Kamera/Objektive für Hochauflösungsfotografie?

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    • Re: Kamera/Objektive für Hochauflösungsfotografie?

      "Rolf Becker" schrieb:


      Mir ist kein einziges Objektiv bekannt, auf das diese Anforderung bei Offenblende zutrifft!
      Normalerweise erreichen Objektive ihr Leistungsoptimum bei einer Abblendung von etwa zwei Stufen, Beugungserscheinungen treten frühestens nach weiterer Abblendung um zwei bis drei Stufen auf.
      Sollte es tatsächlich Objektive mit von dieser Regel abweichendem Abbildungsverhalten geben, würde ich gern darüber erfahren.


      Hallo Rolf,
      Beugungserscheinungen als solche treten merklich früher auf .. sie werden nur eine zeitlang gleichsam "überdeckt" von nachlassenden Fehlern der Objektive beim Abblenden. In der theoretischen Betrachtung ergibt sich für einen KB-Film bei Blende 4 eine "Beugungsgrenze" von 400 lp/mm .. also durchaus Bereiche, in denen sich manche der Dokumentenfilme tummeln. Leica, Zeiss und weitere der üblichen Verdächtigen haben da einiges zu veröffentlicht, bei den beiden findest Du auch am ehesten Gläser, die bereits bei mehr als einer Stufe Abblendung beugungsbedingt nachlassen.

      Viel Grüße
      Martin

      Edit: örghs .. da waren einige in der Zwischenzeit wohl nicht mit Essen befaßt :)
      Never argue with idiots, they just drag you down to their level then beat you with experience :)
    • Re: Kamera/Objektive für Hochauflösungsfotografie?

      "Wilfried Welti" schrieb:

      Ja, es wird oft empfohlen Makroobjektive zu verwenden, wenn man auf hohe Auflösung aus ist... Nun warte ich noch auf konkrete Empfehlungen, am Besten von jemandem der's schon mal ausprobiert hat :wink:


      Ich habs zwar nicht mit Hochauflösungsfilmen probiert, aber von der Auflösungsleistung auf Kleinbild her ist sicher mein Sigma 70mm/2.8 Makro (die aktuelle Version) mein bestes Pferd im Stall und schlägt bei gleichen Blenden auch Summilux und Summicron von der M. Bei Großformat bin ich vom Apo-Sironar-S 150mm/5.6 begeistert, dem würde ich sogar auf Kleinbild einiges zutrauen. Aber ich hab leider keinen SLR-Adapter für's internationale Rückteil.
      Gruß,
      Matthias
    • Re: Kamera/Objektive für Hochauflösungsfotografie?

      Hallo,

      Holger: Da hast Du sicher recht -- bei Sucherkameras ist der Spiegelkasten nicht im Weg. Ich kann mir aber vorstellen daß man hier bei "passenden Brennweiten" auch bei Spiegelreflexkameras kein Problem mehr hat.

      Was natürlich kein Argument gegen eine Sucherkamera ist. Leider ist der "Camera Lens News" Artikel vom 24.02.06 nicht abrufbar, und das Biogon 25 ist natürlich auch nicht unbedingt sehr billig, grins.

      Matthias: Das Apo-Sironar-S 150/5,6 ist sicher erstklassig, aber mehr als f/5,6 geht damit halt prinzipbedingt nicht :wink: ... was natürlich auch nicht schlecht ist, wenn es hier schon optimale Leistung bringt. Könnte man ohne weiteres mit Rollfilm probieren.

      Martin: Ja, die "üblichen Verdächtigen" sind mir eigentlich auch bekannt... :wink: Nur fehlt es mir an konkreter Erfahrung. Es ist ja nicht so, daß jedes Zeiss-Objektiv automatisch für Hochauflösungsfotografie geeignet wäre.

      Viele Grüße
      Wilfried
    • Re: Kamera/Objektive für Hochauflösungsfotografie?

      "Holger Grosz" schrieb:

      Aber mit einen guten Makro wirst du ca 150 Linien pro mm schaffen.


      150 Linien pro mm erreicht man unter guten Umständen fast mit einem T-MAX 100.
      Hochauflösende Filme erreichen theoretisch bis zu 800 Linien pro mm, in der Praxis sollte man mit diesen in meinen Augen schon min. 250 Linien pro mm erreichen.

      Ein "Problem" ist auch was man dann mit den Filmen macht. Scanner erreichen die Auflösung dieser Filme nicht annährend und Abzüge müssten schon sehr groß sein um einen echten Vorteil zu haben.

      Gruss

      Patrick
    • Re: Kamera/Objektive für Hochauflösungsfotografie?

      Eine Kurze Frage, welchen sittlichen Nähwert soll das überhaupt haben so hoch aufzulösen? Unabhängig von der technischen Herausforderung wozu braucht man das? Ich vermute mal nicht das Du mit einer U2 über Kuba fliegen möchtest um festzustellen ob die Sovietunion Raketenbasen dort errichten möchte???

      Ist das ein reines KnoffHoff Experiment oder verfolgst Du da ein spezielles fotografisches Ziel denn bis jetzt geht es ja nur drum "was kann ich maximal erreichen"?

      Gruss

      Marwan
      "Das dumme an Zitaten aus dem Internet ist, dass man nie weiß, ob sie stimmen" (Leonardo Da Vinci 1442-1519)
    • Re: Kamera/Objektive für Hochauflösungsfotografie?

      Ich bin nun mal verspielt :D :wink:

      Fragen in der Art "wozu braucht man denn sowas" stoßen mir immer ein wenig auf. Würde ich auf solche Argumente hören, würde ich nun mit einer DSLR knipsen, statt mit einer analogen GF-Kamera und Mittelformat.

      Natürlich geht es mir vor allem erst mal ums Experimentelle. Aber wenn Fotografen den "sittlichen Nährwert" hoher fototechnischer Leistungen in Frage stellen, kräuseln sich mir ein wenig die Haare... Ich nenne es mal den "Aufruf zu schlechterer Technik" -- den hört oder liest man ja regelmäßig. So in der Art: "Ansel Adams hat dies und jenes auch nur mit einem Dreilinser fotografiert". Super. Schön für ihn. Ich habe auch schon mit Dreilinsern geknipst, die garantiert nicht für Hochauflösungsfotografie taugen. Macht das die Bilder nun besser? Ich werde die andere Seite der Medaille trotzdem mal ausprobieren. Schon um zu sehen, wie sich das anfühlt, und was dabei herauskommt. Außerdem mag ich große Bilder. Und die dürfen auch ruhig scharf sein :wink:

      Portra 400 finde ich übrigens auch faszinierend... z.B. den immensen Dynamikumfang, den dieser Film bewältigt... 8)

      Egal. Jetzt geht es mir erstmal um Hochauflösungsfotografie.

      Eine Contax wär' vielleicht auch nicht schlecht, oder? Z.B. eine G1 mit 90mm Sonnar f/2.8? Meinungen dazu?
      (Lange hochwertige Festbrennweiten tendieren meiner Beobachtung nach dazu, weniger Probleme mit Randunschärfe und Filmplanlage zu haben)

      Gruß
      Wilfried
    • Re: Kamera/Objektive für Hochauflösungsfotografie?

      Nun zum einen war es gar nicht negativ gemeint mit dem "sittlichen Nährwert". Und ich hab auch nichts gegen gute bzw bessere Technik. Ich selber fotografiere im MF und Projeziere meine Dias, nur die Diskussion über eine maximal mögliche Auflösung ist nicht sehr Zielführend wenn Du nicht was bestimmtes im Sinn hast. Zudem haben Objektive nicht überall die gleiche Auflösung sondern es kommt meist zum Rand zu einem oft signifikanten Abfall.Wenn man dann aber schon eine Diskussion über Bessere Technik beginnt, ist die Auflösungsangabe nur sinnvoll wenn sie mit dem MTF-Verhalten der Linse koreliert wird und ich meine im gesmaten Verlauf wurde das immer aussen vor gelassen.

      Hinzu kommt rein praktisch, das eine Aussage über die Auflösung ohne den späteren Vergrösserungsfaktor anzugeben sowie den Betrachtungsabstand einzuplanen auch nur bedingt etwas für den Betrachter bringt, es sei denn man ist ein Raubvogel.

      Wenn man später aber plant enorme Auschnittsvergrösserungen anzufertigen dann macht es wieder Sinn, zB bei Luftaufnahmen für militärische Aufklärung!

      Ich gehe aber nicht davon aus das ein SW-Foto von Neuschwanstein in 20X30 vergössert bei einer Auflösung von 150 Lp/mm besser oder "schärfer" wirkt als bei 50Lp/mm, vor alle wenn man nur dieses Qualitätsmerkmal voraussetzt.

      Soll es eine Plakat werden dann wird es in der Regel nicht mit der Lupe betrachtet sondern man steht dann noch weiter weg um den Gesamteindruck erfassen zu können. Abgesehn davon sollte man sicher auch bedenken das ab einer bestimmten Auflösung andere Effekte zum tragen kommen wie Schwingungen in der Kamera wie Spielgelschlag usw.

      Gruss

      Marwan
      "Das dumme an Zitaten aus dem Internet ist, dass man nie weiß, ob sie stimmen" (Leonardo Da Vinci 1442-1519)
    • Re: Kamera/Objektive für Hochauflösungsfotografie?

      Hallo Marwan!

      Peace *pfeife# ... schon klar! Eine Vergrößerung auf 20x30 cm braucht sowas nicht. Diese Größe läuft bei mir allerdings auch eher unter "pflegeleichtes Vorschauformat". :wink:

      Mich interessiert vor allem grundsätzlich wie sich Filme und Objektive verhalten, gerade auch in solchen Extrembereichen. Wie das ganze dann bildmäßig funktioniert, möchte ich natürlich auch sehen. Mehr als 100cm Bildbreite hatte ich jedenfalls auch schon. :D

      Mit Militär habe ich allerdings NICHTS am Hut! :?

      Mit Spiegelschlag usw. werd' ich schon fertigwerden (Eine Contax G1 hat übrigens keinen Spiegel...).

      Also nochmal... hat jemand eine Meinung dazu, was z.B. eine Contax G1 mit Sonnar 90/f2.8 für diesen Zweck taugt?

      Viele Grüße
      Wilfried
    • Re: Kamera/Objektive für Hochauflösungsfotografie?

      Danke für den Link.

      Die machen da allerdings wohl irgendwas falsch. Die Beispielbilder sind bei 4000 dpi jedenfalls nicht schärfer als was ich jetzt schon mit Dia-Farbfilm sogar auf einem sehr viel größeren Format bei 100%-Darstellung mit derselben Scanauflösung zustande bekomme. Die Beispiele von Martin Mohr hier im Forum waren überzeugender, da war ein Bild bei 4000 dpi noch ordentlich scharf. Siehe diesen Thread:
      aphog.de/forum/viewtopic.php?f…=176110&hilit=6x7#p176110

      Viele Grüße
      Wilfried
    • Re: Kamera/Objektive für Hochauflösungsfotografie?

      Hallo Wilfried,

      nachdem Du nun viele Antworten von Fotografen bekommen hast, die solche Auflösungstests selbst (noch) nicht durchgeführt haben, und diese Fotografen Dir ausführlich von ihren Nicht-Tests und Nicht-Aufnahmen und ihren Erfahrungen des Nicht-Fotografierens mit Hochauflösungsfilm berichtet haben ("ich glaube, ich glaube nicht, ich denke, ich halte es für möglich, habe mal mal irgendwo im Netz gelesen, dass.......sorry, I couldn't resist :wink: ),
      ist es für Dich sicher hilfreich, einige Testergebnisse von jemandem zu bekommen, der sich damit wirklich intensiv beschäftigt hat
      (ich habe vor über 25 Jahren das Thema Hochauflösungsfilme für mich entdeckt (damals Kodak Technical Pan), und mich seitdem immer wieder sehr intensiv damit beschäftigt. Unterschiedliche Filme, Entwickler und Objektive eingehend getestet, sowohl unter standardisierten Testbedingungen, als auch im fotografischen Alltag; in meinem Archiv befindet eine hohe vierstellige Anzahl an Aufnahmen auf diesen Filmen).

      Also, Spaß beiseite, ran an die Fakten:
      1. Objektive: Die theoretisch höchste Auflösung haben Objektive bei offener Blende. Sobald abgeblendet wird, treten erste Beugungserscheinungen auf.
      Bei offner Blende sind allerdings auch die Abbildungsfehler des Objektivs am größten, welche wiederum durch Abblendung verringert werden.
      Objektive haben also einen sogenannten "sweet spot", ein Maß der optimalen Abblendung, bei dem eine Balance aus Verringerung der Abbildungsfehler einerseits und noch nicht zu starken Beugungserscheinungen andererseits besteht.
      Bei den Festbrennweiten, die ich bisher getestet habe, lag dieser "sweet spot", also die Blende(n), bei der die höchste Auflösung erzielt wird, bei Blende 4 und / oder Blende 5,6.
      Bei Blende 2,8 lag die Leistung immer etwas niedriger, weil die Abbildungsfehler des Objektivs die geringeren Beugungsverluste überkompensiert haben, und bei Blende 8 lag die Leistung ebenfalls niedriger, weil die stärkeren Beugungsverluste die geringeren Abbildungsfehler überkompensiert haben.
      Bei Blende 4 liegt die Beugungsgrenze bei weißem Licht bei ca. 400 Lp/mm (Zeiss hatte diese Beugungsgrenze einmal mit dem 25er Biogon an der ZM erreicht, auf Orthopan UR).
      Bei Blende 5,6 bei 250 Lp/mm.

      2. Film: Der Film mit dem höchsten Auflösungsvermögen ist der Agfa HDP 13 (= Spur Orthopan UR = Adox CMS 20). Mit dem Film kann man bei sorgfältiger Testdurchführung durchaus in den Bereich der Beugungsgrenzen bei Blende 4 und 5,6 vorstoßen.
      Es ist allerdings auch der Film mit der geringsten Empfindlickeit (effektiv ISO 4-5). Und das kann beim Testen durchaus Probleme bereiten (dazu später mehr).
      Ansonsten bieten sich der Agfa Copex Rapid (ISO 40/17°) und der ATP an, mit deutlich höherer Empfindlichkeit, welche die Testdurchführung vereinfacht.
      In den Bereich der Beugungsgrenze bei Blende 5,6 vorzustoßen ist mit diesen Filmen ebenfalls möglich, wenn der Objektkontrast ausreichend hoch ist (dazu später mehr).

      3. Testdurchführung: Wenn Du in den Bereich der Beugungsgrenzen kommen möchtest, musst Du alle anderen auflösungsmindernden Störgrößen ausschalten. Das bedeutet insbesondere

      a) genaueste Fokussierung:
      Maximale Auflösung hat man nur exakt in der Schärfeebene, nirgendwo sonst. Schärfentiefe hilft nicht weiter, sie stellt nur ein geringeres Maß an Unschärfe dar.
      Keine derzeit am Markt erhältliche Scharfeinstellhilfe (weder im MF noch im AF-Bereich) ist wirklich exakt. Deswegen muss man diese Ungenauigkeit ausschalten, indem man mit Fokusbracketing arbeitet. D.h. man fokussiert bei jeder Aufnahme neu, und macht eine hohe Zahl an Testaufnahmen. Am besten mindestens einen ganzen 36er Film, jede Aufnahme neu fokussiert. Dann hat man eine sehr große Wahrscheinlichkeit, dass wenigestens ein exakter Treffer der Schärfeebene dabei ist.
      Sehr hilfreich ist, wenn der verwendete Testchart einen Siemensstern aufweist, der erleichtert die exakte Scharfeinstellung. Je nach Güte Deiner Augen kann auch eine 2x Sucherlupe nützlich sein.

      b) Vermeidung jeglicher Vibrationen: Absolut notwendig sind
      - sehr solides Stativ mit bester Schwingungsdämpfung: Möglichst kein Aluminium (relativ schlechte Schwingungsdämpfung), sondern Eschenholz (beste Schwingungsdämpfung aller im Stativbau verwendeten Materialien)
      - Spiegelvorauslösung (bei SLRs)
      - möglichst kurze Verschlusszeit (kürzer als 1/250s), lässt sich z.B. auch über einen Blitz erreichen; da Schwingungen nicht nur vom Spiegel (bei SLRs), sondern auch vom Verschluss (bei allen Kameras) erzeugt werden, ist generell eine möglichst kurze Verschlusszeit sinnvoll
      - Fernauslöser / Drahtauslöser

      c) Testchart: Der Testchart muss über die gewünschten hohen Ortsfrequenzen (höher als 200 Lp/mm) verfügen, um möglichst einfach arbeiten zu können. Ansonsten: Aufnahmeabstand vergrößern und und per Maßstabsformel die Auflösung berechnen.
      Ganz wichtig:
      Die Auflösung ist immer vom Objektkontrast abhängig. Eine belastbare Aussage über die Auflösung eines optischen Systems erfordert immer die Angabe des zu Grunde liegenden Objektkontrasts!
      Dies erfordert, den Objektkontrast der verwendeten Testmuster vorher auszumessen.

      Je höher der Objektkontrast (der Kontrast zwischen den weißen und schwarzen Linien des Testcharts), desto höher wird die Auflösung sein und umgekehrt.
      Je geringer der Objektkontrast des Testcharts, desto höher die Aussagekraft für die fotografische Praxis, da die meisten Motive geringe bis mittlere Objektkontraste in den feinen Details aufweisen.

      d) Beleuchtung: Testcharts neigen bei zu direkter Beleuchtung schnell zur Reflektionsbildung, was dann die Testmuster überlagert und eine Auswertung verhindert. Deswegen ist eine sehr weiche, indirekte Ausleuchtung, z.B. über Diffusionsschirme, sinnvoll.
      Probleme kann es dann aber bei Filmen mit sehr geringer Empfindlichkeit geben (s.o), weil die indirekte Lichtführung viel Licht schluckt. Selbst mit zwei LZ 40 Blitzgeräten wird es dann schnell knapp bei 1/250 Blitzsynchronzeit und Bl. 5,6.

      e) Testauswertung: Für die Analyse von Auflösungen von mehr als 100 Lp/mm sollte man ein Mikroskop mit 100x Vergrößerung verwenden.
      Da sieht man dann wirklich, was auf dem Film drauf ist.
      Scannen verbietet sich, weil kein Scanner, auch kein Trommelscanner, in der Lage ist, solch hohe Auflösungen zu erfassen (wir hatten das mit einem Nikon Coolscan V, ICG 370 Trommelscanner und Imacon X5 (virtuelle Trommel) getestet).

      Testergebnisse:
      Als Anhaltspunkt einmal für Dich einige Testergebnisse, die wir in der Vergangenheit erzielt haben.
      Die Ergebnisse geben jeweils die Systemauflösung vom Objektiv bei einer bestimmten Blende in Kombinationen mit einem Film wieder. Der niedrigere, erste Wert stellt die Anzahl an Linienpaaren pro Millimeter (Lp/mm) dar, welche sauber getrennt wiedergegeben werden. Der höhere, zweite Wert die Linienzahl, bei der noch ein Kontrastunterschied zwischen weißen und schwarzen Linien sichtbar ist.
      Der Objektkontrast des Testcharts beträgt 1:4 (zwei Blendenstufen). Ein relativ niedriger Objektkontrast, der sich in den meisten Motiven in einigen Details findet (dieser Praxisbezug ist mir wichtig).
      Testkamera Nikon F6, Stativ Berlebach Report 3032.
      Beurteilung der Auflösung in der Bildmitte.

      Spur Orthopan UR(entwickelt in Nano Edge) mit
      - Nikon Nikkor 1,8/50 AI-S (die Ausführung mit 0,45m Naheinstellgrenze und langer Fassung, welche 1978 auf den Markt gekommen ist):
      Blende 2,8: 230 - 260 Lp/mm
      Blende 4: 240 - 260 Lp/mm
      Blende 5,6: 240 - 260 Lp/mm

      - Zeiss Makro-Planar 2/50 ZF:
      Blende 2,8: 230 - 245 Lp/mm
      Blende 4: 240 - 260 Lp/mm
      Blende 5,6: 240 - 260 Lp/mm

      - Nikon Nikkor 1,8/50 AF-D:
      Blende 2,8: 180 - 205 Lp/mm
      Blende 4: 205 - 230 Lp/mm
      Blende 5,6: Testergebnisse noch nicht ausgewertet

      Nikon Nikkor 1,8/85 AF-D:
      Blende 2,8: 175 - 190 Lp/mm
      Blende 4: 205 - 215 Lp/mm
      Blende 5,6: 195 - 205 Lp/mm

      Das Nikkor 1,8/50 AI-S und das Zeiss ZF 2/50 weisen in der Bildmitte bei Blende 2,8, 4 und 5,6 praktisch identische Auflösungswerte auf.
      In der Bildmitte ist die Abbildungsleistung so hoch, dass diese weitgehend beugungsbegrenzt ist.
      Der Objektkontrast bei diesem Test ist mit nur 1:4 relativ niedrig.
      Bei einem höheren Objektkontrast sind bei Blende 4 sicher noch höhere Auflösungswerte möglich. Bei Blende 5,6 nicht, dann hier befinden wir uns mit gut 240 Lp/mm bereits an der Beugungsgrenze.

      Bei weiteren Tests ( auch mit etwas anderer Methodik) zeigte das Zeiss eine bessere Abbildungsleistung in den Randbereichen und bei Offenblende, sowie bei kürzeren Aufnahmedistanzen.
      Das Zeiss ist insgesamt das am homogensten und über das Bildfeld gleichmäßigsten korrigierte Objektiv dieser Testreihe. Es zeigt insgesamt die beste optische Leistung.
      Das Nikkor 1,8/85 AF-D weist ebenfalls eine sehr gleichmäßige Korrektion auf, mit relativ geringen Unterschieden zwischen Bildmitte und Bildrand und zwischen einzelnen Blendenstufen.
      Obwohl im optischen Aufbau identisch zum AI-S Nikkor, weist das Nikkor 1,8/50 AF-D eine etwas schlechtere Abbildungsleistung auf, was auf eine leichte Dezentrierung zurückzuführen ist. Hier zeigt sich die höhere Qualität der Metallfassung des alten AI-S Nikkors gegenüber der Kunststoff-AF Fassung des AF-D Nikkors.

      Weitere Auflösungswerte für andere Filme:

      Agfa Copex Rapid, entwickelt in Spur Modular UR New (ISO 40/17°):
      Nikon Nikkor 1,8/50 AI-S und Zeiss 2/50 ZF, Blende 5,6: 165 - 180 Lp/mm

      Ilford Delta 100 und Kodak T-Max 100, entwickelt in RLS, CG512, HRX-3 (ISO 50/18° - 64/19°):
      Nikon Nikkor 1,8/50 AI-S und Zeiss 2/50 ZF, Blende 5,6: 135 - 150 Lp/mm

      Fuji Provia 100F, Sensia 100, Astia 100F, Kodak E100G, Elitechrome 100:
      Nikon Nikkor 1,8/50 AI-S und Zeiss 2/50 ZF, Blende 5,6: 120 - 135 Lp/mm.

      Kodak Ektar 100:
      Nikon Nikkor 1,8/50 AI-S und Zeiss 2/50 ZF, Blende 5,6: 90 - 105 Lp/mm

      Fujicolor 100:
      Nikon Nikkor 1,8/50 AI-S und Zeiss 2/50 ZF, Blende 5,6: 120 - 130 Lp/mm.

      Ich hoffe, die Testbeschreibung und die Testergebnisse sind hilfreich für Dich.

      Beste Grüße,
      Henning
    • Re: Kamera/Objektive für Hochauflösungsfotografie?

      "Martin Mohr" schrieb:

      Beugungserscheinungen als solche treten merklich früher auf .. sie werden nur eine zeitlang gleichsam "überdeckt" von nachlassenden Fehlern der Objektive beim Abblenden. In der theoretischen Betrachtung ergibt sich für einen KB-Film bei Blende 4 eine "Beugungsgrenze" von 400 lp/mm .. also durchaus Bereiche, in denen sich manche der Dokumentenfilme tummeln. Leica, Zeiss und weitere der üblichen Verdächtigen haben da einiges zu veröffentlicht,
      Bei SPUR findet sich ein Leitfaden zur SW-Hochauflösungsfotografie, in dem auf oben erwähnten Artikel bei Zeiss verwiesen wird. Leider steht der Artikel im Dokument "Camera Lens News No. 24" (noch) nicht online als PDF im Archiv des gerade zum Blog umgewandelten Newsletters Camera Lens New zur Verfügung.

      Gruß,
      Moritz
      Froh schlägt das Herz im Reisekittel,
      Vorausgesetzt, man hat die Mittel.
      (W. Busch)

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      Fotoblog

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    • Re: Kamera/Objektive für Hochauflösungsfotografie?

      "Henning Serger" schrieb:

      e) Testauswertung: Für die Analyse von Auflösungen von mehr als 100 Lp/mm sollte man ein Mikroskop mit 100x Vergrößerung verwenden.
      Da sieht man dann wirklich, was auf dem Film drauf ist.
      Hallo Henning,
      danke für den ausführlichen Beitrag. Ich habe hier bereits den ATP 1.1 mit neuestem SPUR Entwickler vorrätig, da ich ebenfalls mit Hochauflösung experimentieren will.

      Muß ich zwangsläufig mit einem Mikroskop die Negative untersuchen oder kann ich diese auch mit einer hochwertigen Vergrößerungsoptik projizieren und auf einer Leinwand messen?

      Dank&Gruß,
      Moritz
      Froh schlägt das Herz im Reisekittel,
      Vorausgesetzt, man hat die Mittel.
      (W. Busch)

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    • Re: Kamera/Objektive für Hochauflösungsfotografie?

      Hallo Marwan,

      "Marwan El-Mozayen" schrieb:


      Ich gehe aber nicht davon aus das ein SW-Foto von Neuschwanstein in 20X30 vergössert bei einer Auflösung von 150 Lp/mm besser oder "schärfer" wirkt als bei 50Lp/mm, vor alle wenn man nur dieses Qualitätsmerkmal voraussetzt.


      dem muss ich aufgrund meiner eigenen langjährigen Erfahrung und zahlreicher Aufnahmen, die unter identischen Bedingungen mit Filmen ähnlicher Auflösung entstanden sind, doch entschieden widersprechen.
      Der Unterschied ist sehr deutlich sichtbar, auch bei 20x30 Abzügen!

      Konkretes Beispiel: Unter den oben in meinen ersten Beitrag beschriebenen Testbedingungen hatte ich auch den Ilford Klassiker FP4+ getestet.
      Der erzielte bei einem Objektkontrast von 1:4 mit dem Zeiss 2/50 bei Bl. 5,6 eine Auflösung von 75 - 90 Lp/mm.
      Der Delta 100 unter identischen Bedingungen 135 - 150 Lp/mm.

      Der Auflösungsunterschied bei diesem moderaten Objektkontrast ist noch geringer als der in Deinem Beispiel angegebene.
      Aber wenn Du nun unter identischen Bedingungen eine Aufnahme mit dem FP4+ machst, und eine mit dem Delta 100 und dann beide Aufnahmen auf 20x30 vergrößerst, wird Dir der Unterschied in Schärfe und Auflösung sofort ins Auge springen. Der Delta 100 ist diesbezüglich sichtbar besser als der FP4+. Jeder, der mit beiden Filmen gearbeitet hat, weiß das.

      Dein Unterschied in dem Beispiel von 100 Lp/mm entspricht dem Unterschied zwischen einem Copex Rapid (165 - 180 Lp/mm) und einem Ilford HP5+ (60 - 75 Lp/mm).
      Beide auf 20x30 vergrößert: Da liegen Welten zwischen, keinerlei Chance für den HP5+.

      Höher auflösende Filme, egal ob man jetzt von einem FP4+ auf einen Delta 100 oder TMX umsteigt, oder mit den Hochauflösungsfilmen noch eine große Stufe höher steigt, bringen immer eine sichtbar bessere Detailwiedergabe, auch bei kleineren Abzugsformaten.

      Ein Vorteil der hochauflösenden Filme, der insbesondere auch bei kleineren Abzugsformaten zum Tragen kommt ist, dass sie bei geringeren Objektkontrasten ein deutlich höhere Auflösung liefern als konventionelle Filme.

      Höher auflösenden Filme bringen ebenfalls stets eine sichtbare Verbesserung auch bei gleichem Objektiv:
      Die Systemauflösung folgt prinzipiell diesem Zusammenhang:
      1/Systemauflösung = 1/Objektivauflösung + 1/Filmauflösung.
      Was man auf den ersten Blick sieht:
      Erhöhe ich die Filmauflösung bei gleichbleibender Objektivauflösung, steigt die Auflösung des Gesamtsystems.
      Ein höher auflösender Film bringt also immer einen Vorteil, selbst wenn das Objektiv nur mittelmäßig ist.
      Man kann seine Objektive mit höher bzw. hoch auflösenden Filmen "tunen" und insgesamt deutlich bessere Leistungen des Gesamtsystems erzielen.
      Ich habe einige Aufnahmen gemacht, wo unter identischen Bedingungen die Aufnahme mit mittelmäßigem Objektiv und hoch auflösendem Film besser war als das Ergebnis mit Edellinse + konventionellem Film.

      Umgekehrt funktioniert es natürlich ebenso: Bei gleichbleibendem Film führt die Verwendung eines besseren Objektivs ebenfalls zu höherer Leistung.

      Fazit:
      Die Verwendung von hochauflösenden Filmen führt zu einer sichtbar besseren Bildqualität auch bei
      - Verwendung kleiner Abzugsformate wie 20x30
      - Verwendung auch weniger guter Objektive.

      Dass die Vorteile hochauflösender Filme bei größeren Abzugsformaten und Verwendung sehr guter Objektive überproportional zu Buche schlagen, bleibt genauso zutreffend.

      Beste Grüße,
      Henning

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