Angepinnt Zeigt doch mal... Teil 2

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    • Marwan El-Mozayen schrieb:

      Die Arriflex aus der UdSSR die Kinor 16
      Vermutlich war die Kinor 16 eher eine Kopie der Eclair Cameflex aus Frankreich die, zugegeben auch eine Kopie der Arriflex war wenn auch stark abgewandelt.
      Nigel Pope hat ein sehr unterhaltsames Buch zur Geschichte der 35mm Arriflex in den USA ab 1947 bis etwa 1972 geschrieben, nur in Englisch verfügbar.

      Die Arriflex hat das Kino nachhaltig verändert, erst diese recht kleine und leichte Kamera, die zudem auch noch preiswert war, ermöglichte den unabhängigen Film gerade in den USA, ein gerade sehr aktuelles Beispiel ist "Easy Rider"
      Habe mir öffter mal versucht vorzustellen wie dieser Film mit den 35mm Monster Mittchell Kameras geworden wäre, alles im Studio gedreht, Dennis und Peter auf fest montierten "Böcken" und im Hintergrund wird eine vorbeiziehende Landschaft projeziert.
      Die Regiesseure haben häufig die kleinen Arris versteckt wenn die Produzenten sich angekündigten und die c.a. 80 Kg. schweren Mittchells positioniert um nicht gefragt zu werden warum sie soviel Geld für diese mickrigen Kameras ausgegeben haben.
      Erst die Arriflex hat ermöglicht das die Kamera frei von einem Stativ verwendet werden konnte, das Kino hat sich dadurch grundlegend verändert, ebenso die Sehgewohnheiten. Den Allermeisten ist das nie aufgefallen oder nie bewusst geworden aber der moderne Film begann erst mit der Spiegelreflex Arnold&Richter aus München.
      Dadurch das während des Filmens durch das Objektiv geschaut werden konnte war es möglich sehr lichtstarke Objektive zu verwenden, ebenso die aufkommenden Zoomobjektive wie das Angenieux 3,5/25-250mm.

      Hier ist Dennis Hopper zu sehen mit einer Arrflex IIc und dem besagtem Angenieux Zoom

      dennis hopper.JPG
    • Wolfgang Rabe schrieb:

      Erst die Arriflex hat ermöglicht das die Kamera frei von einem Stativ verwendet werden konnte, das Kino hat sich dadurch grundlegend verändert, ebenso die Sehgewohnheiten. Den Allermeisten ist das nie aufgefallen oder nie bewusst geworden aber der moderne Film begann erst mit der Spiegelreflex Arnold&Richter aus München.
      Dadurch das während des Filmens durch das Objektiv geschaut werden konnte war es möglich sehr lichtstarke Objektive zu verwenden, ebenso die aufkommenden Zoomobjektive wie das Angenieux 3,5/25-250mm.

      Ich finde, man muß die Vergangenheit so genau wie möglich ansehen, um Fehler zu vermeiden. Vom Stativ gelöste, so genannte automatische Normalfilmkameras gab es schon nach dem Ersten Weltkrieg, ich zähle auf: Scythes von Gassino (Federwerk, 1918), Autocinephot von FACT (Federwerk, 1919), Vorgänger des Ciné-Sept von Debrie (Federwerk, 1920), Kinamo von ICA (Kurbel 1921, Zusatzfederwerk 1923), Cinégraphe von Bol (Kurbel und Zusatzfederwerk, 1923), Eyemo von Bell & Howell (Federwerk, 1925), Ciné-Nizo (Federwerk, 1925) und mit der Akers-Kamera von 1934 ein gut tragbares Gerät mit Hinterfilm-Reflexsucher. Dazwischen, 1930, erschien eine Kamera von den Brüdern Le Blay, die zwar Federwerk, Sperrgreifer und Hinterfilm-Reflexsucher besitzt, jedoch unhandlich ist. Ich habe eine besessen.

      Die ARRIFLEX ist nach meinen Forschungserkenntnissen ein Lizenzfabrikat aus den Vorbereitungsarbeiten eines Farbenfilmprojektes gewesen, wahrscheinlich Kodachrome. In dem Moment, als feststand, daß das Aufnahmematerial eine lichtundurchlässige Rückenschicht erhält, was beim Umkehrfilm Kodachrome der Fall ist, fielen die Hinterfilm-Reflexsucher weg. Dann ist beschlossen worden, Kodachrome nur als Schmalfilm auf den Markt zu bringen. Ich halte es für möglich, daß zwischen der Entwicklerin der Spiegelverschlußkamera, die Bell & Howell Co., und der Eastman-Kodak Co. eine Vereinbarung getroffen war, im 35-mm-Format Technicolor auszubauen. Man muß in Rochester von den Agfacolor-Bemühungen gewußt haben. Die ARRIFLEX enthielt eine Vielzahl an Bell-&-Howell-Dingen, vom im Deckel untergebrachten Sucherrohr über den im Filmraum tief angelegten Greifer bis zur Objektiveverriegelung, das Bajonett u. a. m.


      Ganz sicher hat die ARRIFLEX dazu beigetragen, näher, dichter aufzunehmen. Entfesselte Kamera hat es jedoch schon seit 15 Jahren gegeben. Schon einzelne Lumière-Operateure haben den Cinématographe im Fahren gekurbelt, auf Straßenbahnwagen, auf einem Schiff.


      Ich wünsche mir heute inmitten all des Gewackels und Gezittere, bei Vertical Video Syndrome, zu weit Fokussiertem beim Fernsehen und Sonstigem, das mir als Cutter Anlaß zum Griff nach der Schere gibt, wieder mehr Filme aus schweren Kameras. Das Kino ist nicht mit unzulänglichen Bildern groß geworden, sondern mit 999 Promille der Aufnahmen ab Stativ. Wer Breitbild sagt, muß auch ausgerichteter Horizont sagen und anderer Schnittrhythmus. Bleibt die Frage, ob jemand wußte, daß es um Deutschland erneut Krieg geben wird. Wenn ja, dann könnte man die ARRIFLEX als Wehrmachtkamera verstehen.
    • Danke für Deine Ausführungen Simon, Du hast das alles noch weiter spezifiziert wobei Du sicher auch recht hast, die Wackelkamerafilme sind ein Graus, aber die ersten 35mm Kinofilme die die Handkamera als Gestaltungsittel eingesetzt haben sind heute sicher Ikonen des Kino, wie Godards "Außer Atem" und auch "Coogan´s Bluff" nutzten dieses Mittel indem der Schauspieler, in diesem Fall C.Eastwood, die Kamera selbst in der Hand hielt während der Action Szene.

      Es schlechter Kameramann macht weder mit noch ohne Stativ gute Aufnahmen aber eine sehr guter Regisseur mit einem sehr gutem Kameramann kann auch ohne Stativ sehr interessante Einstellungen machen.
      Wie immer gilt das die technik helfen kann, Können oder Kreativität kann sie aber nicht ersetzen.

      Die Arriflex hat konsequent auf den Reflexsucher gesetzt hat, dazu auf einen Elektromotor, nicht mehr mit Kurbel oder Federwerk. Ähnliche Versuche hat es gegeben aber als Handkamera waren es bis dahin mehr "Krücken" Es bedurfte viel Zeit für Voreinstellungen so das der Kameramann die Schärfe entsprechend nachziehen konnte.

      Leider wurde die Arri dann von den braunen Barbaren für ihre Zwecke mißbraucht, genauso wie die Leica, wobei bei der Letzteren keiner von einer Kriegskamera spricht.

      Diese Entwicklung erkennen wir heute auch wieder, die Mächtigen der Welt bedienen sich der neuesten Techniken um die Massen zu beinflussen, sei es um sie an den geistigen Ergüssen teilhaben zu lassen, um sie wissen zu lassen das der "Feind" unter Kontrolle ist, um zu überwachen u.v.m.
      Aber wie immer alles zu unserem Besten.
    • Schön, dass Du eine KInor 16 benutzt, Marwan! Davon hatte ich zwei Exemplare und nunmehr noch eine. Das war kein Nachbau von irgend etwas, sondern eine ziemlich eigenständige Entwicklung von KMZ in der UdSSR und war als Reporter-Kamera fürs Fernsehen ausgelegt. Dank Sperrgreifer ist der Bidstand hervorragend. Dein Objektiv ist der sowjetrussische Nachbau des Angénieux 12-120mm. Es gibt für die Kinor 16 auch einen Nachbau des Zeiss 10-100mm Zoom, das im westlichen Vorbild und im russischen Nachbau dem Angénieux-Objektiv bzgl Abbildungsleistung überlegen ist. Ich habe mehrere Jahre lang sehr viel mit dieser vorzüglichen Kamera gefilmt; u.a. eine Doku über ein Hilfswerk, die 2010 sogar ausgestrahlt wurde. Wenn Dich Infos dazu interessieren: 2006 schrieb ich über dieses Kamerasystem einen Artikel in der leider nicht mehr existenten Zeitschrift "Schmalfilm". Den Artikel kann ich Dir gern zur Verfügung stellen.
    • Ole Dost schrieb:

      2006 schrieb ich über dieses Kamerasystem einen Artikel in der leider nicht mehr existenten Zeitschrift "Schmalfil
      Hi Ole,

      den Artikel hab ich damals gelesen ich hatte die damals im Abo. Fand ich nebenbei sehr interessant.

      Ole Dost schrieb:

      Das war kein Nachbau von irgend etwas, sondern eine ziemlich eigenständige Entwicklung von KMZ in der UdSSR und war als Reporter-Kamera fürs Fernsehen ausgelegt.
      Mit der Aussage UDSSR Arri meinte ich den Stellenwert damals.

      Ole Dost schrieb:

      Dein Objektiv ist der sowjetrussische Nachbau des Angénieux 12-120mm.
      Ich hab das Angenieux auf meiner Beaulieu R16. Wenn es soweit ist werden wir die beiden mal nebenbei vergleichen.


      Ole Dost schrieb:

      Den Artikel kann ich Dir gern zur Verfügung stellen.
      Wir würden uns freuen den Artikel bei uns im APHOG Portal zu veröffentlichen? Würde das gehen?

      Viele Grüße

      Marwan
      "Das dumme an Zitaten aus dem Internet ist, dass man nie weiß, ob sie stimmen" (Leonardo Da Vinci 1442-1519)