Washi-Film ausprobiert

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    • Washi-Film ausprobiert

      Hallo zusammen,


      ich habe nun den Washi-Film ausprobiert.

      lomig.fr/
      youtube.com/watch?v=C1tuezJExpM

      Mit Bildern kann ich noch nicht dienen, weil es ein technisches Problem gab, das dem Film nicht unbedingt anzulasten ist. Insofern ist das Folgende ein kurzer Zwischenbericht auf Basis dessen, was ich mit meinen momentanen Kenntnissen seriös weitergeben kann. Vielleicht folgt demnächst mehr.

      Getestet wurde die 120er-Konfektionierung. Der Film kommt liebevoll verpackt in einer Packpapierhülle daher. Aussenrum ist ein Gummiband, dessen Sinn sich erst erschliesst, wenn der Film fertig belichtet ist: Das Schutzpapier hat keinen Klebestreifen, jedenfalls habe ich keinen konventionellen gesehen. Man benötigt deshalb das Gummiband zum Fixieren des Films.

      Eine kurze Bedienungsanleitung ist netterweise am Anfang um den Film gewickelt. Mir war nicht ganz klar, welche Empfindlichkeit richtig ist, weil zwei verschiedene Entwickler angegeben sind und es dazu im Internet auch keine weiteren Informationen gab. Für Eukobrom (1+1) sind ISO 25 für Sonnenschein und ISO 12 für Schatten genannt, für PQ Universal (1+9) ISO 6 bzw. ISO 3. Nachdem ich nur Neutol WA hatte und annahm, dass dieser näher an Eukobrom liegt, hatte ich mich entschieden, jeweils 25 und 12 ISO auszuprobieren.

      Entwickeln war nicht schwer, nachdem ich vorher das Video des Herstellers gesehen und die Anleitung gelesen hatte. Daran habe ich mich exakt gehalten. Da man den Film nicht in einem Spiraltank verarbeiten kann, muss man ihn händisch durch eine Schale Entwickler ziehen. Das Handling des Papierstreifens ist gewöhnungsbedürftig, man kann aber damit zurechtkommen. Das hat bei mir ohne grössere Umstände schon beim ersten Mal gut geklappt. Der Papierträger ist auch erstaunlich robust und löst sich nicht sofort auf, wenn er mit Flüssigkeiten in Kontakt kommt (wie andere Papiersorten). Gut, das wussten die Edeldrucker natürlich schon, die Washi-Papier für Positive verwenden.

      Da die Emulsion nach Sicht bei Rotlicht ausentwickelt wird, muss man sich auch nicht an eine feste Zeit halten. Entwickeln geht recht schnell: In Neutol WA (1+7) war der Film nach etwa 1 Minute fertig, in (1+15) hat es entsprechend länger gedauert. Bei etwas unter 20° C Raumtemperatur - ich hatte nicht gemessen, weil ich ahnte, dass es sowieso unkritisch ist. Dann kurz in ein Wasserbad, danach in Fixierer einlegen, ein paar Minuten aufhängen und final wässern. Beim Trocknen verzieht sich der Papierträger recht stark. Wie beim Fixieren hatte ich kein Gewicht verwendet, weil er auch so hängen bleibt und ich Bedenken hatte, dass das negative Auswirkungen auf das Trockenergebnis haben könnte. Nach einem Tag unter einem Stapel Bücher ist der Film dann so plan, dass er sich einigermassen weiterverarbeiten lässt. Topfeben wie ein normaler Film wird er natürlich nicht.

      Bildwirkung: Ich hatte Scans gemacht bzw. vom Leuchtpult abfotografiert, zu Vergrösserungen bin ich noch nicht gekommen. Scannen erwies sich erwartungsgemäss als problematisch, weil die Neutraldichte des Trägers natürlich sehr hoch ist. Wie erwartet sah das aber beim Abfotografieren dank des hohen Dynamikumfangs der verwendeten Kamera schon wieder anders aus.

      Zur Bildwirkung: Manchmal wird die Papierstruktur zu einem auffälligen Teil der Bildwirkung, manchmal nicht, das kann man aber durchaus interessant finden. Die Bildwirkung hängt sehr stark vom Motiv ab, das lässt sich nicht gut vorhersagen. Der Film hat einen sehr hohen Kontrast, die Tonwertumsetzung wirkt ein bisschen speziell, was daran liegen könnte, dass es sich um eine Emulsion für Papier handelt (sehr viele Möglichkeiten für das verwendete Produkt gibt es ja nicht). Der Film lässt sich deshalb nicht sehr universell einsetzen, aber die daraus resultierenden Probleme (oder nennen wir es: kreative Vorteile) kennt man ja auch von anderen Filmen, die zu einem hohen Gamma entwickelt werden.

      Die Belichtung ist deshalb auch kritisch: 12 ISO schienen nach zwei verarbeiteten Filmen insgesamt der beste Kompromiss zu sein. Damit bekommt man sogar etwas Schattenzeichnung, und die Lichter sind nicht sofort dicht. Ich hatte nur bei Bewölkung fotografiert, aber die 25 ISO sollte man vermutlich nur dann ansetzen, wenn man bei Sonnenschein sowieso sehr tiefe Schatten bekommt und die Lichter damit noch einigermassen retten kann. Etwas unterbelichtet (25 ISO) kann durchaus interessant aussehen, weil dann die Papierstruktur ggf. deutlicher sichtbar wird. Wie gesagt - die Wirkung hängt sehr stark vom Motiv ab. Das Verhalten unter Kunstlicht hatte ich nicht ausprobiert, das könnte aber als nächstes drankommen.

      Zum Schwarzschildverhalten kann ich nur Vermutungen anstellen. Es kann sein, dass schon im einstelligen Sekundenbereich etwas Kompensation nach Plus notwendig ist. Vielleicht hatte ich mich aber auch vermessen oder falsch gezählt, das will ich nicht ausschliessen. Vor allem würde das nicht so gut zur Theorie mit der Papieremulsion passen, die in diesem Zeitenbereich ja ein lineares Verhalten haben sollte.

      Kurz: Die Bilder sehen durchaus interessant aus, die Ergebnisse sind nur nicht so gut vorhersagbar - wenn man das mag und den Preis nicht scheut, ist der Film vielleicht einen Versuch wert.

      Vielleicht kann man aber auch ähnliche Ergebnisse erzielen, wenn man einfach auf konventionellem Weg das Negativ-Gamma erhöht und durch ein Blatt Washi vergrössert... ;)
      Wissenschaftlichkeit: Das heißt zu wissen, was man weiß und was man nicht weiß. Unwissenschaftlich ist alles totale Wissen, als ob man im Ganzen Bescheid wüsste. (Karl Jaspers)
    • Re: Washi-Film ausprobiert

      super. danke das sich hier jemand die mühe macht und seine ergebnisse allesn zur verfügung stellt. bilder wären natürlich noch besser. ich habe auch schon zwei rollen 120er im schrank liegen und warte noch auf ein geeignetes motiv. neutol wäre auch mein entwickler. also werd eich deine iso 12 mal antesten. ich hätte es von selbst eher mit der iso 3 angefangen, werde nun aber höher einsteigen.

      beste grüße vom sven
    • Re: Washi-Film ausprobiert

      Danke. Bilder kommen dann noch, wenn es sich einrichten lässt. Ich würde auf jeden Fall empfehlen, zumindest *eine* kleine Belichtungsreihe zu machen, auch wenn das aufgrund des Preises ein bisschen weh tut, da sich Belichtungsfehler aufgrund des hohen Kontrasts sehr stark bemerkbar machen können.
      Wissenschaftlichkeit: Das heißt zu wissen, was man weiß und was man nicht weiß. Unwissenschaftlich ist alles totale Wissen, als ob man im Ganzen Bescheid wüsste. (Karl Jaspers)
    • Re: Washi-Film ausprobiert / Testbilder #1/3

      Hier ein paar Testbilder, wie angekündigt:



      Washi (1) wurde mit einem hochspezialisierten Objektiv für Fotokunst aufgenommen.





      Die letzten beiden Bilder sind schöne Beispiele dafür, wie kritisch die Belichtung ist: Washi (2) ist mit 25 ISO belichtet (mit einem Belichtungsmesser und einer Kamera, die ich für zuverlässig halte, aber das muss ja trotzdem nicht universell gültig sein). Die Schattenzeichnung ist, wie man sieht, drastisch schlechter als bei Washi (3), das mit 12 ISO belichtet wurde. Dafür hat es natürlich was, wenn man dann in den dunklen Partien die Papierstruktur sieht.
      Dateien
      • washi (3).jpg

        (389,37 kB, 677 mal heruntergeladen, zuletzt: )
      • washi (2).jpg

        (363,35 kB, 671 mal heruntergeladen, zuletzt: )
      • washi (1).jpg

        (351,88 kB, 672 mal heruntergeladen, zuletzt: )
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    • Re: Washi-Film ausprobiert / Testbilder #2/3







      Washi (4) und (5) wurden mit einer normalen Optik aufgenommen, (6) wieder mit etwas Speziellem. Ausserdem ist (6) defokussiert.
      Dateien
      • washi (6).jpg

        (407,12 kB, 666 mal heruntergeladen, zuletzt: )
      • washi (5).jpg

        (388,6 kB, 662 mal heruntergeladen, zuletzt: )
      • washi (4).jpg

        (390,34 kB, 663 mal heruntergeladen, zuletzt: )
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      Dieser Beitrag wurde bereits 1 mal editiert, zuletzt von Jens Dörsam ()

    • Re: Washi-Film ausprobiert

      Für Portraits muss man auf jeden Fall darauf achten, dass das Licht ein sehr geringes Kontrastverhältnis hat, also *ganz* weich beleuchten und Schatten etwas aufhellen. Sonst sind Schatten oder Lichter sofort weg. Zumindest würde ich für eine Versuchsreihe so anfangen. Am besten finde ich den Film für Motive, die sowieso schon sehr grafisch sind und wo es eher egal ist, ob die mittleren Töne richtig abgebildet werden, weil man das m.E. schwer steuern kann. Aber vielleicht kann man den Film mit einem anderen Entwickler oder höherer Verdünnung auch noch weicher bekommen.
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    • Re: Washi-Film ausprobiert

      Ich finde das als Effekt recht interessant. Ein wenig etwas in die Richtung habe ich neulich selbst mal versucht – das war eine Doppelbelichtung, zuerst Rasen von oben, dann habe ich ein Selfie drübergeknipst.

      Viele Grüße
      Nils
    • Re: Washi-Film ausprobiert

      Genau - hatte ich ja weiter oben auch geschrieben: Es kann durchaus sein, dass man das Gleiche mit einer Lage Washi-Papier beim Vergrössern und hohem Negativgamma genauso hinbekommt, nur eben günstiger. Washi-Papier sieht übrigens deutlich anders aus als Transparentpapier, das relativ feinkörnig und gleichmässiger strukturiert ist. Man bekommt es auch primär nur als bunt bedrucktes Washi-Tape zum Basteln und nicht so häufig als neutralweissen Bogen.
      Wissenschaftlichkeit: Das heißt zu wissen, was man weiß und was man nicht weiß. Unwissenschaftlich ist alles totale Wissen, als ob man im Ganzen Bescheid wüsste. (Karl Jaspers)
    • Ich hatte den Beitrag vor zwei Jahren schonmal gesehen. Das hat mich neugierig gemacht. Ich hatte es zwischenzeitlich völlig vergessen, aber irgendwie immer die Methode im Hinterkopf behalten.

      Ich überlege gerade, ob man den Film auch für Positive verwenden kann, sodass man im Ergebnis die schöne originale Struktur behält. Also als eine Art Fotopapier.

      Die Bilder sehen gut und interessant aus. Besonders die mit hohem Kontrast (Bäume) gefallen mir.