Bajonett.
      Wenn wir schon dabei sind :
      Es gibt nur eine AF-Betriebsart. Also AF oder eben manuell. Keine Schärfeverfolgung, Auslösepriorität und solche neumodischen Sachen.
      Einfach AF und dazu noch sehr mittig platziert (wo denn sonst). Ich schätze es mal auf 3 - 4% des Sucherbilds, was ungefähr einem Spotmessfeld entsprechen könnte.
      Der AF arbeitet gar nicht mal so schlecht. Voraussetzung dafür aber ist eine strukturierte Fläche auf die es zu fokusieren gilt. Ansonsten kapituliert der AF mit unschönem hin-und-herfahren - reine Verzweiflungstat.
      Genügend Licht ist auch vorteilhaft, aber auch bei ca 6,7 LW arbeitet er recht flott - angesichts des damaligen technischen Standes. Vor allem arbeitet er - vorausgestzt er hat eine deutliche Struktur gefunden - recht sicher.
      Mühe hat der AF dann, wenn das Motiv auf die Kamera frontal zugeht bzw sich aus der Schärfeebene wegbewegt. Hier kann sich der Gebrauch des AF sogar als fataler Fehler erweisen, denn aufgrund der Schärfepriorität bleibt der AF stur dort stehen wo er mal scharfgestellt hat.

      Die Minolta 7000 hat Verschlusszeiten von 30s - 1/2000s.
      Angezeigt werden die Verschlusszeiten (in allen Betriebsarten) in ganzen Stufen - mit Ausnahme 1/100s. Das wird vermutlich die BlitzSynchronisationsZeit sein.
      Die BlendenWerte hingegen werden in halben Stufen angezeigt (ebenfalls in allen Betriebsarten).
      Zur Belichtungskorrektur - siehe oben.

      Was die Minolta 7000 vermissen lässt, ist die Wahl mehrer MessGewichtungen. So gibt es lediglich eine (im Sucher undefinierte) Mittenbetonte Gewichtung.
      Ein paar Fotos habe ich mit Automatik gemacht und bin mal gespannt auf die Ergebnisse.

      Um den Film zurückspulen drückt man die "R"-Taste und schiebt die nebenan liegende Schiebetaste nach links. Geht ziemlich geräuschvoll zu und her.

      Weil sich erstaunlicherweise ( :/ ) doch auch mancher Amateur zum Kauf dieses sagenumworbenen Models entschied, hatte Minolta klugerweise bereits einen "HilfeButton" (so sagt man heute) installiert. Er ist ziemlich klein, an der Oberseite und nennt sich "P". Anders als zuerst vermutet, stellt er nicht nur einfach auf Programmautomatik, sondern stellt auch sämtliche Einstellungen (Motor, Belichtungskorrektur) zurück.

      Mein Fazit :
      Die Minolta 7000 hat mehr zu bieten als die historische Tatsache, die erste AF-SLR zu sein.
      Sie ist nämlich recht eigenwillig.

      Manches was AF-SLR's später an praktischen Lösungen implementiert wurde lässt sie vermissen.
      Wenn man sich aber mal nicht darauf konzentriert was sie nicht hat, sondern eben was sie hat, ist sie doch eine anständige Kamera.
      Der ummantelte Plastik darf nicht hinwegtäuschen, dass man auch mit ihr tolle Fotos umsetzten könnte.
      Dass meine Minolta7000 nicht zum letzten mal Fotos gemacht hat, ist mir seit heute sicher
      8)
    • Mahlzeit und Danke für den ausführlichen Bericht.

      Seit diesem Faden bin ich ja immer wieder mal hin und her gerissen doch eine 7000 oder 9000 zu kaufen.
      Daher danke ich dir für den ausführlichen Bericht und die Schilderung deiner Eindrücke.
      Eine frage zum AF habe ich noch. Meinst Du der kommt bei spielenden Kindern mit?

      Philip Koblet schrieb:

      Hier kann sich der Gebrauch des AF sogar als fataler Fehler erweisen, denn aufgrund der Schärfepriorität bleibt der AF stur dort stehen wo er mal scharfgestellt hat.

      Das macht mir da nämlich etwas bange.
    • Vielen Dank für diesen Erfahrungsbericht, Philip (dessen Fazit ich übrigens sehr sympathisch finde)!

      Sollte ich jemals einen solchen Bericht über die Yashica AF 230 verfassen wollen (deren Bajonett übrigens fast identisch mit dem der Minolta ist), könnte ich weite Teile deines Textes wörtlich übernehmen...

      Allerdings bekommst du die AF Yashicas und ihre Objektive heutzutage für 30 Euro nachgeschmissen, und selbst der dreisteste eBay-Gauner verfiele wohl nicht auf die Idee, im Zusammenhang mit diesen SLRs von "Legende" zu sprechen... ;)

      Gruß

      Michael
      "The one with the most stuff when he dies wins" (Felinik, APUG English Forum)
    • Mario Berger schrieb:

      Eine frage zum AF habe ich noch. Meinst Du der kommt bei spielenden Kindern mit?


      Wenn sie herumlaufen usw, dann wohl eher nicht. Sitzend usw wär's sicher möglich.
      Ein "Trick" damit der AF auch bei bewegten Motiven einigermassen brauchbar ist, ist ständiges antippen des Auslöser's.

      Für die Personenfotografie hat die Minolta einen kitzekleinen Nachteil : sie ist - um es mal so zu sagen - überhaupt nicht leise. Kinder könnten da schon mal auf die Kamera aufmerksam werden.
      Und natürlich hat sie ja einen Motorantrieb.

      Michael Jacobi schrieb:

      Sollte ich jemals einen solchen Bericht über die Yashica AF 230 verfassen wollen


      Nur zu :)
      Ich finde, gerade solche Kameras haben manche Eigenheiten und sie sind im Netz oftmals schlecht dokumentiert. Darüber wie man eine Hassi 500C/M oder Nikon FM/2 bedient, gibt's wohl genug zu finden.

      Michael Jacobi schrieb:

      Allerdings bekommst du die AF Yashicas und ihre Objektive heutzutage für 30 Euro nachgeschmissen, und selbst der dreisteste eBay-Gauner verfiele wohl nicht auf die Idee, im Zusammenhang mit diesen SLRs von "Legende" zu sprechen...


      :thumbsup:



      ps : Danke noch für die lobenden Worte